Visual Universitätsmedizin Mainz

Informationen für Patienten vor Lebertransplantation

Organzuteilung

(Organe hirntoter Spender)

In Deutschland werden jährlich ca. 900 Lebertransplantationen durchgeführt. Die meisten Patienten erhalten eine Leber wegen einer Leberzirrhose, es folgen Patienten mit kleinem und auf die Leber beschränktem Leberkrebs, anderen Erkrankungen und jene Patienten, bei denen es aufgrund einer akut aufgetretenen Lebererkrankung innerhalb weniger Tage zum Leberversagen gekommen ist (fulminantes Leberversagen).

Der überwiegende Teil aller Patienten (85 %) erhält Lebern von hirntoten Organspendern. Die Zahl der Organspender ist in Deutschland bei weitem nicht ausreichend. Manche Patienten versterben, ehe ihnen ein Transplantat zugeteilt werden kann. Zahlreiche Organisationen sind darum bemüht, die Zahl der gespendeten Organe zu erhöhen, um den lebensrettenden Eingriff zu ermöglichen. Da jedoch das Problem in absehbarer Zeit weiter bestehen wird, war es erforderlich, Regelungen für die Organverteilung (Organallokation) zu treffen.

Im Deutschen Transplantationsgesetz heißt es, dass alle Transplantate - also auch die Lebern - nach Dringlichkeit und Erfolgsaussichten zu verteilen sind. Diese Grundprinzipien wurden in konkrete Regeln umgesetzt und traten im Sommer 2000 in Kraft. Alle in Deutschland wartenden Patienten sind absolut gleich zu behandeln und in eine gemeinsame Warteliste aufzunehmen. Es werden Punkte nach einem festgelegten Prinzip vergeben. Wer die meisten Punkte hat, erhält das Transplantat. Die Zuteilung eines Transplantats von einem hirntoten Spender ist nur über dieses Regelwerk möglich und berücksichtigt im Wesentlichen die medizinische Dringlichkeit und die Wartezeit.

Medizinische Dringlichkeit:

Chronische Lebererkrankungen:

Bei chronischen Lebererkrankungen (Leberzirrhose) ergibt sich die medizinische Dringlichkeit aus dem Schweregrad der Erkrankung. Der Schweregrad wird mittels einer Formel  aus folgenden Laborwerten ermittelt: Kreatinin und Bilirubin im Serum sowie dem Blutgerinnungsparameter INR. Daraus wird der sogenannte MELD-Score (Model for End Stage Liver Disease-Score) ermittelt. Je höher dieser Werte ist, desto weiter ist die Lebererkrankung fortgeschritten und desto dringlicher ist die Transplantation. Der Patient mit dem höchsten MELD-Score auf der Warteliste bekommt die nächste Leber. Die Wartezeit spielt hierbei nur eine untergeordnete Rolle.    

Andere Lebererkrankungen:

Es gibt aber eine Reihe von Lebererkrankungen (z.B. Lebertumore) bei denen sich der Schweregrad der Erkrankung und Dringlichkeit der Transplantation nicht durch den MELD-Score abbilden lässt. Dort erfolgt unter bestimmten Bedingungen eine automatische Zuordnung eines MELD-Scores (der sogenannte match-MELD-Score) und die Patienten werden entsprechend diesem Score auf der Warteliste eingruppiert. Zudem erhalten diese Patienten alle 90 Tage zusätzliche MELD-Punkte, sodass bei diesen Erkrankungen die Wartezeit eine wichtige Rolle spielt.

Folgende Lebererkrankungen können nach dem match-MELD-Score eingruppiert werden:

  • Hepatocelluläres Carcinom
  • Cholangiocelluläres Carzinom (nur in Ausnahmefällen und unter Studienbedingungen)
  • Familiäre Amyloidose
  • Zystenleber
  • Mukoviszidose
  • Hepatoblastom (bei Kindern)

Plötzlich auftretendes Leberversagen:

Patienten mit fulminantem Leberversagen (das trifft im Allgemeinen nur für Patienten zu, bei denen das Lebererversagen aus völliger Gesundheit und ohne vorbekannte Lebererkrankung von einem Tag auf den anderen aufgetreten ist) werden nicht nach den o.g. Kriterien auf die Warteliste gesetzt, da diese Patienten ohne eine sofortige Transplantation keine Überlebenschance hätten. Diesen Patienten wird bevorzugt ein Organ zugeteilt.

Praktisches Vorgehen:

Das praktische Vorgehen gestaltet sich wie folgt: Ein Patient, bei dem die Notwendigkeit einer Lebertransplantation grundsätzlich feststeht, wird nach vorbereitenden Untersuchungen als Kandidat für eine Lebertransplantation bei Eurotransplant in Leiden/Niederlande gemeldet. Eurotransplant ist die Organisationszentrale, in der für Deutschland die gemeinsame Warteliste geführt wird.

Es ist besonderes wichtig, dass die behandelnden Ärzte (z.B. Hausarzt) aber auch der Patient engen Kontakt zum Transplantationszentrum hält und jede Verschlechterung der Leberfunktion oder Komplikation sofort meldet, da dies unmittelbar Einfluss auf den MELD-Score und damit auf die Wartezeit hat.

Im Fall, dass der Patient eine Leber erhält, sollte er in ca. 3-5 Stunden im Transplantationszentrum sein können. Hierzu werden mit dem Zentrum entsprechende Möglichkeiten für die Benachrichtigung vereinbart.

Der MELD-Score und die Auswirkungen auf die Leberallokation

Weitere Informationen über den MELD-Score und seine Auswirkungen auf die Leberallokation erhalten Sie hier.

Qualitätssicherung

Für die Leistungsbereiche Lebertransplantation und Leberlebendspende bestand im Erfassungsjahr 2006 erstmals für alle deutschen Transplantationszentren die Verpflichtung, Daten zur externen vergleichenden Qualitätssicherung zu erfassen. Nachzulesen im Qualitätsbericht der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung GGmbH, Düsseldorf (Pdf , 275.1 KB).