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Erfahrungsberichte 1. Semester von Agnieszka Struzyna (2016), Barbara Schraven (2015), Marie Knieriemen (2012) und Sabine Tiefensee (2008)

(2016-01, Agnieszka Struzyna) Als ich im Februar 2016 zum Eignungstest in die Lehranstalt für Logopäden in Mainz kam, hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich knapp ein Jahr später vor meinem Laptop sitzen und einen solchen Bericht schreiben würde.

Ein paar Wochen nachdem der Eignungstest stattfand, bekam ich die Benachrichtigung. Ich war zwar für den Beruf geeignet, landete jedoch durch das Losverfahren auf dem 7. Platz der Nachrückliste und hatte mich schon quasi damit abgefunden, dass ich keinen Platz im Kurs bekomme. Es erschien mir sehr unrealistisch, dass sieben Leute ihren Platz absagen würden. Es verging ca. ein Monat als ich am letzten Tag der Osterferien von unserer Sekretärin, Frau Brügmann, angerufen wurde. Sie fragte mich, ob ich noch immer an einem Ausbildungsplatz interessiert sei und ob ich diesen annehmen wolle. Die Nachrückerinnen auf den Plätzen vor mir, hatten an anderen Schulen mittlerweile zugesagt. Ich freute mich sehr, sagte sofort zu und somit kam ich in den neuen Kurs 2016-2019.  Da ich dieses Jahr auch mein Abitur absolviert hatte, konnte ich schon im Juni entspannt in meine langen Sommerferien starten.

Die Ausbildung begann am 29.08.16., an einem schönen, sonnigen Morgen. Bereits während der Ferien hatten wir schon innerhalb des Kurses Kontakt miteinander und verabredeten uns für diesen Morgen, uns vor dem Eingang der Lehranstalt zu treffen. Als sich dann alle aus dem neuen „Unterkurs“ versammelt hatten, gingen wir gemeinsam in die Lehranstalt, wo uns ein leckeres Frühstück und das Kennenlernen der anderen Kurse, sowie der Lehrlogopäden erwartete.

In den ersten zwei Einführungswochen wurden wir über den Beruf und die Ausbildung informiert und konnten auch selbst aktiv werden, zum Beispiel in einer Umfrage zur Logopädie, die wir in der Mainzer Innenstadt durchführten.

Ab der dritten Woche begannen dann die „richten Fächer“. Es waren ganz andere Fächer als im Gymnasium und teilweise konnten wir uns am Anfang kaum etwas unter diesen Fächern vorstellen. Neben vielen theoretischen Fächer, die ich noch aus der Schule gewohnt war, gab es auch praktische Fächer, wie Stimmbildung und Sprecherziehung, in denen wir selbst aktiv werden mussten. Die meisten Dozenten kamen uns in theoretischen Fächern jedoch entgegen und bauten praktische Übungsphasen ein oder brachten Schaubeispiele mit, um den Unterricht ein bisschen lebendiger zu gestalten.

Trotzdem musste man den ganzen Unterrichtsstoff drauf haben, was manchmal gar nicht so einfach war. Die Tage waren teilweise sehr lang, wir hatten täglich von 8:15 Uhr bis teilweise 17.30 Uhr Unterricht, was uns sehr zu schaffen machte. Auch die Wochenenden musste man meistens für das Lernen opfern, vor allem wenn Klausuren anstanden. Das Positive dabei war jedoch, dass die Dozenten den Stoff so gut erklären konnten, dass man das Meiste auf Anhieb verstand und man nicht ahnungslos zu Hause rum saß.

Ich hatte nicht gedacht, dass diese Ausbildung so anstrengend werden und so viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Ich muss aber zugeben, dass wir in der Lehranstalt eine tolle Gruppe sind, die einander unterstützt und uns Kraft gibt weiter zu machen. Innerhalb des Kurses, können wir ehrlich zu einander sein und uns gegenseitig helfen, was ich für sehr wichtig halte. Inzwischen sind wir wie eine kleine Familie, vor allem für die Leute, die extra wegen der Ausbildung nach Mainz umgezogen sind. Ich persönlich fühle mich in der Lehranstalt sehr gut aufgenommen, durch die tolle Atmosphäre.

