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Geschichte der Mainzer Universitätsfrauenklinik

Wussten Sie, dass die Mainzer Universitätsfrauenklinik auf eine mehr als 200-jährige Tradition zurückblicken kann?

Bereits 1782 wurde durch Dekret des Mainzer Kurfürsten Friedrich Karl Joseph von Erthal eine Professur der Chirurgie und Geburtshilfe an der Universität in Mainz eingerichtet und hierauf am 23.12.1782 der Arzt Johann Peter Weidmann (1751 – 1819 ) als Professor berufen.

Der in Zülpich geborene Weidmann hatte in Würzburg Medizin studiert und war dort von seinem Lehrer, dem fürstlichen Hofrat und Professor Siebold, in der praktischen Geburtshilfe ausgebildet worden. Anschließend erhielt Weidmann in Rahmen mehrerer Studienreisen u.a. nach Frankreich und England eine umfassende geburtshilfliche Weiterbildung an den damals führenden europäischen Zentren wie Straßburg, Paris, Rouen und London.

In der Fakultät war dieser noch recht junge, aber zwischenzeitlich überregional bekannte Arzt nicht nur willkommen und so konnte Weidmann, nach einigen Diskussionen um seine Ernennung, erst 1784 mit seinen geburtshilflichen Vorlesungen beginnen. Ab dem Wintersemester 1784/85 lehrte er viermal wöchentlich theoretisch im Hörsaal und zweimal praktisch in der neugegründeten Mainzer Entbindungsanstalt, dem sogenannten Accouchement.

Dem Geist der Medizin der Aufklärung folgend, entwickelte die Geburtshilfe im 18.Jahrhundert eine zunehmende fachliche Eigenständigkeit. Nachdem berühmte geburtshilfliche Schulen u.a. in Straßburg, Göttingen oder Berlin gegründet waren, wurde auch in Mainz das Interesse für das Entbindungs- und Hebammenwesen wacher.

Am 7.6.1784 erfolgte durch landesherrliche Verordnung die Gründung einer Entbindungsschule auch in Mainz. Für sehr arme, vor allem aber für unverheiratete Schwangere, die sich dem Unterricht für Geburtshelfer und Hebammen zur Verfügung stellen mussten, entstand in dem Räumen des Altmünsterklosters eine Entbindungsanstalt, deren erster ärztlicher Leiter Professor Weidmann war und die letztendlich Fortbestand bis zum Ende des 2. Weltkrieges hatte.