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III. Medizinische Klinik und
Poliklinik
Hämatologie, internistische Onkologie, Pneumologie
 
Neubau 605

Das Herstellungslabor der III. Medizinischen Klinik ist ein zertifiziertes Herstellungslabor für Zelltherapeutika, das seit Januar 1998 eine Herstellungserlaubnis nach § 13 des Arzneimittelgesetzes für die Herstellung von autologen (eigenen) und allogenen (fremden) Blutstammzellen sowie Spenderlymphozyten besitzt. Zusätzlich besteht die Erlaubnis zur weiteren Bearbeitung (Manipulation) der Blutstammzellen und Lymphozyten in Bezug auf  Selektion und Depletion bestimmter Blutzellen.  

Neubau 605

Die Herstellung der Transplantate bis zur Freigabe und Übergabe sowie ihre Dokumentation erfolgt nach den Regeln der Guten Herstellungspraxis (GMP) sowie weiteren Gesetzen und Richtlinien, wie z.B. dem Arzneimittelgesetz (AMG), der Arzneimittel- und Wirkstoffherstellungsverordnung (AMWHV), den Richtlinien der Bundesärztekammer und des PEI zur Transplantation peripherer Blutstammzellen, dem Transfusionsgesetz (TFG) und den Hämotherapie-Richtlinien.

Alle Arbeiten im Labor unterliegen einer regelmäßigen behördlichen Kontrolle.

Stammzellenpräparation

Derzeit wird das Labor auf dem neuesten Stand der Technik auf einer Fläche von ca. 200 qm innerhalb des Neubaus für Konservative Medizin (Geb. 605) neu errichtet. Es wird nach Fertigstellung (ca. Anfang 2008) alle Anforderungen an eine hochmoderne Einrichtung für die Herstellung der oben genannten Produkte unter höchsten internationalen Qualitätsstandards erfüllen.

Mitarbeiter

Das Labor wird von Frau Dr. med. D. Wehler und Herrn PD Dr. rer. physiol U. Hartwig als verantwortliche sachkundige Personen gemäß § 14 Arzneimittelgesetz (AMG) geleitet. Dabei hat Frau Dr. Wehler als praxiserfahrene Fachärztin für Hämatologie/Onkologie die Leitung über den Herstellungsbetrieb, während Herr PD Dr. Hartwig die Qualitätskontrolle verantwortet. Die Aufarbeitung der Stammzellpräparate bzw. Spender T-Lymphozyten sowie ihre Konservierung bis zur klinischen Verwendung werden hauptsächlich von Frau E. Machold und Frau C. Pietzsch als erfahrene Medizinisch Technische Angestellte des Herstellungslabors durchgeführt. Im Sekretariat erledigt Frau K. Karl alle verwaltungstechnischen Aufgaben des Labors und wird dabei von Frau S. Bolk unterstützt. Alle Mitarbeiter können sie in der Mitarbeiterliste einsehen.

Das Labor ist  in erster Linie für die III. Medizinische Klinik der Uniklinik tätig. Dabei besteht eine seit vielen Jahren hervorragende und bewährte Zusammenarbeit zwischen den beteiligten klinisch tätigen Kollegen der Stationen und Ambulanzen, der Transfusionszentrale, dem Zentrallabor und dem Herstellungslabor für Zelltherapie. Ein ärztlicher Koordinator kümmert sich um den reibungslosen Ablauf beginnend von der Messung, über die Einleitung der Apheresen bis zur Einlagerung der Blutstammzellen. 

Das Herstellungslabor ist neben der Versorgung der eigenen Klinik pharmazeutischer Hersteller von Transplantaten für andere Transplantationszentren der Region.

Leistungen des Herstellungslabors für Zelltherapie

  • Herstellung und Lagerung von autologen (Patienten eigenen) und allogenen (Fremdspender) Blutstammzell-Präparaten. Dies ist nachfolgend noch einmal exemplarisch für unsere Leistungen detaillierter erklärt.
  • Anreicherung von autologen Blutstammzellen (Positiv-Selektion CD34-positiver Stammzellen).
  • Kryokonservierung von unbehandelten Spender T-Lymphozyten zur immuntherapeutischen Anwendung nach erfolgter Stammzelltransplantation (Donor Lymphozyten Infusion, DLI).
  • Anreicherung bestimmter Populationen von unbehandelten Spender T-Lymphozyten für DLI (Negativ Selektion von CD8-positiven T-Zellen).

