Erfahrungsberichte 1. Semester von Marie Knieriemen (2012) und Sabine Tiefensee (2008)
(2012-01) Mein erstes Semester in der Lehranstalt für Logopädie in Mainz hatte einen ziemlich turbulenten Start. Als ich nach dem Eignungstest die Nachric
ht bekam, dass ich auf einem Wartelisten-Platz wäre, hatte ich den Traum, Logopädin zu werden, zumindest für das nächste Jahr abgeschrieben. Ich schmiedete Alternativpläne, unterschrieb einen Vertrag für ein FSJ, sogar eine Zwischenmieterin für mein WG-Zimmer in Mainz war gefunden. Bis dann eines Montagmorgens das Telefon klingelte und Herr Brauer mir mitteilte, dass kurzfristig ein P
latz frei geworden wäre und mich fragte, ob ich nachrücken wolle. Was sollte ich tun? Alle Pläne wieder verwerfen? Und das obwohl das Semester schon seit zwei Wochen lief, und ich nicht nur den Stoff nachholen, sondern auch direkt am nächsten Tag anfangen sollte, um nicht noch mehr zu versäumen? Doch relativ schnell war es dann einfach klar. Der Unterkurs der Lehranstalt für Logopädie in Mainz würde wieder eine 16. Mitstreiterin haben.
Schrecklich aufgeregt war ich, als ich am nächsten Tag die Lehranstalt betrat. Was würde mich erwarten? Wie werden die anderen sein? Welche Fächer würde ich haben?
Auf einmal streckte ein sympathisches Mädchen mit roten Haaren den Kopf aus einem Raum und fragte:„Willst du zu uns? Bist du Marie?“ Und so schnell konnte es gehen, meine erste große Frage war beantwortet: die anderen waren nett! Auch die zweite Frage klärte sich sehr schnell: Ich hatte Anatomie und Physiologie, Stimmbildung, Linguistik, Audiologie, Phoniatrie, Psychologie, Berufskunde, Pathologie, Sprecherziehung, Pädagogik, angewandte Psychologie, Pädiatrie, Gesetzeskunde und Kindersprache. Das war doch einiges und auch die 32 Wochenstunden, die ich in meinem Stundenplan zählte, sprachen für sich.
Gefühlt nach der ersten, tatsächlich war es dann doch eher die fünfte Wochen, kam auch schon die erste Klausur, Pathologie. Da war ich noch ziemlich entspannt, hatte Herr Dr. Bohl uns doch sehr gut vorbereitet und auch die Stoffmenge war gut zu bewältigen. Ähnlich ging es mir mit der zweiten Prüfung eine Woche später. Auch vor der Linguistikklausur war die Stimmung im Kurs einigermaßen entspannt. Eigentlich hing ich mit den Gedanken schon längst bei einer meiner beiden Angstklausuren: Kindersprache. Abend für Abend brütete ich über meinem Ordner und versuchte, irgendwie die Massen an Stoff in meinen Kopf zu bekommen. Je näher der Tag rückte, umso mehr stieg die Panik. Wie sollte ich es schaffen einen ganzen dicken Ordner in meinen Kopf zu bekommen?! Eine gute Note sollte es ja auch noch werden, wollen wir doch alle an die KFH und brauchen einen Schnitt von 2,0. Dann war er da, der Mittwochmorgen, vor dem mir die ganze Zeit gegraust hatte. Erstaunlicherweise spuckte das Blatt weder Feuer noch fraß es mich auf.
Zu diesem Zeitpunkt war nur leider erst die Hälfte des Grauens vorüber und das, obwohl ich mir die ganze Zeit doch eingeredet hatte, wenn Kindersprache vorbei sei, wäre es so gut wie geschafft. Aber leider war es das eben nur „so gut wie“. Unsere zweite „große“ Klausur wartete immer noch: Anatomie. Ich hatte doch Bio nach der 10. Klasse nur zu gerne abgegeben und nur mäßig Freude daran, das Ganze jetzt noch einmal lernen zu müssen. Auch diese Klausur kam, und auch sie war fair gestellt und gut zu bewältigen.
Mittags belohnte sich der ganze Kurs mit einem Glühwein auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt und dann konnten wir die letzte Wochen vor Weihnachten in vollen Zügen zusammen genießen. Wir hatten ein gemeinsames Adventswochenende vor uns, an dem sowieso niemand nach Hause fahren konnte, da uns noch ein Infotag der katholischen Fachhochschule Mainz erwartete. Die Veranstaltungen der einzelnen Fachbereiche waren sehr informativ und bestärkten mich in meiner Entscheidung, mich zusätzlich zur Logopädenausbildung für das Studium an der KFH zu bewerben. Anschließend, verabschiedeten wir uns in die wohlverdienten Weihnachtsferien. Wir mussten uns auch nicht für lange trennen, denn schon am 2. Januar fanden wir uns alle wieder mehr oder weniger erholt in der Lehranstalt ein.
Das erste Semester, das theoretische Semester, war wie im Flug an mir vorbeigezogen, es war sicherlich nicht ohne Anstrengung und Stress, doch auch mit sehr viel Freude und Spaß verbunden, Spaß mit vielen netten Menschen und sehr interessanten Unterrichtsinhalten. Ja, ich konnte sogar ein Interesse an Biologie entdecken, von dem ich mir zuvor nicht hätte träumen lassen, dass ich es empfinden kann.
