Visual Universitätsmedizin Mainz

E-Mail-Interview mit einer EO-Patientin, 24 Jahre, aus Berlin

„Liebe Frau S., erst einmal vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen für dieses Interview. Wie kam es denn überhaupt dazu, dass Sie zur Dekompressionsoperation nach Mainz gekommen sind?“

„Guten Morgen,  also nach Mainz bin ich gekommen, weil ich unter dem äußeren Erscheinungsbild aufgrund der hervorstehenden Augen gelitten habe. Und mein Arzt, der mir 2009 die Schilddrüse herausoperiert hat, hat mir die Augenklinik in Mainz empfohlen.“

Wie haben Sie die Dekompressionsoperation empfunden? Was waren die wesentlichen Beschwerden nach der Operation?

„Die beiden Operationen waren in Ordnung. Es ging alles relativ schnell und sowohl von dem Pflegepersonal als auch von den Ärzten habe ich mich in besten Händen gefühlt.

Nach der ersten OP ging es mir nicht so gut, da ich die Narkose nicht vertragen hatte und mich übergeben musste. Schmerzen an dem ersten operierten Auge hatte ich kaum. 2 Tage später wurde ich dann an dem anderen Auge operiert. Schmerzen waren auch danach sehr gering. Nur das Tröpfeln der Augentropfen habe ich als sehr unangenehm empfunden.

Nach einigen Tagen wurden dann zum ersten Mal beide Verbände abgenommen, wo sich dann herausgestellt hat, dass ich Doppelbilder sehe. Und das war für mich erst einmal ein totaler Schock gewesen, darunter habe ich am meisten gelitten, da ich Angst hatte, dass das nie wieder weggeht.“

„Sie hatten vor der Dekompressionsoperation überhaupt keine Doppelbilder, oder? Auch nicht in extremen Blickpositionen?“

„Nein, ich hatte keine Doppelbilder vorher.“

„Wie wurde mit den neu aufgetretenen Beschwerden umgegangen? Wurde behandelt und wenn ja, wie? Haben Sie dann eine Verbesserung bemerkt? „

„Zunächst habe ich weiterhin Augentropfen und eine Augensalbe genommen und es wurden in regelmäßigen Abschnitten Sehtests durchgeführt, um zu schauen ob Verbesserungen aufgetreten sind. Um meinen Alltag bestreiten zu können, habe ich von meinem Augenarzt eine Prismenfolie verschrieben bekommen, die mir in meiner Ausbildung erst einmal sehr geholfen hat. Nach ca. 6 Wochen hatte sich leider nichts verändert in Bezug auf die Doppelbilder, woraufhin ich nochmal nach Mainz gefahren bin und eine Cortisontherapie angefangen habe. Und nach weiteren 4 Wochen wurden die Doppelbilder weniger, bis sie so gut wie weg waren. Nur in extremen Blickpositionen habe ich noch doppelt gesehen, was mich aber nicht weiter in meinem täglichen Leben beeinflusst hat.“

„Wie lange hat es gedauert, bis sich der Befund so verbessert hat, dass Sie keine wesentliche Einschränkung mehr wahrgenommen haben?“

Im Allgemeinen kann man sagen, dass der komplette Heilungsprozess ca. 3 Monate gedauert hat.

„War die Schilddrüsenfunktion in dem Zeitraum von vor der Dekompressionsoperation bis jetzt immer stabil oder gab es zwischendurch Schwankungen, also kurze Perioden, in denen Sie eine Unter- oder Überfunktion hatten?“

„Mit der Schilddrüsenfunktion war soweit ich mich erinnere alles in Ordnung, sowohl vor als auch nach der Operation. Vor einem Monat war ich nochmal zur Kontrolle gewesen, wo ich leicht in die Unterfunktion gerutscht bin.“

„Gut, dass Sie das so regelmäßig kontrollieren, eine gut eingestellte Schilddrüsenfunktion ist ja auch wichtig, damit der Augenbefund stabil bleibt. Es ist toll, dass sich Ihre Ausdauer und Geduld gelohnt haben und der Befund sich soweit gebessert hat, dass keine Schieloperation notwendig geworden ist. Gibt es jetzt noch andere Beschwerden durch die Erkrankung? Sind Sie mit Ihrem Äußeren zufrieden?

„Meine Augen trocknen sehr schnell aus, aber dafür habe ich immer Augentropfen bei mir. Ab und zu habe ich ein wenig Kopfschmerzen in der Region der Augenbrauen. Aber das kann natürlich auch vom Alltag her sein, wenn ich einen langen Tag hatte und viel arbeiten und lernen musste.
Mit meinem Äußeren bin ich sehr glücklich und zufrieden. Ich hab nach dieser OP so viel postives Feedback bekommen sowohl von Familie, Freunden und Bekannten. Ich freu mich einfach sehr, dass alles so gut verlaufen ist!“

„Gibt es etwas, dass Sie gerne anderen Patienten sagen würden, die in etwa an dem Punkt stehen, an dem Sie vor der Dekompressionsoperation waren?“

„Ich kann nur jedem empfehlen, der vor so einer Operation steht, durchzuhalten, denn es lohnt sich. Auch wenn das Ergebnis kurz nach der Operation nicht gleich perfekt ist, weil vielleicht einige Nebenwirkungen aufgetreten sind, immer stark zu bleiben und versuchen Geduld zu haben. Es gibt für alles eine Lösung. Ich hatte sehr viel Glück, dass Ärzte mich betreut haben, die absolutes Verständnis für diese Situation aufbrachten und mir in meiner Angst immer Mut zugesprochen haben und mir Kraft gegeben haben durchzuhalten.“

„Dankeschön! Liebe Frau S., vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft das Allerbeste!!“

Krankheitsbeginn 2010
Frau S vor Diagnose (2007)
Krankheitsbeginn 2010
Kurz nach Operation 2011
Kurz nach Operation 2011