Produktion von peripheren Blutstammzell-Transplantaten

Der typische Ablauf einer Transplantatherstellung läuft nach folgendem Schema ab:

Mitarbeiterin am FACS

1. Nach erfolgter Chemotherapie und/oder Gabe eines Wachstumsfaktors zur Mobilisierung der Blutstammzellen aus dem Knochenmark wird bei autologen Patienten nach Durchschreiten des „Leukozytennadirs“ (vorübergehende verminderte Produktion weißer Blutkörperchen im Knochenmark) täglich die Anzahl der CD34+ Stammzellen (CD34 ist ein Eiweiß/Zuckerbaustein auf unreifen weißen Blutkörperchen) im peripheren Blut mit Hilfe der sogenannten Durchflusszytometrie gemessen. Bei allogenen Spendern, die 4 Tage lang einen Wachstumsfaktor (G-CSF, Granulozyten stimulierender Faktor) gespritzt bekommen, wird an Tag 4 erstmals gemessen, ob CD34+ Zellen im peripheren Blut in ausreichender Anzahl vorhanden sind.

Stammzelltransplantat

2. Wenn der Anteil der CD34+ Stammzellen einen Mindestwert überschreitet, wird die Patientin/der Patient in der Transfusionszentrale des Klinikums an einen Zellseparator  angeschlossen. Dies ist ein Gerät, das mittels Zentrifugation das Blut in seine Bestandteile auftrennt. Auf diese Weise werden die im Blut befindlichen Blutstammzellen im Rahmen einer Apherese als Stammzelltransplantat gewonnen. Alle anderen Blutbestandteile erhält die Patientin/der Patient zurück. Noch am gleichen Tag oder am Morgen des folgenden Tages wird die Patientin/der Patient benachrichtigt, ob genügend Blutstammzellen gesammelt werden konnten oder ob er am nächsten Tag nochmals zur Spende gebeten wird. Bei ca. 70% aller Spender ist eine Spende ausreichend.

Kontrollprozess zur Qualitätssicherung

3. Die entnommenen Zellen werden vor ihrer weiteren Verarbeitung vielfältigen Kontrollprozessen zur Qualitätssicherung unterzogen (Stammzellgehalt, Lebensfähigkeit der Zellen, Sterilität). Je nach medizinischem Hintergrund und Therapieverfahren schließt sich ggf. ein unter den Leistungen kurz beschriebenes Selektionsverfahren an.

4. Bei allogenen Transplantationen erhält der Empfänger die Zellen "frisch", d.h. eine Kryokonservierung der Zellen erfolgt nur in Ausnahmefällen oder von einem Teil der Zellen als "back-up", wenn die Spenderin/der Spender sehr viel Stammzellen ins periphere Blut ausschwemmen konnte.

Kryokonservierung

5. Bei autologen Patientinnen/Patienten erfolgt in der Regel eine Kryokonservierung der Stammzellen. Hierzu werden die Zellen in spezielle Kryokonservierungsbeutel portioniert, mit einem speziell zu diesem Zweck hergestellten  Kryokonservierungsmedium vermischt, und kontrolliert innerhalb einer Stunde auf -100 °C tiefgefroren. Anschließend werden sie über flüssigem Stickstoff bei -170 bis -180 °C bis zur weiteren Verwendung gelagert. Die Lagerungsbedingungen in den Tanks werden kontinuierlich überwacht, die Systeme sind an zentrale technische Überwachungseinheiten angeschlossen. Von jedem Transplantat werden sogenannte Rückstellproben separat kryokonserviert und gelagert, die bei Bedarf aufgetaut und für weitere Analysen jederzeit verwendet werden können.

6. Je nach Bedarf wird das Transplantat im Rahmen einer Hochdosistherapie von dem Klinisch verantwortlichen Arzt angefordert und nach einem festgelegten Procedere an diesen übergeben. Das Transplantat wird auf der Station mittels eines Auftaugeräts aufgetaut und der Patientin/dem Patienten direkt danach intravenös zurückgegeben.  

Alle Schritte des Herstellungsprozesses unterliegen einer kontinuierlichen Qualitätskontrolle.

Ansprechpartner

Herstellungslabor für Zelltherapie
Sekretariat Frau K. Karl
06131 173774