Visual Universitätsmedizin Mainz

AG Molekulare Tumorbiologie

In der AG Molekulare Tumorbiologie werden die im Kopf Hals-Bereich vorkommenden Tumoren wissenschaftlich bearbeitet. Die häufigste Entität sind die Plattenepihelkarzinome (squamous cell carcinoma - SCC), daneben werden noch die seltener auftretenden Estesioneuroblastome, Vestibularis Schwannome, Paragangliome und Angiofibrome untersucht. Im Mittelpunkt der Arbeiten stehen Fragen nach dem Einfluss und Regulation der Tumorneoangiogenese auf Tumorwachstum und Strahlenresistenz, sowie die zugrundeliegenden genetischen und epigenetischen Veränderungen. Die Neoangiogenese ist ein Schlüsselereignis der Tumorprogression. Oberhalb einer Größe von 1 mm3 reicht die Versorgung über Diffusion mit Nährstoffen nicht mehr aus, sodass der Tumor Wachstumsfaktoren wie z.B. VEGF (vascular endothelial growth factor) sezerniert. VEGF bewirkt dann das Aussprossen von Kapillaren in Richtung Tumor, sodass dieser dann wieder versorgte Tumor weiterwachsen kann. Tumorangiogenese und Strahlenresistenz stehen in Zusammenhang. Gefäße sind notwendig, um den Tumor zu versorgen; gleichzeitig reagieren die Gefäße empfindlich auf Bestrahlung. Gelingt es die Gefäße zu zerstören, so wird auch der Tumor geschädigt. Der bestrahlte Tumor versucht sich folglich durch die Freisetzung von Gefäßwachstumsfaktoren (Angiogenesefaktoren) nach Bestrahlung vor den Folgen der Bestrahlung zu schützen. Die beteiligten Signalwege und Mechanismen untersuchen wir, um Ansatzpunkte für eine Therapie zu finden. Unter „Weitere Informationen“ finden Sie hierzu beispielhafte Projekte. Die Untersuchung genetischer und epigenetischer Veränderungen im Tumor soll uns zum einen Marker für Diagnose und Prognose liefern und zum anderen helfen, die zellulären Veränderungen „an der Wurzel“ zu verstehen. Wir konnten in mehreren vergleichenden Studien genomische Abberationen bei Plattenepithelkarzinomen, Estesioneuroblastomen und Vestibularis Schwannomen definieren und zeigen, dass verschiedene Tumorsuppressorgene hypermethyliert, d.h., epigenetisch inaktiviert, vorliegen (Zitate finden Sie unter „Publikationen“). Weiter konnten wir in mehreren Projekten, die in Zusammenarbeit mit der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie durchgeführt wurden, die prognostische Relevanz verschiedener VEGF-SNP (single nucleotide polymorphism)-Haplotypen aufzeigen (J Oral Pathol Med. 2010 Nov;39(10):786-92. PubMed PMID: 20618614; Oral Oncol. 2010 Jul;46(7):543-8. PubMed PMID: 20435510; Oral Oncol. 2010 Feb;46(2):128-33.PubMed PMID: 20060357.). Neben diesen onkologischen Fragestellungen bearbeiten wir materialwissenschaftlich und nanotoxikologisch orientierte Projekte. Nanopartikel gelangen in die Umwelt, da sie in Abgasen, Abrieben aller Art, Kosmetika, Farben und sogar Lebensmitteln häufig vorkommen, ohne, dass deren schädigendes Potenzial hinreichend untersucht wäre. Andererseits haben spezifisch hergestellte Nanopartikel ein großes Potential zum Einsatz in der Medizin, z.B. als Kontrastmittel oder drug-carrier. Weiterhin können Oberflächen durch biomimetische Substanzen so modifiziert werden, dass diese gewünschte Eigenschaften annehmen, was zu einer verbesserten Biokompatibilität von Implantaten beitragen kann. Wir untersuchen daher in Zusammenarbeit mit der anorganischen Chemie, dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung, der MKG und Pathologie der Universitätsmedizin Grundlagen und Mechanismen der (Geno-)Toxizität metallischer Nanopartikel. Andererseits versuchen wir Implantate durch gezielte Oberflächenmodifikation zu optimieren (J Mat Chem 2012, 22, 8826-8834.; Plasma Process Polym 2012, 9, 10–16.; Eur Cell Mater 2011 Apr 11;21:364-72.).

Ansprechpartner.

Zur Beantwortung dieser Fragen  werden folgende Techniken eingesetzt:

  • Immunohistochemie an formalinfixiertem Geweben oder Gefrierschnitten
  • Zytogenetik (CGH = comparative genomic hybridisation)
  • Mikrosattelittenanalyse
  • Aneuploidiemessung
  • Molekularbiologische Techniken: Klonierungen, Reporterassays, Q-PCR (Taq-Man)
  • Kultur und Stimulation von Primärzellen und Linien: Tumorzellen, Fibroblasten und Nabelschnurendothelzellen.


Weitere Informationen:

Im HNO-Labor werden Master- und Bachelorprojekte an Biologen (und verwandte Fächer) sowie (Promotions-) Arbeiten an Medizinstudenten vergeben. Wir bieten anspruchsvolle, experimentelle Arbeiten in allen Arbeitsgruppen an. Eine gründliche Einarbeitung, ein klar umrissenes Projekt und eine enge Betreuung ist sicher gestellt. Sollten Sie an der Durchführung eines Projektes interessiert sein, so mailen Sie bitte Ihre Kurzbewerbung, bestehend aus Zeugnissen sowie einem Motivationsschreiben, direkt an die unter „Kontakt“ angegebenen jeweiligen

Kontakt

Prof. Dr. phil. nat. Jürgen Brieger
Laborleiter Molekulare Tumorbiologie
HNO-Universitätsklinik
Hs. 102, 2.OG Langenbeckstraße 1 55131 Mainz
www.unimedizin-mainz.de/hno
fon +49 (0) 6131 17-3354
fax +49 (0) 6131 17-3462
Email:   Prof. Brieger