(Marie Knieriemen Kurs 2011-2014)
(2008-01) Nach gefühlten unendlich langen vier Wochen nach dem Eignungstest brachte mir die Post die Zusage für meine Ausbildung an der Lehranstalt für Logopädie und sofort schossen mir tausend Gedanken durch den Kopf: wer von meinen Mitstreitern hatte es noch geschafft, wie streng würde unser Stundenplan aussehen und wie war das noch mal mit der Katholischen FH? Wir, der Kurs 2007/2010, sollten nämlich der erste Kurs sein, der in den Genuss eines additiven und integrativen Studiengangs an der Katholischen Fachhochschule kommen sollte, und damit zu einem zusätzlichen akademischen Studienabschluss. Ein Infotag an der Lehranstalt im Mai brachte uns alle schon vor Semesterbeginn zusammen, und wir konnten uns bei einem anschließenden Kaffeetrinken bereits gegenseitig kennen lernen.
Die darauf folgenden Monate vergingen wie im Fluge, und im August hatte ich eine erste Mail meiner Patin aus dem Mittelkurs in meinem Postfach, in der sie mir grob den Ablauf und den Alltag an der Lehranstalt schilderte und mir bereits einige hilfreiche Tipps gab. Dies steigerte natürlich die Vorfreude auf den Ausbildungsbeginn, und so konnte ich Anfang September mit größerer Gelassenheit zum vom Mittelkurs organisierten Begrüßungsfrühstück erscheinen. Da wir uns alle bereits kannten, dauerte das „Fremdeln“ nicht lange an, und wir begannen, uns über unsere Erwartungen auszutauschen. Danach begannen sofort zwei Fachwochen, die uns einen intensiven Einblick in das Fach „Kindersprache“ geben sollten. In den folgenden 14 Tagen beschäftigten wir uns mit dem Sprachbaum, kindlichen Aussprachestörungen und deren Einordnung und der kindlichen Sprachentwicklung im Allgemeinen. Die Lehrlogopädin, Frau Culp, gestaltete den Unterricht sehr interessant und abwechslungsreich, so dass wir alle mit viel Motivation in den regulären Unterricht starteten. Der beinhaltete die Fächer Anatomie, Phoniatrie, Pathologie, Berufs – und Gesetzeskunde, Linguistik, Pädagogik, Physiologie, Pädiatrie, angewandte Psychologie, Psychologie sowie weiterhin als Schwerpunkt das Fach Kindersprache. Ferner erhielten wir Unterricht in Sprecherziehung und Stimmbildung, die einen angenehmen Gegenpol zu den theorielastigen übrigen Fächern bildeten.
In fünf dieser Fächer mussten wir am Ende des Semesters Klausuren schreiben, deren Noten in die Bewerbung für die Katholische FH einfließen sollten. Da wir der Kurs sind, bei dem die Kooperation mit der KFH startete, herrschte bezüglich der Planung immer wieder Unsicherheiten, die aber in zusätzlichen Informationsstunden durch den Fachlichen Leiter, Herrn Brauer, aufgelöst werden konnten. Außerdem stand uns Frau Culp bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite, auch was unsere Fragen bezüglich des im Sommer anstehenden Praktikums und der im 2. Semester startenden Therapien anging, denen wir natürlich mit gemischten Gefühlen entgegensahen – würden wir das Erlernte umsetzen können? Hatten wir überhaupt genug gelernt? Wie würden wir unseren kleinen Patienten und deren Eltern gegenüber treten? Mit der Zeit wuchs jedoch nicht nur unser Fachwissen, sondern auch unser Selbstvertrauen und wir blickten dem zweiten Semester mit Zuversicht und Vorfreude entgegen.
Zunächst galt es jedoch noch, die Weihnachtsfeier für uns, den Mittelkurs und unsere Lehrlogopäden vorzubereiten, eine Aufgabe, die traditionell dem Unterkurs zufällt. Bei gemütlichem Beisammensein mit Tee und Plätzchen sollten wir auch noch ein kleines Rahmenprogramm zusammenstellen. In Sprecherziehung begannen wir daher, eigene Texte zum Thema „Weihnachten“ zu schreiben und diese im Fach Stimmbildung zu vertonen. Wir staunten selbst nicht schlecht, welch unterschiedliche, lustige und originelle Werke dabei zustande kamen. Auch der Mittelkurs steuerte einige sehr gelungene Programmpunkte zur Feier bei und nach zwei vergnüglichen Stunden starteten wir erschöpft, aber fröhlich in die Weihnachtsferien, die uns zweieinhalb Wochen Freizeit versprachen.
Dennoch war im Januar die Wiedersehensfreude groß, unsere Akkus wieder geladen und unser Schrank mit 5-Minuten-Terrinen, Tee und Schokolade aufgefüllt. Und obwohl uns die Ausbildung viel abverlangt, unsere Köpfe manchmal rauchen und wir die ein oder andere Auseinandersetzung auch untereinander durchstehen müssen, fühlen wir uns gut aufgehoben und uns mit unserem gemeinsamen Ziel auf dem richtigen Weg.
(Sabine Tiefensee Kurs 2007-2010)