Jetzt stehen wir noch vor den restlichen Klausuren, und ich hoffe, wir werden alle in knapp zwei Wochen zufrieden in die Weihnachtsferien starten, um dann im Januar alle entspannt in das zweite Semester zu starten.
(Agnieszka Struzyna, Kurs 2016-2019)

 

(2015-01, Barbara Schraven) Ich hatte den Eignungstest bestanden!!! Ca. 3 Wochen danach kam der Brief – ausgerechnet am ‚Tag der Logopädie‘  – wenn das kein Zeichen war. Weil ich es nicht glauben konnte, rief ich zur Sicherheit noch einmal unter einem fadenscheinigen Vorwand in der Schule an. Aber Herr Brauer beantwortete ohne zu Zögern meine Frage zu Ferien im ersten Schuljahr. Mainz hatte sich tatsächlich dazu entschlossen, eine 52 jährige Frau zur Ausbildung zuzulassen.
Was folgte, war einfach. Ich kündigte meine Arbeit und suchte mir ein kleines Zimmer in Mainz. Schließlich war das die Empfehlung vom Tag der Offenen Tür. Ein tägliches Pendeln von Frankfurt wäre nicht anzuraten – zu stressig wegen der vielen Freistunden und dem anstehenden gemeinsamem Lernen. 
Die Monate verflogen schnell und schon war der 31.8. da. Gut, dass wir uns als neue Schülerinnen schon über WhatsApp kennengelernt und am Freitag vor Schulbeginn bereits einmal gemeinsam gefrühstückt hatten. So war nicht alles neu an diesem heißen Montag im August 2015.
Gleich am ersten Tag vormittags trafen wir uns mit ca. 44 anderen Schülerinnen und einem Schüler sowie 4-5 Lehrkräften in einem relativ kleinen Raum der Logopädie-Schule zum gemeinsamen Frühstück. Ich saß alleine mit mehreren ‚Mittelkurslerinnen‘ und ‚Oberkurslerinnen‘ an einem Tisch. Alle freuten sich offensichtlich, sich nach langer Zeit wiederzusehen. Das Büffet war lecker. Aber ich fühlte mich irgendwie ziemlich alleine. Dann bekam jede von uns ‚Unterkurslerinnen‘ eine kleine Schultüte von ihrer Patin aus dem Mittelkurs. Und schon war ein Teil der Verlorenheit dahin. Offensichtlich hatten sich andere schon ein paar Gedanken über uns gemacht.
Mittags begann der Unterricht. Frau Culp, unsere Lehrlogopädin für  Kindersprache, war mir gleich sympathisch. Es ging sofort zur Sache und schon am selben Nachmittag mussten wir in Dreiergruppen zum Interview in die Mainzer Innenstadt laufen. Die Ergebnisse sollten wir am nächsten Tag der Gesamtgruppe vorstellen. Wir lernten also Mainz und zwei Mitschülerinnen gleich besser kennen. In den ersten Wochen verbrachten wir den größten Teil der Zeit mit dem Thema ‚Kindersprache‘, was auch als Logopädie-Thema unser Schwerpunkt im ersten Halbjahr bleiben sollte. Wir wählten Kurssprecher und erarbeiteten viele Themen in Gruppenarbeiten in immer neuen Zusammensetzungen. Für uns 15 ‚Neuen‘ galt gleichermaßen: die Inhalte waren unbekannt, die Mitschülerinnen und Lehrer kannten wir vorher nicht, die Räumlichkeiten waren neu, unsere Unterkünfte und die Stadt waren neu. 
Am letzten Tag des 14tägigen Blockseminars hatten wir ‚Angewandte Psychologie‘ bei Verena. Es ging zum ersten Mal nur um uns. Von vielen fiel plötzlich die Anspannung der ersten zwei Wochen ab. Wir begannen anzukommen. Ich war nicht die einzige, die vor Erleichterung, das erste Stück Weg geschafft zu haben, ganz gerührt war.
In der folgenden Woche hatten wir normalen Unterricht. Die Woche startete immer Montagsmorgens mit knapp drei Stunden Anatomieunterricht. Wir wurden zugeschüttet mit Informationen und Fachvokabeln, die wir in der Woche drauf montags bei mündlichen Kontrollfragen wiedergeben können mussten. Wäre Frau Brosius nicht so eine großartige Pädagogin, wäre ich an diesem Fach vermutlich verzweifelt. Inzwischen liebe ich Anatomie.
Unser Pathologie-Dozent, Herr Bohl, schockierte uns bereits in seiner ersten Unterrichtsstunde mit der interessanten Mischung aus Bildern seines aufregenden Berufslebens und echten Präparaten, sowie interessanten Anekdoten aus seinem reichen Erfahrungsschatz.
Besonders gefreut hatte ich mich auf das Fach ‚Stimmbildung‘. In Zweierpärchen sollten wir antreten. Die Frage der Gruppierung bewältigten wir in unserem Kurs schnell und schmerzlos. Leider gab es im ersten Semester nicht allzu viel Gesang. Es ging eher um Theorie, bzw. Umgang mit Patienten. Ich hoffe doch sehr, dass wir eines Tages auch noch ein bisschen für uns lernen. Die höheren Semester haben uns hier Hoffnung gemacht.
Ansonsten hörten wir viel Neues in den Themengebieten Linguistik, Audiologie, Psychologie, Pädagogik, Sprecherziehung, Gesetzeskunde, Pädiatrie und Berufskunde. Zweimal drei Stunden Kindersprache durften natürlich nicht fehlen. Die Tage waren vollgepackt mit theoretischem Unterricht.
Hast Du’s nicht gesehen begannen wir auch schon uns auf die ersten Prüfungen vorzubereiten. Fast alle aus der Klasse wollen gerne an der Katholischen Hochschule studieren. Dafür mussten wir in den anstehenden Klausuren des ersten Semesters einen bestimmten Notendurchschnitt erreichen. Im Fach Berufskunde empfahl uns Herr Brauer mehrfach, zu studieren, weil das unsere Chancen am Arbeitsmarkt erhöht. Das half auch nicht gerade, den Druck abzubauen.
Ich hatte nicht erwartet, dass diese Ausbildung mich derartig einspannen würde. Aber in der Lerngruppe bewältigten wir die Lernarbeit und auch mein altes Gehirn schaffte es, das insbesondere umfangreiche Lernpensum von Kindersprache und Anatomie zu bewältigen. In der Zwischenzeit hatte sich unsere Klasse immer mehr als Gruppe gefunden. Wir feierten unter anderem alle gemeinsam Geburtstage, gingen gemeinsam auf den Weihnachtsmarkt und besuchten das Konzert einer Mitschülerin. Diese gemeinsamen Aktivitäten halfen uns, die anstrengende Zeit gut zu bewältigen.
In der letzten Woche vor Weihnachten wussten wir dann alle, dass wir die Klausuren gut bestanden hatten und konnten uns so richtig auf die wohlverdienten Weihnachtsferien freuen. Beendet wurde das Semester so, wie wir es begonnen hatten: mit einer gemeinsamen Feier aller Schüler und Lehrer der Schule. Der Mittelkurs führte lustige Weihnachtsgeschichten auf. Wir im Unterkurs hatten in Sprecherziehung und Stimmbildung zwei Liedergeschichten vorbereitet, die wir gemeinsam selber geschrieben und deren Lieder wir in Zweiergruppen gedichtet und komponiert hatten. Um den Zeitrahmen nicht zu sprengen, haben wir gemeinsam eine davon aufgeführt. Die Vorbereitung war für uns alle eine große Kraftanstrengung, aber der begeisterte Applaus der anderen Schüler und der LehrlogopädInnen hat uns entlohnt. Wir fühlten sehr deutlich, dass wir nun richtig dazugehörten.
(Barbara Schraven, Kurs 2015-2018)

