Visual Universitätsmedizin Mainz

Öffentliche Veranstaltung Faszination Forschung
100 Jahre Gesichtsrekonstruktion –
Die Anfänge im 1. Weltkrieg bis zum Gesicht aus dem 3D-Drucker


Veranstalter: Medizinische Gesellschaft Mainz,
Akademie für Ärztliche Fortbildung Rheinland-Pfalz


    100 Jahre Gesichtsrekonstruktion – Die Anfänge im 1. Weltkrieg bis zum Gesicht aus dem 3D-Drucker

    Nicht erst im Zeitalter von Instagram und sozialer Selbstinszenierung steht das Gesicht im Zentrum unserer Wahrnehmung. Die Rekonstruktion von Gesichtsverletzungen, aber auch nach Fehlbildungen oder nach Tumorerkrankungen, ist eine der besonderen Herausforderungen in der modernen Medizin. Das Ende des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren markierte „das Trauma das Jahrhunderts“. So kamen auf Grund der massiven Industrialisierung des Krieges, Patienten mit extremen Gesichtsverletzungen wieder in ihre Heimat zurück. Mit Hilfe zahnmedizinischer Techniken, wie z.B. Prothesen und Schienen konnten diese Patienten damals wieder versorgt werden. So ist später das Fach Mund-, Kiefer- Gesichtschirurgie an der Schnittstelle zwischen Medizin und Zahnmedizin entstanden. Klassische plastisch chirurgische Techniken, wie gestielte Transplantate wurden in dieser Zeit und auch nach dem 2. Weltkrieg verwendet. In den 80er Jahren entstanden dann im Sinne einer kleinen Revolution die sogenannten freien, mikrovaskulär anastomisierten Transplantate. Diese Transplantate ermöglichten einen Gewebetransfer und einen Wiederanschluss ans Blutgefäßsystem in einer nie dagewesenen Weise. Die aktuelle Entwicklung dieser Techniken wird geprägt von der Digitalisierung, bei der der OP virtuelle Planungen voraus gehen und in Einzelfällen sogar Teile des Transplantates bereits am 3D Drucker hergestellt werden. Damit stellt die moderne rekonstruktive Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie eine breite Disziplin dar: Vom Zahnimplantat über die großen rekonstruktiven Techniken bis zur regenerativen Medizin. Andererseits zeigt sich aber auch, dass plastisch rekonstruktive Chirurgie eben kein Tun eines Bildhauers ist, sondern, dass „traumatisierte Gesicht“ auch in seiner Funktion wiederhergestellt werden muss. Das Zusammenspiel zwischen Form und Funktion spielt also hier eine ganz besondere Rolle und erfordert tiefes Verständnis von den Funktionen des orofazialen Systems. Gerade in der modernen Medizin kommt leider der psychosomatische Aspekt dieser extremen Rekonstruktion oft zu kurz.

Veranstaltungsdetails
Zielgruppe

Ärzte, Studenten, interessierte Laien

Datum Mittwoch 19. Juni 2019
Uhrzeit 19:15 Uhr
Ort

Hörsaal Chirurgie, Langenbeckstraße 1,55131 Mainz

Dozent/in

Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Bilal Al-Nawas, Mainz

Moderation Prof. Dr.med. Monika Seibert-Grafe, Mainz

 

 

Fortbildungspunkte 3
Teilnehmerzahl unbegrenzt
Kontakt

junginger@uni-mainz.de