Visual Universitätsmedizin Mainz

Erfahrungsbericht 2. Semester von Serafina De Leonardis und Theresa Heimov (2016) und Johanna Ringe (2008)

(2016-07) Nach einer gelungenen Weihnachtsfeier zum Abschluss des 1. Semesters hieß es für uns: Endlich Ferien! Das erste Semester  und all die Prüfungen waren geschafft und wir freuten uns auf eine besinnliche Weihnachtszeit und insgesamt zwei Wochen Erholung.

Nachdem wir also wieder Kraft tanken konnten und  gut ins Jahr 2016 rutschten, trafen wir uns wieder voller Elan in der Lehranstalt, um das zweite Semester in Angriff zu nehmen.

Die erste Herausforderung ließ nicht lange auf sich warten. Unsere allererste Therapie stand vor der Tür und hierfür mussten Therapiepaare gebildet werden. Zu diesem Thema hatten wir schon allerlei Geschichten gehört. Finde ich ein Therapiepartner? Will überhaupt jemand mit mir therapieren? Das waren einige Fragen, die wir uns stellten. Aber erstaunlicherweise fanden sich die Paare ziemlich schnell und unkompliziert. Ganz ohne Drama! Alle waren mit ihren Konstellationen glücklich und somit konnten wir uns auf die Therapie selbst konzentrieren.

Nachdem Frau Culp, unsere Dozentin in Kindersprache, uns unsere kleinen Patienten mitgeteilt hatte, stieg die Aufregung immer weiter. Behandlungsentwürfe mussten geschrieben und Akten gelesen werden. Meine Therapiepartnerin und ich versuchten uns gegenseitig Mut zuzusprechen und trafen uns am Abend vor unserer ersten Therapie ein letztes Mal, um nochmal unseren Behandlungsentwurf durchzusprechen. Und dann war es so weit. Wir trafen unsere Patientin zum ersten Mal und bereits nach einer Minute verflog  unsere Anspannung. Wir verstanden uns super mit ihr und wir freuten uns, dass wir eine so sympathische Patientin zugeteilt bekommen hatten. Nachdem das Feedback der Supervisorin dann auch noch positiv ausfiel, stieg unsere Motivation und Vorfreude auf zukünftige Therapien. Um den Moment festzuhalten, machten meine Therapiepartnerin und ich ein Foto mit meiner Polaroidkamera. Schließlich muss ein solcher Meilenstein auch gewürdigt werden!

Bereits nach wenigen Wochen fühlten wir uns schon so sicher, dass wir vor den Therapien kaum noch aufgeregt waren. Auch die Therapieprüfung am Ende des Semesters meisterten alle mit Bravur.

Im Verlauf des Semesters stand der nächste Eignungstest vor der Tür. Wir versuchten den Bewerbern die Angst und Nervosität zu nehmen, indem wir sie mit Tee und Plätzchen versorgten. Und natürlich beantworteten wir auch alle ihre Fragen und sprachen ihnen fleißig Mut zu. Es schien uns unmöglich, dass wir vor nur einem Jahr, genau an deren Stelle waren. Daher konnten wir die Anspannung der Bewerber noch gut nachvollziehen.

Eine weitere Besonderheit im zweiten Semester war der Info-Tag an der Katholischen Hochschule. Da ich bereits einen Bachelor in Erziehungswissenschaften habe, war ich sehr unsicher, ob ich einen weiteren Bachelorabschluss benötige. Nachdem der Studienablauf und verschiedene Studierende ihre Erfahrungen mit uns teilten, entschied ich mich dazu, mein Glück an der KH zu wagen. Besonders die Wahlpflichtmodule Pädagogik, Management oder Klinische Expertise, am Ende des Grundstudiums überzeugten mich, mich an der KH zu bewerben. Ich konnte mir sogar zwei Module meines alten Studiengangs anrechnen lassen.

Das Semester endete mit Blockwochen an der KH und mit unserem Praktikum im Bereich Kindersprache.

Die Blockwochen an der KH waren ziemlich vollgepackt. Am Ende des Tages konnte ich nur noch ins Bett fallen, um den Input zu verarbeiten. Ich zweifelte oft, ob es die richtige Entscheidung war, mich an der KH zu bewerben. Schließlich hatte ich mir den Stress, den ein Studium so mit sich bringt, bereits erfolgreich hinter mich gebracht. Aber meine Neugier und auch die kleine Sorge, etwas zu verpassen, dass später im Arbeitsalltag relevant sein könnte, räumten alle Zweifel weg.

