Angiologie
| Kontakt | Telefon | Fax |
|---|---|---|
| Ärztliche Leitung Univ.-Prof. Dr. med. C. Espinola-Klein | über Sekr. | 06131-17-6407 |
| Sekr. Fr. M. Tunc | 06131 17-7293 | 06131-17-6407 |
| Tanja Ackermann (Office Management) | 06131-17 3960 | 06131 17-6407 |
| Leitende MTA Frau K.-S. Yoo | 06131-17 2849 | 06131 17-3461 |
| Terminvereinbarung | 06131-17 2849 | 06131 17-3461 |
Die Angiologie ist neben der Kardiologie der zweite fachärztlich internistische Schwerpunkt der II. Medizinischen Klinik.
Der Begriff Angiologie kommt aus dem Griechischen und leitet sich von den Wörtern "angios" (= das Gefäß) und "logos" (= die Lehre) ab. Demnach ist die Angiologie die Lehre von den Gefäßen. In der Inneren Medizin ist die Angiologie die Fachrichtung, die sich mit dem Erkennen und Behandeln von Erkrankungen der Arterien, Venen und Lymphgefäße beschäftigt.
In Anbetracht der Bevölkerungsentwicklung nimmt die Anzahl an Patienten mit Gefäßerkrankungen ständig zu, was sich auch einer jährlich steigenden Zahl von angiologischen Untersuchungen wieder spiegelt. Im Jahr 2009 wurden in der Angiologie insgesamt 11681 Gefäß-Untersuchungen durchgeführt. Da Gefäßerkrankungen bei zahlreichen Krankheitsbildern ein wichtiger Aspekt sind, werden häufig Patienten gemeinsam mit anderen Fachdisziplinen aus der Universitätsmedizin betreut. Das heißt aber auch, dass bei vielen Erkrankungen eine zusätzliche angiologische Diagnostik notwendig ist. Die Angiologie ist damit ein überaus interessantes und abwechslungsreiches Fachgebiet, bei dem die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Fachgebieten ein zentraler Aspekt ist.
Neben der Krankenversorgung spielen in der Angiologie auch die Forschungsprojekte auf dem Gebiet der peripheren Atherosklerose, die Betreuung von Patienten im Rahmen von verschiedenen klinischen Studien und die Ausbildung von Studierenden eine zentrale Rolle.
Leistungen
In der angiologischen Abteilung und der angegliederten Ambulanz werden sowohl ambulante als auch stationäre Patienten betreut. Das Leistungsspektrum umfasst das gesamte Spektrum angiologischer Diagnostik. Darüber hinaus werden Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern behandelt und interdisziplinär zusammen mit Fachkollegen betreut.
Angiologische Diagnostik
- Duplexsonographie von Halsgefäßen, abdominalen Gefäßen und Gefäßen der Extremitäten inklusive der Duplexsonographie der tiefen und oberflächlichen Venen
- Periphere Blutdruckmessung an Armen und Beinen
- cw-Doppler-Untersuchungen der Arterien und Venen an Armen und Beinen
- Elektronische Oszillographie der Arterien inkl. der Digitalarterien
- Venenverschlussplethysmographie
- Kapillarmikroskopie
- Transkutane Sauerstoffpartialdruckmessung
- Provokationstests wie beispielsweise die Laufbandergometrie
- Akrale Diagnostik bei V.a. Durchblutungsstörungen der Finger und Zehen
- Bestimmung der Intima-Media-Dicke der A. carotis
In der interdisziplinären diagnostisch/therapeutischen Versorgung von gefäßkranken Patienten spielt die hiesige Angiologie eine wichtige Rolle.
Ein besonderer Stellenwert in diesem Zusammenhang kommt der engen Kooperation mit der hiesigen Herz-, Thorax- Gefäßchirurgie zu. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit werden täglich bspw. Patienten mit peripheren Bypasses zu regelmäßigen Verlaufskontrollen beurteilt. Ebenso enge Beziehungen bestehen zur Endokrinologie (z. B. diabetischer Fuß), Nephrologie, Neurologie, Dermatologie, Radiologie sowie eine enge Kooperation mit niedergelassenen Kollegen.
