Visual Universitätsmedizin Mainz

Schwerpunkt Kinderaugenheilkunde

Zentrum für die Behandlung von kindlichen Galukomen Mainz

Innerhalb des Schwerpunktes für Glaukome besteht an der Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz eine besondere Expertise für Glaukomerkrankungen bei Kindern (kongenitales Glaukom, angeborenes Glaukom, Buphthalmus).
Das angeborene Glaukom findet sich in der weißen Bevölkerung bei ca. 1 Neugeborenen pro 12 - 18.000 Geburten. Häufig sind beide Augen betroffen. Die Ursache des angeborenen Glaukoms liegt in einer fehlerhaften Ausdifferenzierung der Abflusswege des Auges (trabekuläres Maschenwerk). Die Erhöhung des Augendruckes kann bereits vor der Geburt bestehen oder entwickelt sich in den ersten Lebensmonaten. Genetische Ursachen sind häufig.
 
Symptome, die Sie als Eltern bemerken können:
 
Ist Ihr Baby lichtscheu?
Tränen die Augen?
Wendet es sich vom Licht ab?
Reibt es die Augen?
Hat Ihr Kind übernormal große („schöne“) Augen?
Schreit Ihr Kind viel?
Hat Ihr Augenarzt den Verdacht auf einen erhöhten Augeninnendruck geäußert?
Haben Sie das Gefühl, die Hornhaut der Augen Ihres Kindes sind grau/trüb?
 
Untersuchungen an unserer Klinik
 
Haben Sie den Verdacht, dass einer oder mehrere dieser Punkte zutreffen könnten, bitten wir Sie, Ihr Kind mit einer Überweisung Ihres Kinder- oder Augenarztes in unserem auf Kinder spezialisiertem Glaukom- und Katarakt-Zentrum vorzustellen.
Hier werden Sie dann zunächst von einem erfahrenen Augenarzt/Augenärztin beraten. Sie dürfen Ihr Kind während der Untersuchung auf Ihrem Schoß oder im Arm halten.
 
Die anfängliche Untersuchung geht in aller Regel relativ schnell. Zunächst werden wir ihr Baby beobachten und dabei feststellen, ob es schon fixieren kann. Dabei kann man meistens schon recht gut die Augenstellung und die Augenoberfläche beurteilen. Zum Beispiel kann dabei festgestellt werden, ob die Augen „groß“ sind und die Hornhaut evtl. trüb ist, und ob Ihr Baby lichtscheu ist.
Der Untersucher/die Untersucherin wird dann bei geschossenem Lid durch Betasten mit beiden Fingern  die Höhe des Augendrucks Ihres Babys abschätzen. Besteht ein Verdacht auf erhöhten Augeninnendruck, und finden sich entsprechende Zeichen  (wie oben angegeben), schlagen wir in aller Regel die Untersuchung Ihres Kindes in Narkose vor. Während Ihr Kind schläft, kann dann eine genauere und komplette augenärztliche Untersuchung erfolgen. Auch der Augeninnendruck wird bereits ganz am Anfang der Narkose gemessen. Während der Narkose werden beide Augen Ihres Kindes gründlich untersucht und vermessen. Sollte sich während der Untersuchung kein auffälliger Befund ergeben, würden wir dies mit Ihnen direkt nach der Untersuchung im Warteraum im 2. OG besprechen.
 
Sollte sich dagegen der Verdacht auf einen erhöhten Augeninnendruck bestätigen, wird der untersuchende Augenarzt Ihnen den Befund vor einer ggf. durchzuführenden Operation zur Augeninnendrucksenkung erläutern. Dabei werden Ihnen alle Ergebnisse der Narkoseuntersuchung mitgeteilt sowie ggf. die Notwendigkeit einer Operation besprochen, denn das angeborene Glaukom ist in aller Regel nur chirurgisch heilbar. Deshalb werden Sie auch bereits vor der Narkoseuntersuchung auf eine mögliche Operation hin aufgeklärt, wenn Glaukomverdacht besteht, ohne dass hierdurch die Entscheidung vorweggenommen wird. Während des Aufklärungsgespräches bitten wir Sie, alle Ihre Fragen an den Augenarzt zu stellen. Sollte Ihr Kind operiert werden müssen, dauert die Operation in aller Regel ca. eine Stunde. Danach wird Ihr Kind in den Aufwachraum gebracht. Sie werden dann dazu gerufen und können am Bett Ihres Kindes sitzen und die Aufwachphase mitbetreuen. Ihr Kind wird danach wieder zurück in die Kinderklinik verlegt, wo die Kinder der Augenklinik in aller Regel eine Nacht bleiben. Ihr Kind bekommt nach der Operation einen Augenverband, der zum Schutz und Heilung einen Tag und in der Nacht verbleibt. Am nächsten Tag werden Sie dann von der Station aus abgerufen, um an einer Visite auf unserer Augenstation 2 teilzunehmen.
  
Hier wird der Verband bei Ihrem Kind abgenommen, und es wird der Befund erhoben. Danach wird Ihnen ein Augentropfenplan mitgegeben, nach dem Sie bitte genau vorgehen. In aller Regel werden Augentropfen 3x täglich verabreicht. Es kann jedoch sein, dass verschiedene Augentropfen auch häufiger appliziert werden müssen. Der Operateur wird mit Ihnen das weitere Vorgehen besprechen, unter anderem auch die nächste erforderliche Kontrolluntersuchung. Diese ist in aller Regel nach 3 bis 4 Wochen nach der Entlassung. Meistens können Sie bereits am  1. oder 2. Tag nach der Operation mit Ihrem Kind nach Hause gehen.

Operationsmethoden
Sonden-Trabekulotomie Aufgrund des bei dieser Erkrankung schlecht ausdifferenzierten Maschenwerks im Abflusssystem wird bei der Operation der sogenannte Schlemm Kanal sondiert und eröffnet. Dies geschieht über eine umschriebene Strecke.  Dadurch fließt das Kammerwasser wieder gut ab und der Augeninnendruck normalisiert sich. Aus dem Kanal kann manchmal Blut in die Augenkammer zurückfließen, das sich meist schnell aufsaugt. Das ist ein Zeichen dafür, dass der Kanal eröffnet ist. 

360 Grade Trabekulotomie
Bei dieser Operation wird der Kanal mit einem Katheter zunächst erweitert und dann über die gesamte Zirkumferenz eröffnet. Etwas Blut im Auge ist auch bei dieser Operation am 1. Tag normal und wird als Zeichen des Erfolges gewertet.

Kontrollierte Zyklophotokoagulation (Verödung des Ziliarkörpers)
Diese Operation wird manchmal im weiteren Verlauf notwendig. Durch eine umschriebene Behandlung mit Hitze (Laserkoagulation) wird ein Teil des Ziliarkörpers (Produktionsort des Kammerwassers) verödet. So vermindert sich die Produktion von Kammerwasser. Der Augeninnendruck sinkt im weiteren Verlauf ab. Diese Behandlung lässt sich mehrfach wiederholen.

Kältebehandlung des Ziliarkörpers (Zyklokryokoagulation)
Bei sekundären Glaukomen (z.B. nach Entzündungen des Auges) kann eine Kältebehandlung helfen, den Augeninnendruck zu stabilisieren. Dafür wird im Rahmen der Operation ein bestimmter Teil des Ziliarkörpers mit -80 Grad C behandelt und damit die Produktion des Kammerwassers reduziert. Eine Schwellung der Bindehaut ist nach der Operation normal und nicht besorgniserregend.