 

(2012-01, Marie Knieriemen) Mein erstes Semester in der Lehranstalt für Logopädie in Mainz hatte einen ziemlich turbulenten Start. Als ich nach dem Eignungstest die Nachricht bekam, dass ich auf einem Wartelisten-Platz wäre, hatte ich den Traum, Logopädin zu werden, zumindest für das nächste Jahr abgeschrieben. Ich schmiedete Alternativpläne, unterschrieb einen Vertrag für ein FSJ, sogar eine Zwischenmieterin für mein WG-Zimmer in Mainz war gefunden. Bis dann eines Montagmorgens das Telefon klingelte und Herr Brauer mir mitteilte, dass kurzfristig ein Platz frei geworden wäre und mich fragte, ob ich nachrücken wolle. Was sollte ich tun? Alle Pläne wieder verwerfen? Und das obwohl das Semester schon seit zwei Wochen lief, und ich nicht nur den Stoff nachholen, sondern auch direkt am nächsten Tag anfangen sollte, um nicht noch mehr zu versäumen? Doch relativ schnell war es dann einfach klar. Der Unterkurs der Lehranstalt für Logopädie in Mainz würde wieder eine 16. Mitstreiterin haben.

Schrecklich aufgeregt war ich, als ich am nächsten Tag die Lehranstalt betrat. Was würde mich erwarten? Wie werden die anderen sein? Welche Fächer würde ich haben?

