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Lehranstalt für Logopäden
 

Erfahrungsbericht 2. Semester von Johanna Ringe

(2008-05) Frisch erholt sahen wir uns am ersten Tag nach den Weihnachtsferien bei einem gemeinsamen Frühstück mit Frau Culp wieder. Weihnachts- und Silvestererlebnisse, aber auch Erwartungen und Befürchtungen bezüglich der bevorstehenden ersten eigenen Therapien wurden ausgetauscht. Nach einer weiteren Fachwoche, in der wir uns intensiv mit Therapiekonzepten befassten, haben wir nämlich unseren ersten Patienten im Bereich Kindersprache bekommen. Die Partner unter den Studierenden, die zu zweit als TherapeutIn und CotherapeutIn ein Kind behandeln sollten, standen schon längst fest, jetzt stieg also die Spannung: wie würde der kleine Patient bzw. die kleine Patientin sein?

Nachdem jedem Therapeutenpaar ein Kind zugeteilt wurde und wir den ersten Kontakt aufgenommen hatten, saßen wir aufgeregt in der ersten Therapiestunde. Nachdem diese erfolgreich gemeistert war, merkten wir, dass soviel Nervosität gar nicht notwendig ist und es wurde zur Normalität uns zweimal in der Woche mit unserem Therapiekind zu treffen und nebenbei Behandlungsentwürfe, Protokolle und Berichte zu schreiben, Therapiematerialien zusammenzusuchen oder selbst zu basteln. Auch wenn die Vor- und Nachbereitungen zeitweise recht schlauchend waren, nahmen wir sie gern in Kauf, da wir mit Freude sehen konnten, dass sich die Arbeit gelohnt hat und wir viel gelernt haben.

Im Verlauf des Semesters bekamen wir am Rande die Auswahlrunden für den zukünftigen Unterkurs mit und schließlich stand der nächste Eignungstest vor der Tür. Wir versuchten den Bewerbern die angespannte Atmosphäre mit Tee, Plätzchen und aufbauenden Worten zu erleichtern. Nebenbei waren wir natürlich gespannt, wen wir im September wiedersehen würden und wer eventuell unser Patenkind sein würde.

Im Dezember hatten wir während eines Info-Tages an der Katholischen Fachhochschule bereits einen kleinen Einblick in den Aufbau und Ablauf des Studiengangs gewonnen. Diejenigen, die sich für das Studium der Logopädie entschieden hatten, sammelten die notwendigen Unterlagen zusammen, schickten sie zur Immatrikulation ab und warteten auf den Bescheid aus der Hochschule. Nachdem für alle, die sich beworben hatten, ein Platz gesichert war, gingen wir gemeinsam in die KFH, um fünf Kandidatinnen zu hören, die sich für die ausgeschriebene Professur für Logopädie beworben hatten. So hatten wir bereits ein ungefähres Bild davon, was uns innerhalb des Studiums erwarten würde. Bis wir erfahren würden, wer uns dort zukünftig begleiten wird, mussten wir leider noch bis ins kommende Semester warten. Inzwischen hatten wir die ersten zwei Modulwochen erlebt und sind zunächst auf Studenten der Physiotherapie und schließlich auch auf die der Pflege getroffen. Wir beschäftigten uns mit den Handlungsfeldern von Logopäden und Physiotherapeuten, Gesundheitsmodellen, Qualitätsmanagement, der ICF, Wirtschaftswissenschaften und Ethik. Am Ende des zweiten Moduls erwartete uns eine abschließende Prüfung, die wir nach fleißigem Lernen und Wiederholen in Gruppen meisterten.

Bevor wir in die wohlverdienten Ferien entlassen wurden, legten wir neben mündlichen und schriftlichen Prüfungen eine praktische Therapieprüfung ab, die beinhaltete, dass wir während einer Therapiestunde beurteilt wurden. Außerdem bekamen wir in einer Fachwoche bei Frau Bröckel einen Einblick in die Stottertherapie mit Kindern. Als krönender Abschluss des zweiten Semesters wartete der alljährlich – dieses Mal in Aachen – stattfindende dbl-Kongress auf uns. Wir arbeiteten jeweils für einen Tag als „Kongressengel“ (z.B. Einlasskontrolle) und hatten im Gegenzug an allen Tagen freien Eintritt auf dem Kongress. So hatten wir die Möglichkeit, neue Erkenntnisse, wichtige Themen oder auch sogenannte Koryphäen der Logopädie zu hören und uns an verschiedensten Ständen über Therapiematerialien, Vereine und Literatur zu informieren.

Nach viel neuem Wissen und einer überwältigenden dbl-Party am Ende des Kongresses konnten endlich die Ferien beginnen! Doch Ferienbeginn hieß nicht gleich Urlaub, Freizeit oder etwa Langeweile, sondern Praktikum: Eine Woche lang schnupperten wir zunächst in der Klinik für Kommunikationsstörungen der Uniklinik und schauten natürlich Logopäden über die Schulter, aber bekamen ebenfalls einen Eindruck von der Arbeit von  Audiologie, Psychologie und Wahrnehmungstherapie. Anschließend folgten sieben bzw. fünf Wochen Praktikum (für die Studenten der KFH, die die zwei Modulwochen hatten) in externen logopädischen Praxen oder therapeutischen Einrichtungen. Jeder machte seine ganz eigenen Erfahrungen in Hospitationen und der Leitung eigener Therapieeinheiten. Insgesamt kann man aber sagen, dass wir alle neue Anreize für die Therapiegestaltung erhielten und uns in der Praxis erproben konnten.