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08.05.2018

DFG fördert Graduiertenkolleg zur Erforschung von Grenzerfahrungen menschlichen Lebens

Beim Graduiertenkolleg „Life Sciences – Life Writing: Grenzerfahrungen menschlichen Lebens zwischen biomedizinischer Erklärung und lebensweltlicher Erfahrung“ beginnt die zweite Förderphase von 4,5 Jahren

Nach der ersten Förderperiode gab die DFG jetzt nach erfolgreicher Begutachtung der bisherigen Ergebnisse die Verlängerung des Graduiertenkollegs „Life Sciences, Life Writing“ bekannt. Es handelt sich um ein 2014 begonnenes Projekt der Johannes Gutenberg-Universität (JGU). Für die neue Förderperiode bewilligte die DFG 2,2 Millionen Euro. Das Graduiertenkolleg beleuchtet die Frage, wie die neuen Möglichkeiten der Biomedizin zu Grenzerfahrungen des menschlichen Lebens führen. Konkret geht es etwa um Fragestellungen, die die technologisch assistierte Reproduktion, die Auswirkung von Neurowissenschaften und Resilienzforschung auf das Alltagsleben oder das intensivmedizinisch begleitete Sterben betreffen.

Das Graduiertenkolleg „Life Sciences - Life Writing: Grenzerfahrungen menschlichen Lebens zwischen biomedizinischer Erklärung und lebensweltlicher Erfahrung" schlägt die Brücke zwischen der naturwissenschaftlich-medizinischen und der geisteswissenschaftlichen Sphäre. Ziel der beteiligten wissenschaftlichen Disziplinen ist es, alternative Blickweisen auf den Menschen zu gewinnen und gemeinsame methodische Zugänge zu menschlichen Grenzerfahrungen an den Schnittstellen von Medizin, Individuum und Gesellschaft zu entwickeln. Schwerpunkte des Kollegs sind Grenzerfahrungen auf den Ebenen Körperlichkeit, Fähigkeiten und Zeitlichkeit. Forschungsquellen für die Teilnehmer des Graduiertenkollegs sind beispielsweise Erlebnisberichte Essgestörter, Traumaexpositionen und Analysen autobiografischer Zeugnisse zu Krankheitswahrnehmung und Krisenbewältigung.

„Wir sehen in unserer täglichen klinischen Arbeit, dass die Medizin oft ungewollt und gelegentlich unreflektiert Grenzerfahrungen hervorbringt. Dies ist nicht nur eine ganz persönliche Herausforderung für unsere Patientinnen und Patienten, sondern zu verstehen, wie Grenzerfahrungen entstehen und was sie bedeuten, ist eine ethische und soziale Anforderung an eine humane Medizin, der wir durch unser Projekt ein Stück näher kommen wollen“, unterstreicht der Sprecher des neuen Graduiertenkollegs und zugleich Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin Univ.-Prof. Dr. Norbert W. Paul.

„Ausgangspunkt unserer Arbeit war die Frage, in wie weit angesichts von Grenzerfahrungen menschlichen Lebens autobiographische Narrative (Life Writing) eine Form von Orientierungswissen auch für Medizin und Lebenswissenschaften zur Verfügung stellen können. Umgekehrt sind die Geistes- und Kulturwissenschaften durch die Medizin herausgefordert, eigene Deutungs- und Lösungsansätze in einer komplexer werdenden Wirklichkeit neu zu denken“, betont Univ.-Prof. Dr. Mita Banerjee, Co-Sprecherin des Graduiertenkollegs und Professorin am Obama Institute of Transnational American Studies am Department of English and Linguistics.

Mit dem Ziel sich zu qualifizieren und früh wissenschaftliche Selbstständigkeit zu erlangen, haben im Graduiertenkolleg seit 2014 zunächst 12 Doktorandinnen und Doktoranden ein strukturiertes Forschungs- und Ausbildungsprogramm durchlaufen. Sie hatten zuvor ein in einem kompetitiven Verfahren vergebenes Graduierten- und Postgraduiertenstipendium erhalten. An dem strukturierten Forschungs- und Ausbildungsprogramm nahmen sowohl Doktorandinnen und Doktoranden aus der Medizin, als auch aus den Naturwissenschaften und den Geistes- und Kulturwissenschaften teil. Am Graduiertenkolleg „Life Sciences - Life Writing“ sind neben dem Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin die Bereiche Amerikanistik, Kulturanthropologie, Pharmazeutische Biologie, Molekularbiologie, Psychosomatik, Perinatologie, Germanistik, Soziologie und das Institut für Molekulare Biologie (IMB) Mainz beteiligt. Als Kooperationspartner konnten für die zweite Förderphase das Deutsche Resilienz Zentrum (Mainz) sowie die Bereiche Soziologie mit dem Schwerpunkt Biotechnologie, Natur und Gesellschaft und das Institut für Psychologie, Abteilung für Psychoanalyse der Goethe Universität in Frankfurt gewonnen werden.

 

Weitere Informationen unter www.grk-grenzerfahrungen.de

 

Kontakt:
Christine Forcina,
Coordinator Graduate School Life Sciences - Life Writing, Coordinator International Programs;
Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131  17-9545, Fax 06131  17-9479, E-Mail:  forcina@uni-mainz.de

 

Pressekontakt
Oliver Kreft, Unternehmenskommunikation Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131  17-7424, Fax 06131  17-3496, E-Mail:  pr@unimedizin-mainz.de

 

Über die Lebenswissenschaften
Spätestens seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind die Lebenswissenschaften zentral für unser Verständnis von der Welt und dafür, was es bedeutet, Mensch zu sein. Die Einbettung des Menschen in einen soziokulturellen Kontext einerseits und in eine Sphäre der Materialität andererseits hat historisch die Differenzierung der Wissenschaften in Natur- und Geisteswissenschaften, später die Lebenswissenschaften, Sozial- und Kulturwissenschaften beflügelt. In der Biomedizin, die mit wissenschaftlichen Methoden das menschliche Leben erklärt und erhält, hat sich aus der Suche nach rationalen Begründungen für Entscheiden und Handeln ein deutlicher Fokus auf naturwissenschaftliche Erklärungsmodelle als dominante Perspektive auf den Menschen als Organismus ergeben. Im Kontrast dazu haben sich die Geistes- und Kulturwissenschaften ebenfalls seit etwa Mitte des 20. Jahrhunderts verstärkt mit der Rolle des Individuums und seiner vielfältigen Zugänge zur Welt befasst.

 

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.400 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de