Visual Universitätsmedizin Mainz

Kommunikationsstörungen

Leitung: Dr. Anne Kathrin Läßig

Entwicklung eines neuen Mainzer I Tests zur Sprachaudiometrie bei Kleinkindern

Projektleiter: Univ.-Prof. Dr. Annerose Keilmann, Andrea Bohnert, Sabine Müller

Für die Sprachaudiometrie bei 2– und 3jährigen Kindern steht derzeit nur der Mainzer I Kinder Sprachtest zur Verfügung, der den Testkriterien nur unzureichend genügt. Ziel unseres Projektes ist die Entwicklung und die klinische Validierung eines neuen kindgerechten Sprachtest als Alternative zum Mainzer Kindersprachtest I. Das Wortmaterial eines Kindersprachtests sollte auf einer standardisierten Erhebung des rezeptiven Wortschatzes des jeweiligen Lebensalters beruhen. Beim Mainzer Kindersprachtest I bilden die Testitems jedoch das Vokabular von zweijährigen Kindern nicht ab. Die Erweiterung des Testmaterials ist daher zwingend notwendig. Das Wortmaterial des neuen Sprachtests basiert auf Nomen, die dem Kurztest für die U7 – Sprachbeurteilung durch Eltern (SBE-2-KT von Suchodoletz und Sachse (2008) entnommen sind. Aus den Wortlisten des SBE-2-KT wurden bereits 26 Nomen ausgewählt, die bildlich darstellbar, geschlechtsunspezifisch, sowie phonetisch und phonematisch ausbalanciert sind. Im Sinn einer „picture-pointing task“ werden dem Kind dabei drei Items auf dem Touchscreen präsentiert, von denen eins auditiv dargeboten wird. Das Kind klickt das gehörte Item auf dem Touchscreen an, es gibt also nur „auditiv verstanden“ versus „auditiv nicht verstanden“. Ziel ist es, ein Wortmaterial aus leichten, mittelschweren, und schweren Wörtern zusammenzustellen, welches für zweijährige Kinder geeignet ist. Wünschenswert ist eine Mischung mit einem mittleren Schwierigkeitsindex, um eine ausreichende Trennschärfe zwischen guten und schlechten Testergebnissen zu erzielen. Eine ausreichende Differenzierung innerhalb der schwachen Ergebnisse (kein Bodeneffekt) und innerhalb der guten Ergebnisse (kein Deckeneffekt) muss jedoch dabei gewährleistet sein. Im Jahr 2012 konnten 74 schwerhörige und 35 normal hörende Kinder audiometriert werden. Wir konnten feststellen, dass die Kinder mehr Freude an der neuen Version des Tests haben und daher zuverlässigere Ergebnisse erzielt wurden.

Kooperationen: Prof. Dr.-Ing. Dr. med. habil. Thomas Janssen, Experimentelle Audiologie, Lehrstuhl für HNO-Heilkunde, TU München, National (Deutschland) Volker Schirkonyer, Experimentelle Audiologie, Lehrstuhl für HNO-Heilkunde, TU München, National (Deutschland)

