Visual Universitätsmedizin Mainz

Patientensicherheit & Human Factors

Das ethische Gebot des "primum nil nocere" – zuallererst keinen Schaden anrichten – ist so alt wie die Medizin selbst und kann als zentraler Wert des medizinischen Handelns in der heutigen Zeit kaum besser als mit dem Begriff der Patientensicherheit beschrieben werden. Neben dem Qualitätsbegriff gehört damit die Orientierung an einer sicheren medizinischen Versorgung des Patienten zum Fundament der modernen Gesundheitsversorgung von heute. Als kulturstiftendes Element eint die Patientensicherheit die Medizin mit anderen Branchen und Industrien, bei der eine wesentliche gesamtgesellschaftliche Erwartung darin besteht, dass die Leistungen dauerhaft und mit außergewöhnlicher Zuverlässigkeit zum Wohle der Leistungsempfänger, der Mitarbeiter selbst, der Gesellschaft und der Umwelt erbracht werden. Für die Medizin und eine sichere Patientenversorgung bedeutet dies, dass der Umgang und das Management von vorhersehbaren und nicht vorhersehbaren Situationen, Bedrohungen, Gefährdungen sowie möglichen Risiken und Fehlern im Behandlungsprozess, ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist.

Das schließt neben dem medizinischen Wissen und den medizinisch-praktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten auch die Ausbildung nicht medizinischer Kompetenzen ein. Diese werden in der medizinischen Literatur und der Literatur von Hochverlässlichkeitsorganisationen (HRO) häufig als Non-Technical oder Interpersonal Skills bezeichnet. Im Mittelpunkt steht dabei der Einfluss des menschlichen Handelns auf die Leistungserbringung (Human Performance & Limitations) mit all seinen psychischen, physischen und sozialen Facetten, insofern sie das Verhalten und Handeln der Akteure im soziotechnischen System Medizin beeinflussen oder durch diese beeinflusst werden (Human Factors).

In diesem Sinne hat sich das Ressort Patientensicherheit & Human Factors zum Ziel gesetzt, entsprechende interdisziplinär und interprofessionell ausgerichtete Lehrangebote für interessierte Studierende anzubieten. Eine praxisnahe, an den neuesten Erkenntnissen ausgerichtete und durch Lehr- und Lernforschung begleitete Ausbildung soll es den Studierenden ermöglichen, das Thema Patientensicherheit als eine wichtige und herausfordernde Aufgabe im Gesundheitssektor zu erkunden. Ausgewählte und am persönlichen Interesse ausgerichtete Module geben den Studierenden die Möglichkeit zur Vertiefung und einer nachhaltigen Entwicklung von Handlungskompetenzen in diesem Bereich. Das schließt auch die Entwicklung der o.g. nicht medizinischen (interpersonellen) Kompetenzen ein. Diese Angebote fokussieren vornehmlich auf Verhaltensaspekte des Handelnden und thematisieren sie vor dem Hintergrund einer sicheren Patientenversorgung unter Einbeziehung der Randbedingungen, bestehender Werte (u.a. (Sicherheits-) Kultur, Leitbilder…) und den Kenntnissen und dem Wissen über sich selbst (u.a. medizinisches und nicht medizinische Kenntnisse, Methodenkenntnisse, Lernkompetenz, Einstellungen…).

Ansprechpartner

Kai-Uwe R. Strelow
Ressortleiter

Tel.: 06131 17-9718
 E-Mail