Auf einmal streckte ein sympathisches Mädchen mit roten Haaren den Kopf aus einem Raum und fragte:„Willst du zu uns? Bist du Marie?“ Und so schnell konnte es gehen, meine erste große Frage war beantwortet: die anderen waren nett! Auch die zweite Frage klärte sich sehr schnell: Ich hatte Anatomie und Physiologie, Stimmbildung, Linguistik, Audiologie, Phoniatrie, Psychologie, Berufskunde, Pathologie, Sprecherziehung, Pädagogik, angewandte Psychologie, Pädiatrie, Gesetzeskunde und Kindersprache. Das war doch einiges und auch die 32 Wochenstunden, die ich in meinem Stundenplan zählte, sprachen für sich.   

Gefühlt nach der ersten, tatsächlich war es dann doch eher die fünfte Wochen, kam auch schon die erste Klausur, Pathologie. Da war ich noch ziemlich entspannt, hatte Herr Dr. Bohl uns doch sehr gut vorbereitet und auch die Stoffmenge war gut zu bewältigen. Ähnlich ging es mir mit der zweiten Prüfung eine Woche später. Auch vor der Linguistikklausur war die Stimmung im Kurs einigermaßen entspannt. Eigentlich hing ich mit den Gedanken schon längst bei einer meiner beiden Angstklausuren: Kindersprache. Abend für Abend brütete ich über meinem Ordner und versuchte, irgendwie die Massen an Stoff in meinen Kopf zu bekommen. Je näher der Tag rückte, umso mehr stieg die Panik. Wie sollte ich es schaffen einen ganzen dicken Ordner in meinen Kopf zu bekommen?! Eine gute Note sollte es ja auch noch werden, wollen wir doch alle an die KFH und brauchen einen Schnitt von 2,0. Dann war er da, der Mittwochmorgen, vor dem mir die ganze Zeit gegraust hatte. Erstaunlicherweise spuckte das Blatt weder Feuer noch fraß es mich auf. 

Zu diesem Zeitpunkt war nur leider erst die Hälfte des Grauens vorüber und das, obwohl ich mir die ganze Zeit doch eingeredet hatte, wenn Kindersprache vorbei sei, wäre es so gut wie geschafft. Aber leider war es das eben nur „so gut wie“. Unsere zweite „große“ Klausur wartete immer noch: Anatomie. Ich hatte doch Bio nach der 10. Klasse nur zu gerne abgegeben und nur mäßig Freude daran, das Ganze jetzt noch einmal lernen zu müssen. Auch diese Klausur kam, und auch sie war fair gestellt und gut zu bewältigen. 

Mittags belohnte sich der ganze Kurs mit einem Glühwein auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt  und dann konnten wir die letzte Wochen vor Weihnachten in vollen Zügen zusammen genießen. Wir hatten ein gemeinsames Adventswochenende vor uns, an dem sowieso niemand nach Hause fahren konnte, da uns noch ein Infotag der katholischen Fachhochschule Mainz erwartete. Die Veranstaltungen der einzelnen Fachbereiche waren sehr informativ und bestärkten mich in meiner Entscheidung, mich zusätzlich zur Logopädenausbildung für das Studium an der KFH zu bewerben. Anschließend, verabschiedeten wir uns in die wohlverdienten Weihnachtsferien. Wir mussten uns auch nicht für lange trennen, denn schon am 2. Januar fanden wir uns alle wieder mehr oder weniger erholt in der Lehranstalt ein. 

Das erste Semester, das theoretische Semester, war wie im Flug an mir vorbeigezogen, es war sicherlich nicht ohne Anstrengung und Stress, doch auch mit sehr viel Freude und Spaß verbunden, Spaß mit vielen netten Menschen und sehr interessanten Unterrichtsinhalten. Ja, ich konnte sogar ein Interesse an Biologie entdecken, von dem ich mir zuvor nicht hätte träumen lassen, dass ich es empfinden kann. 

(Marie Knieriemen, Kurs 2011-2014)

 

(2008-01, Sabine Tiefensee) Nach gefühlten unendlich langen vier Wochen nach dem Eignungstest brachte mir die Post die Zusage für meine Ausbildung an der Lehranstalt für Logopädie und sofort schossen mir tausend Gedanken durch den Kopf: wer von meinen Mitstreitern hatte es noch geschafft, wie streng würde unser Stundenplan aussehen und wie war das noch mal mit der Katholischen FH? Wir, der Kurs 2007/2010, sollten nämlich der erste Kurs sein, der in den Genuss eines additiven und integrativen Studiengangs an der Katholischen Fachhochschule kommen sollte, und damit zu einem zusätzlichen akademischen  Studienabschluss. Ein Infotag an der Lehranstalt im Mai brachte uns alle schon vor Semesterbeginn zusammen, und wir konnten uns bei einem anschließenden Kaffeetrinken bereits gegenseitig kennen lernen.