Funktionelle (psychogene) Hörstörung im Kindesalter

Projektleiter: Univ.-Prof. Dr. Annerose Keilmann, Dr. Anne Kathrin Läßig

Die Diagnose einer funktionellen (psychogenen) Hörstörung im Kindesalter ergibt sich meist, wenn sich verschiedene audiologische Befunde widersprechen. Unter 1520 Kindern, die im Zeitraum von 12/02 bis 02/2013 wegen einer Hörstörung stationär behandelt wurden, konnten insgesamt 74, sowie weitere 13 Kinder ambulant, mit einer funktionellen Hörstörung identifiziert und ihre psychologischen und audiologischen Befunde analysiert werden. Im Jahr 2011 führten wir standardisierte Nachbefragungen durch. Das Geschlechterverhältnis Mädchen vs. Jungen betrug 67 vs. 20 (77 % vs. 23 %). Sie wurden im Alter von 7,05 bis 18,05 Jahren behandelt, wobei das Durchschnittsalter bei 12,2 Jahren lag (Median: 11,05 Jahre). Einseitige funktionelle Hörstörung traten nur bei 27 Kindern auf (31 %). 5,7 % der Kinder wiesen eine psychogene Verschlechterung einer länger bestehenden, hörsystemversorgten Schwerhörigkeit auf. 11,5 % der Kinder, bei denen sich eindeutig eine Normakusis ergab, waren zuvor teilweise langjährig mit Hörsystemen versorgt und hatten diese gut akzeptiert. Funktionelle Hörstörungen werden in den letzten Jahren häufiger diagnostiziert. Allein in den letzten 18 Monaten waren 36 Kinder betroffen. In der Nachbefragung zeigte sich, dass nur selten erneut eine Hörstörung auftrat, oft aber andere Symptome berichtet wurden. Die Mehrheit der Kinder erhielt eine kinderpsychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Trotz regelrechter Befunde in der objektiven Audiometrie liegt bei Kindern mit einer funktionellen Hörstörung eine Beeinträchtigung der Wahrnehmung auditiver Informationen vor, die der Therapie von phoniatrisch-pädaudiologischer und kinderpsychiatrischer Seite bedarf.

Läßig AK, Keilmann A: Funktionelle (psychogene) Hörstörung im Kindesalter – Kolibri oder unterschätztes Phänomen? 27. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V. Aktuelle phoniatrisch-pädaudiologische Aspekte 2010 S. 45-48 und www.egms.de/static/de/meetings/dgpp2010/10dgpp11.shtml Läßig AK, Keilmann A: Die Diagnostik der funktionellen Hörstörung im Kindesalter. 15. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie, Jena, 09.-12.03.2011, Tagungs CD und Abstractband, S. 172

 

 

Langzeitkohorte der Mainzer Forschungsgruppe

Projektleiter: PD Dr. Annette Queißer-Wahrendorf, Dr. Awi Wiesel, G Stolz, Univ.-Prof. Dr. Maria Blettner, Univ.-Prof. Dr. Annerose Keilmann, Juniorprof. Dr. Eva Münster, Prof. Dr. Michael Huss

Fragen der Prävention sind für die Kinderheilkunde in der Praxis von zunehmender Bedeutung. Im Bereich der primären Prävention ist die frühe Prägung der gesundheitlichen Langzeitentwicklung bis ins Erwachsenenalter durch die Auswirkungen intrauteriner Expositionen auf das ungeborene Kind ein Thema von hoher Aktualität. Basierend auf einer zum Zeitpunkt der Geburt erfolgten Vollerfassung aller Neugeborenen(n=8.741; inklusive einer standardisierten körperlichen und sonographischen Untersuchung) in definierten Regionen soll eine prospektive Nachuntersuchung und Begleitung der Kinder, deren Mütter eine schriftliche Einwilligung zur Nachverfolgung gegeben haben (n=4.341), mit den besonderen Schwerpunkten Entwicklungsstörungen, chronische Erkrankungen und Wachstum erfolgen. Hierbei kann auch nach den verschiedensten intrauterinen Expositionen (z.B. Gestationsdiabeteses, Medikamenteneinnahme, berufliche Exposition, etc.) aufgeschlüsselt werden. 

Kooperationen: Prof. Dr. A. Keilmann, Schwerpunkt Kommunikationsstörungen der HNO-Klinik, innerhalb des Fachbereichs Medizin Mainz Prof. Dr. E. Münster, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, innerhalb des Fachbereichs Medizin Mainz Prof. Dr. M. Blettner, IMBEI, Universitätsmedizin Mainz, innerhalb des Fachbereichs Medizin Mainz  

Kontakt

Schwerpunkt Kommunikationsstörungen
Langenbeckstr. 1
Gebäude 102
55131 Mainz

Ambulanz
Tel. 06131 17-2473
Fax 06131 17-6623
Email: Anmeldung

Anfahrt