Das Team
In der angiologischen Abteilung sind insgesamt 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Die ärztliche Leitung der Angiologie obliegt Frau Univ.-Prof. Dr. Christine Espinola-Klein, Stellvertreter ist Herr Dr. Gerhard Weißer. Darüber hinaus werden in der Angiologie Patienten mit Erkrankungen der Arterien und Venen in verschiedenen klinischen Studien betreut, der leitende Prüfarzt ist Dr. Gerhard Weißer. Außerdem sind als ärztliche Mitarbeiter Herr Dr. Jörn Fredrik Dopheide und Herr Dr. Nico Abegunewardene beschäftigt. Das ärztliche Team wird durch Frau Dr. Corina Huth komplettiert.
Link ärztliche Mitarbeiter Angiologie
Die Leitung des medizinischen Fachpersonals wird von der Medizinisch Technischen Assistentin Frau Kyung-Suk Yoo ausgefüllt. Des Weiteren arbeiten im Team die Krankenschwestern Frau Dorit Berz und Frau Karina Havlicek sowie die Arzthelferinnen Frau Petra Bäthies, Frau Medine Tunc, Frau Anna-Kristin Grundmann und Frau Tanja Ackermann.
Link Medizinisches Fachpersonal
Das Angiologie-Team wird bei den klinischen Studien außerdem von 5 studentischen Hilfskräften und in den verschiedenen Forschungsprojekten von Doktorandinnen und Doktoranden unterstützt.
Periphere arterielle Verschlusserkrankung („PAVK“)
Ein besonderer Schwerpunkt der Angiologie ist die Diagnostik und Behandlung von Patienten mit „peripherer arterieller Verschlusserkrankung“ („PAVK“). Bei der PAVK handelt es sich um eine fortschreitende Störung der Durchblutung von Extremitätenarterien. In den meisten Fällen sind die Beinarterien, seltener die Armarterien betroffen, die Ursache hierfür ist fast immer eine Arterienverkalkung („Atherosklerose“). Typische Beschwerden einer PAVK sind Schmerzen in Waden und Oberschenkeln beim Laufen, daher wird die PAVK im Volksmund auch als „Schaufensterkrankheit“ bezeichnet. In fortgeschrittenen Stadien beklagen die Patienten sogar Schmerzen in Ruhe oder es treten aufgrund schwerer Durchblutungsstörungen offene Stellen an den Füßen auf, man spricht auch von einer „kritischen Durchblutungsstörung“ oder „kritischen Ischämie“. Im Fall einer kritischen Durchblutungsstörung kann das Bein sogar von einer Amputation bedroht sein.
Viele Patienten haben jedoch Durchblutungsstörungen der Beinarterien, ohne dass Beschwerden auftreten. Das hängt damit zusammen, dass oft andere Beschwerden wie Herzerkrankungen oder Einschränkungen des Bewegungsapparates das Laufen behindern oder aufgrund einer Nervenstörung („Polyneuropathie“) das Schmerzempfinden beeinträchtigt ist. Manchmal bemerken die Patienten erst, dass etwas nicht stimmt, wenn eine Wunde am Fuß nicht mehr abheilt. Es ist daher wichtig, eine PAVK rechtzeitig festzustellen und frühzeitig die Durchblutung der Beinarterien zu verbessern.

- Messung zur Bestimmung des ABI
In der Angiologie können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden, um eine PAVK festzustellen und die rechtzeitige Behandlung zu veranlassen. Die meisten Untersuchungen werden mit Ultraschall-Geräten durchgeführt. Zur Basisdiagnostik gehört die Messung des Blutdruckes am Knöchel. Der Blutdruck am Knöchel wird zum Blutdruck am Arm in Bezug gesetzt und der sogenannte „Ankle-Brachial-Index“ (ABI) bestimmt. In einigen Fällen, wenn eine sogenannte Mediasklerose vorliegt, kann es auch notwendig sein, den Blutdruck an der Großzehe zu messen.

- Foto links: Cw-Doppler der Beinarterie; Foto rechts: Oszillographie der Beine
Im Anschluss erfolgt eine „cw-Doppleruntersuchung“ und eine „Oszillographie“, eine Untersuchung mit besonderen Blutdruckmanschetten, diese kann in Ruhe und nach Belastung (Kniebeugen Zehenständen) erfolgen. Bei gehfähigen Patienten wird eine Laufbanduntersuchung durchgeführt, um zu ermitteln, nach welcher Wegstrecke Beschwerden auftreten. Bei Patienten mit kritischer Ischämie kann keine Laufbanduntersuchung erfolgen, in diesen Fällen kann man mit einer Messsonde den Sauerstoffgehalt der Haut messen („transkutane Sauerstoffpartialdruckmessung“).