Die darauf folgenden Monate vergingen wie im Fluge, und im August hatte ich eine erste Mail meiner Patin aus dem Mittelkurs in meinem Postfach, in der sie mir grob den Ablauf und den Alltag an der Lehranstalt schilderte und mir bereits einige hilfreiche Tipps gab. Dies steigerte natürlich die Vorfreude auf den Ausbildungsbeginn, und so konnte ich Anfang September mit größerer Gelassenheit zum vom Mittelkurs organisierten Begrüßungsfrühstück erscheinen. Da wir uns alle bereits kannten, dauerte das „Fremdeln“ nicht lange an, und wir begannen, uns über unsere Erwartungen auszutauschen. Danach begannen sofort zwei Fachwochen, die uns einen intensiven Einblick in das Fach „Kindersprache“ geben sollten. In den folgenden 14 Tagen beschäftigten wir uns mit dem Sprachbaum, kindlichen Aussprachestörungen und deren Einordnung und der kindlichen Sprachentwicklung im Allgemeinen. Die Lehrlogopädin, Frau Culp, gestaltete den Unterricht sehr interessant und abwechslungsreich, so dass wir alle mit viel Motivation in den regulären Unterricht starteten. Der beinhaltete die Fächer Anatomie, Phoniatrie, Pathologie, Berufs – und Gesetzeskunde, Linguistik, Pädagogik, Physiologie, Pädiatrie, angewandte Psychologie, Psychologie  sowie weiterhin als Schwerpunkt das Fach Kindersprache. Ferner erhielten wir Unterricht in Sprecherziehung und Stimmbildung, die einen angenehmen Gegenpol zu den  theorielastigen übrigen Fächern bildeten.

In fünf dieser Fächer mussten wir am Ende des Semesters Klausuren schreiben, deren Noten in die Bewerbung für die Katholische FH einfließen sollten. Da wir der Kurs sind, bei dem die Kooperation mit der KFH startete, herrschte bezüglich der Planung immer wieder Unsicherheiten, die aber in zusätzlichen Informationsstunden durch den Fachlichen Leiter, Herrn Brauer, aufgelöst werden konnten. Außerdem stand uns Frau Culp bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite, auch was unsere Fragen bezüglich des im Sommer anstehenden Praktikums und der im 2. Semester startenden Therapien anging, denen wir natürlich mit gemischten Gefühlen entgegensahen – würden wir das Erlernte umsetzen können? Hatten wir überhaupt genug gelernt? Wie würden wir unseren kleinen Patienten und deren Eltern gegenüber treten? Mit der Zeit wuchs jedoch nicht nur unser Fachwissen, sondern auch unser Selbstvertrauen und wir blickten dem zweiten Semester mit Zuversicht und Vorfreude entgegen.

Zunächst galt es jedoch noch, die Weihnachtsfeier für uns, den Mittelkurs und unsere Lehrlogopäden vorzubereiten, eine Aufgabe, die traditionell dem Unterkurs zufällt. Bei gemütlichem Beisammensein mit Tee und Plätzchen sollten wir auch noch ein kleines Rahmenprogramm zusammenstellen. In Sprecherziehung begannen wir daher, eigene Texte zum Thema „Weihnachten“ zu schreiben und diese im Fach Stimmbildung zu vertonen. Wir staunten selbst nicht schlecht, welch unterschiedliche, lustige und originelle Werke dabei zustande kamen. Auch der Mittelkurs steuerte einige sehr gelungene Programmpunkte zur Feier bei und nach zwei vergnüglichen Stunden starteten wir erschöpft, aber fröhlich in die Weihnachtsferien, die uns zweieinhalb Wochen Freizeit versprachen.

Dennoch war im Januar die Wiedersehensfreude groß, unsere Akkus wieder geladen und unser Schrank mit 5-Minuten-Terrinen, Tee und Schokolade aufgefüllt. Und obwohl uns die Ausbildung viel abverlangt, unsere Köpfe manchmal rauchen und wir die ein oder andere Auseinandersetzung auch untereinander durchstehen müssen, fühlen wir uns gut aufgehoben und uns mit unserem gemeinsamen Ziel auf dem richtigen Weg.

 (Sabine Tiefensee, Kurs 2007-2010)