Visual Universitätsmedizin Mainz

Informationen für Patienten zur Leber-Lebendspende

Lebendspende

In den letzten Jahren wurden zunehmend mehr Leber-Lebendspenden durchgeführt. Der Hauptgrund für dieses Vorgehen ist der Mangel an Spenderorganen von Hirntoten. Dieser Mangel hat zu langen Wartezeiten geführt, so dass

  1. Patienten auf der Warteliste versterben können,
  2. der Zustand des wartenden Patienten sich verschlechtert, wodurch die Erfolgsaussichten der Lebertransplantation geringer werden,
  3. bei Patienten mit Leberkrebs die Möglichkeit einer Tumorstreuung während der Wartezeit nicht auszuschließen ist.

Das Warten auf ein Transplantat eines hirntoten Spenders kann nur durch einen einzigen Weg umgangen werden: durch Entnahme eines Teils der Leber bei einem Lebenden.

Gesetzliche Grundlagen

Das Deutsche Transplantationsgesetz schreibt vor, dass ein Organ-Lebendspender mit dem Empfänger verwandt sein oder zumindest ihm emotional nahestehen muss (nachweisbar seit längerer Zeit eng befreundet o.ä.). Auf jeden Fall muss gesichert sein, dass eine finanzielle oder anders geartete Abhängigkeit von Spender und Empfänger nicht besteht oder aus der Spende erwächst.

Lebendspender

Bei der Leber-Lebenspende von einem Erwachsenen auf einen anderen wird dem Leber-Lebendspender die rechte Leberhälfte entfernt. Die Menge an Lebergewebe, die ein leberkranker Patient als Transplantat benötigt, darf einen kritischen Wert nicht unterschreiten. Sie liegt etwa bei 1 % des Körpergewichtes. Das heißt, dass ein 70 kg schwerer Mann einen Leberanteil von 700 g von einem Spender erhalten muss. Die linke Hälfte ist daher nur bei sehr kleinen (leichten) Empfängern ausreichend. Die Leber-Lebendspender bedeutet für den Leber-Lebendspender eine größere Operation.

(Eine vergleichbare Operation wird am häufigsten bei Patienten vorgenommen, bei denen eine Tumorerkrankung der Leber vorliegt. Diese Operation wird von Leberchirurgen sehr oft durchgeführt. Sie ist technisch weitgehend mit dem Vorgehen bei Leber-Lebendspende identisch und bedeutet daher für einen erfahrenen Leberchirurgen eine Routine-Operation. Trotzdem hat die rechtsseitige Leberentfernung eine Komplikationsrate - Nachblutungen, Eiteransammlungen, Galle-Leck - von 20 %; im schlimmsten Fall kann es zu tödlichen Komplikationen kommen (1-2 %).)

Da es sich bei einem Leber-Lebendspender um gesunde, also nicht durch eine Turmorerkrankung vorgeschädigte Menschen handelt, sind Komplikationen eher seltener, aber letztlich sind selbst tödliche Komplikationen nicht völlig auszuschließen. Weltweit sind bislang 5 Fälle bei ca. 3000 Leber-Lebendspenden dokumentiert worden. Der Spender hat bei normalem Verlauf der Leberspende keine nachteiligen Folgen hinsichtlich seiner Leberfunktion zu erwarten, da die Lebermasse sich innerhalb kurzer Zeit nachbildet und fast die Ausgangsmasse des Gesamtorgans erreicht.

Der Leber-Lebendspender muss sich vor diesem Eingriff einem relativ umfangreichen Untersuchungsprogramm unterziehen. Hierzu gehört als erstes die Bestimmung der Blutgruppe. Sie muss mit der Blutgruppe des Organ-Empfängers so weit verträglich sein, dass eine Transplantation möglich wird. Als weiteres muss der Spender absolut normale Leberwerte haben, es darf also kein Verdacht auf das Vorliegen einer Lebererkrankung bestehen, die zur Gefährdung des Spenders, aber auch des Empfängers führen würde. Desweiteren müssen die anatomischen Bedingungen der Leber, die einem Leber-Lebendspender entnommen werden soll, so sein, dass eine Transplantation ohne Probleme möglich erscheint. Hierzu gehören Untersuchungen der Gefäße, die die Leber versorgen, aber auch der Gallenwege. Sind all diese Voraussetzungen erfüllt, werden in jedem Falle eine psychologische Beratung und schließlich die Vorstellung bei einer Ethik-Kommission erforderlich, die über die Freiwilligkeit der Spende und allgemeine ethische bzw. zwischenmenschliche Aspekte zu befinden hat. Das Votum der Ethik-Kommission wird von den transplantierenden Ärzten berücksichtigt.