- Foto links: Laufbandergometrie; Foto rechts: Sauerstoffpartialdruck-Messung
Um eine genaue Behandlungsstrategie festzulegen wird anschließend eine „Duplexsonographie“ durchgeführt, bei der die Arterien im Ultraschall angesehen werden und der Blutfluss in den Arterien genau untersucht wird.
Da bei Patienten mit einer PAVK häufiger eine Erweiterung der Bauchschlagader (Aortenaneurysma) auftritt, sollte immer auch eine Duplexsonographie der Aorta erfolgen. Patienten mit einer PAVK haben auch häufiger eine Verkalkung der Herzkranzarterien, daher wird die Laufbandergometrie immer mit einer zusätzlichen EKG-Überwachung durchgeführt. Darüber hinaus finden sich bei Patienten mit PAVK häufiger Verkalkungen der Halsschlagadern, weshalb bei Patienten mit PAVK auch eine Duplexsonographie der Halsschlagadern durchgeführt werden sollte.

- Fotos von links nach rechts: Duplexsonographie - 1. -der Bauchschlagader; 2. -der Beinarterie; 3. -der Halsschlagader
Für die Behandlung der PAVK stehen Medikamente, die Behandlung mit einem Ballonkatheter sowie verschiedene chirurgische Verfahren zur Verfügung. Die Behandlung der PAVK erfolgt in der Universitätsmedizin in enger Kooperation mit der Radiologie, Gefäßchirurgie und Endokrinologie. Für jeden Patienten wird interdiziplinär, das heißt in enger Abstimmung zwischen den Fachabteilungen, ein individuelles Behandlungsschema besprochen, so dass eine optimale Therapie durchgeführt werden kann.
Erkrankungen der Venen
Ein weiterer Schwerpunkt der Angiologie liegt in der Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des Venensystems. Die Venen haben die Aufgabe, das sauerstoff- und nährstoffarme Blut zum Herzen zurück zu transportieren. Es gibt das „oberflächliche Venensystem“, welches direkt unter der Haut liegt und das Blut weiter in das „tiefe Venensystem“ leitet. In bestimmten Situationen kann es zur Ausbildung eines Blutgerinnsels („Thrombus“) in einer Vene kommen. Bildet sich ein Thrombus in einer tiefen Vene spricht man von einer „tiefen Venenthrombose“, bildet sich ein Blutgerinnsel in einer oberflächlichen Vene spricht man von einer „Thrombophlebitis“, im Volksmund spricht man auch von einer „Venenentzündung“. Ein Thrombus im tiefen Venensystem ist viel gefährlicher als im oberflächlichen Venensystem, es kann dann sogar zur einer Bewegung mit dem Blutstrom in die Lungengefäße kommen und eine lebensbedrohliche „Lungenembolie“ entstehen. Es ist daher wichtig, dass eine tiefe Venenthrombose schnell erkannt und sofort mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt wird.

- Duplexsonographie der Beinvenen
Sowohl Gerinnsel des tiefen als auch des oberflächlichen Venensystems kann man in der Angiologie mit Hilfe der „Duplexsonographie“ einfach feststellen. Eine tiefe Venenthrombose kann beispielsweise nach einer Operation auftreten, aber auch Patienten, die aufgrund einer Erkrankung für eine Zeit im Bett gelegen haben, haben ein erhöhtes Risiko für eine Thrombose. Es ist daher wichtig, die Ursache für eine tiefe Venenthrombose heraus zu finden, um die Entstehung einer erneuten Thrombose zu verhindern und um zu entscheiden, wie lange blutverdünnende Medikamente eingenommen werden müssen.Der Blutfluss ist in den Venen langsamer als in den Arterien, unter anderem weil das Blut in den meisten Venen von unten nach oben fließt. In gesunden Venen verhindern Venenklappen den Rückfluss des Blutes. Nach einer Thrombose sind diese zarten Venenklappen oft beschädigt, so dass Blut beispielsweise vom Oberschenkel in den Unterschenkel zurück fließen kann. Darüber hinaus kann es zur Ausbildung von Krampfadern („Varizen“) kommen, die zu einer Undichtigkeit der Venenklappen der oberflächlichen Venen führen. Daher ist sowohl bei Erkrankung des tiefen als auch oberflächlichen Venensystems in der Regel das Tragen von Kompressionsstrümpfen notwendig. Es gibt verschieden feste und unterschiedlich lange Kompressionsstrümpfe. Mittels Duplexsonographie kann festgestellt werden, welche Venenklappen nicht mehr vollständig schließen und welcher Kompressionsstrumpf zu empfehlen ist. Darüber hinaus kann mit Hilfe der Venenverschlussplethysmographie der Kompensationsgrad einer venösen Abflussbehinderung eingeschätzt werden.
Patienten mit Erkrankungen des Venensystems werden in enger Kooperation mit der phlebologischen Abteilung der Dermatologie, mit der Hämostaseologie und mit dem Thrombosedienst der II. Medizinischen Klinik betreut.
Durchblutungsstörungen der Finger- und Zehengefäße
Ein weiterer Schwerpunkt der angiologischen Abteilung ist die Diagnostik und Behandlung von Durchblutungsstörungen der Fingerarterien. Es gibt unterschiedliche Ursache für Durchblutungsstörungen der Hände und Füße. Meist sind die Beschwerden an den Händen vordergründig, da die Füße durch Strümpfe und Schuhe einen gewissen Schutz vor Kälte haben.
In vielen Fällen besteht zwar eine Neigung zu kalten Händen und / oder Füßen, eine relevante Durchblutungsstörung liegt aber nicht vor. Es gibt Patienten, bei denen die Finger- und Zehenarterien offen sind, es aber bei Kälte durch einen Gefäßspasmus zu einer „funktionellen“ Durchblutungsstörgung kommt wie beim sogenannten „Raynaud-Syndrom“. Daneben muss man Durchblutungsstörungen unterscheiden, die aufgrund eines Gefäßverschlusses entstehen. Kommt es zu einer plötzlichen Kälte eines Fingers oder mehrerer Finger einer Hand muss an eine Embolie gedacht werden. Das ist ein mit dem Blutstrom transportiertes Gerinnsel, das aus dem Herzen oder aus den großen Gefäßen stammen kann. Bei Durchblutungsstörungen an beiden Händen und Füßen, die langsam fortschreitend sind, muss man an eine Gefäßentzündung denken. In einigen Fällen kann auch eine Traumatisierung der Handgefäße zu einer schweren Durchblutungsstörung der Fingerarterien führen („Hypothenar-Hammer-Syndrom“).

- Fotos von links nach rechts: 1. Doppleruntersuchung der Armdurchblutung; 2. Untersuchung der Fingerdurchblutung mittels Pulskurvenbestimmung; 3. Kapillarmikroskopie
Zunächst muss festgestellt werden, ob in Ruhe eine relevante Durchblutungsstörung vorliegt. Hierzu werden verschiedene Untersuchungen eingesetzt wie beispielsweise die Blutdruckmessung mit einem Dopplergerät, die cw-Dopplersonographie und die Oszillographie. Die Durchblutung der Finger und Zehen kann durch oszillometrische Bestimmung der peripheren Pulskurve getestet werden. Die periphere Pulskurve wird in Ruhe und nach verschiedenen Provokationstests im Kältebad, im Warmwasserbad sowie nach Gabe eines gefäßerweiternden Medikamentes (Nitroglycerin) erfasst.
Liegt eine Durchblutungsstörung vor, muss die Ursache festgestellt werden, um eine Verschlechterung zu vermeiden. Hierzu werden die Gefäße mittels Duplexsonographie untersucht um Einengungen oder Aussackungen festzustellen, es erfolgen Provokationstests um eine Gefäßeinengung im Schultergürtel bzw. in der Kniekehle zu erfassen und es werden mit einer Auflichtmikroskopie die Kapillaren an der Nagelfalz untersucht. Darüber hinaus sind verschiedene Bluttests notwendig.
Die Behandlung von Durchblutungsstörungen der Finger- bzw. Zehenarterien richtet sich im Wesentlichen nach der Ursache hierfür. Zur Verbesserung der Durchblutung können spezielle Infusionstherapien eingesetzt werden, im Einzelfall kann es auch sinnvoll sein ein Gerinnsel mit einer „Fibrinolyse“ aufzulösen.