Empfänger eines Organs vom einem Lebendspender

Der Empfänger eines Lebertransplantates von einem Leber-Lebendspender setzt sich einer etwas höheren Komplikationsrate aus, als dies bei Transplantation der (ganzen) Leber eines hirntoten Spenders der Fall wäre. Es kommt vermehrt zu Gallenwegskomplikationen. Außerdem treten häufiger Verschlüsse der Gefäße auf, welche die Leber mit Blut versorgen. Nachblutungen nach Transplantation wurden ebenfalls beobachtet. Sollte es zu einer Komplikation kommen, die die Funktion des Transplantats und damit das Leben des Empfängers gefährdet, so kann der Patient genau wie andere Patienten, die das Organ eines hirntoten Spenders erhalten haben, retransplantiert werden. Das bedeutet: Ein Patient, bei dem ein Transplantat aus welchem Grunde auch immer, nicht funktioniert, wird bei Eurotransplant angemeldet und entspricht dann einem Patienten der Gruppe I (vergleiche Gruppe I unter "Allokation"). Er erhält dann innerhalb 2-3 Tagen ein Transplantat von einem hirntoten Spender.

Es muss erwähnt werden, dass andererseits der Leberteil, der von einem Lebenden stammt, in aller Regel wesentlich besser seine Funktion aufnimmt, als eine Leber, die man einem Hirntoten entnommen hat. Es ist bekannt, dass bei Eintritt des Hirntodes eines Menschen Mechanismen in Gang gesetzt werden, die sich negativ auf die Transplantatfunktion auswirken. Außerdem ist die Konservierungszeit des Transplantats bei Lebendspende in der Regel wesentlich kürzer, da Spender- und Empfänger-Operation gleichzeitig durchgeführt werden. Möglichen Komplikationen steht somit der Vorteil eines besser erhaltenen Transplantats gegenüber.

Zusammenfassend ist somit zu sagen: Bei der Leber-Lebendspende besteht für den Spender das Risiko einer Komplikation, die nach jedem großen chirurgischen Eingriff, hier also der Leberteilentnahme, auftreten kann. Im Extremfall kann es zum Tode des Spenders kommen. Der Empfänger hat bei der Leber-Lebendspende eine etwas höhere Komplikationsrate zu erwarten als bei einer Transplantation eines Organs von einem hirntoten Spender, erhält aber ein prinzipiell besser erhaltenes Transplantat.

Finanzielle Aspekte

Zur Thematik "Lebendspende" ist abschießend folgender wesentlicher Aspekt anzumerken:

Mit den Krankenkassen konnte bisher keine Regelung herbeigeführt werden, wonach die Organ-Lebendspende im Sinne einer eigentlichen Erkrankung eingestuft wird. Das bedeutet, dass der Leber-Lebendspender nach der Lohnfortzahlung kein Krankengeld oder sonstige Kompensationen für seinen Verdienstausfall erhält. Das kann besonders bei kompliziertem Verlauf problematisch werden. Auch dieser Aspekt sollte berücksichtigt werden, wenn man im Kreise der Familie über die Möglichkeit einer Leber-Lebendspende berät.  

Qualitätssicherung

Für die Leistungsbereiche Lebertransplantation und Leberlebendspende bestand im Erfassungsjahr 2006 erstmals für alle deutschen Transplantationszentren die Verpflichtung, Daten zur externen vergleichenden Qualitätssicherung zu erfassen. Nachzulesen im Qualitätsbericht der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung GGmbH, Düsseldorf (Pdf , 275.1 KB).