Das Praktikum ermöglichte es uns, neue Ideen und Anregungen für die eigene Arbeitsweise kennenzulernen. Ich war erstaunt wie kreativ sich Therapieinhalte in Spiele einbauen lassen und wie souverän die erfahrenen Logopäden auf die Kinder eingehen konnten. Falls eine Spielidee nicht klappte, wurde die Therapie einfach spontan umgestaltet. Das Praktikum machte mir nochmal klar, wie wichtig es ist, sich mit anderen Logopäden auszutauschen und dadurch Erfahrungen zu sammeln. (Serafina De Leonardis)

 

(2016-12) Direkt nach Silvester ging das neue Semester los mit einer Fachwoche Kindersprache bei Frau Culp und Frau Röhrenbeck. Nach dem ersten Semester mit reiner Theorie wurden wir nun auf unsere ersten bevorstehenden Therapien im Bereich Kindersprache vorbereitet. Wie sieht eine konkrete Therapieplanung aus? Was muss dabei beachtet werden? Wie würde es sein, den ersten Patienten zu therapieren? Erwartungen und Befürchtungen wurden angesprochen. Letztendlich überwog dann doch die Vorfreude und das Semester konnte mit der ersten Therapie starten. 

Die Therapeutenpaare, die abwechselnd einmal therapieren und cotherapieren, bekamen dann endlich ihr Patientenkind zugeteilt und konnten ihre ersten Erfahrungen sammeln. Die anfängliche Nervosität wich nach dem ersten Kennenlernen des Kindes und mit der Zeit wurden die zweimal wöchentlich stattfindenden Therapien  zunehmend zur Routine. Neben der Therapieplanung galt es aber auch, organisatorische Angelegenheiten zu bearbeiten. So wurden neben Behandlungsentwürfen auch Protokolle sowie Berichte geschrieben. Therapiematerialien wurden herausgesucht oder eigens gebastelt. Auch wenn dies zu Beginn mit viel Arbeit verbunden war, konnte man schon bald sehen, dass sich diese Arbeit gelohnt hatte und erste Fortschritte bei den Patienten zu verzeichnen waren. Und was gibt es Erfüllenderes als diese positiven Entwicklungen?

Im Februar stand dann schon der nächste Eignungstest für den kommenden Unterkurs fest. Da wir selbst noch aus eigener Erfahrung wussten, wie nervenaufreibend und anstrengend dieser Eignungstest ist, versuchten wir, den Bewerbern mit aufbauenden Worten, Kaffee, Tee und Plätzchen deren Aufregung zu mildern. Gleichzeitig lernten wir sie kennen und waren schon gespannt, wen wir im Herbst als neuen Unterkurs begrüßen durften bzw. wer dann unser Patenkind sein würde.

Bereits im Dezember gab es einen Info-Tag an der Katholischen Hochschule, in der wir über den Aufbau des Studiengangs informiert wurden. So gab es Handlungsfelder wie Qualitätsmanagement, die ICF, Wirtschaftswissenschaften und Ethik.  Nun war es für diejenigen, die das Studium aufnehmen wollten, an der Zeit, alle notwendigen Unterlagen an die KH zu schicken und dann auf den Bescheid der Hochschule zu warten. 

Anfang April bekamen wir die Gelegenheit, beim Mainzer Inklusionstag auszuhelfen und so Einblicke in die verschiedenen Möglichkeiten zu erhalten, was alles für Menschen mit Behinderung getan werden kann. Die Initiative ging von Herrn Pattensen vom Fach Pädagogik/Soziologie aus. So gab es diverse Projekte und Veranstaltungen für eine Inklusion in die Gesellschaft. Das Interesse war groß, Erwachsenen wie Kindern wurde eine Bandbreite an Informationen, aber auch Unterhaltung, angeboten. Höhepunkte waren zum Beispiel von den Betroffenen dargestellte künstlerischer Tänze, aber auch der Besuch des bekannten Musikers Guildo Horn, der als studierter Sozialpädagoge bereits seit Jahren mit Menschen mit geistiger Behinderung zusammenarbeitet. 

Bevor wir dann in unser mehrwöchiges Kindersprache-Praktikum entlassen wurden, gab es noch einmal eine Redeflussstörung-Fachwoche bei Frau Röhrenbeck. Nach allen bestandenen Prüfungen konnten wir uns dann auf das Praktikum, das sieben bzw. fünf Wochen dauerte (für die Studenten der KFH, die die zwei Modulwochen hatten), und viele spannende Erfahrungen freuen. Das Praktikum wurde in externen logopädischen Praxen oder anderen therapeutischen Einrichtungen gemacht; auf diese Weise machte jeder von uns seine eigene individuelle Erfahrung und bekam ein breites Spektrum an Therapien zu sehen. Daneben konnten wir in einem einwöchigen Klinikpraktikum einen Einblick in die dortige Arbeit  und die Zusammenarbeit von Audiologen, Logopäden, Ergotherapeuten und Psychologen bekommen.
Insgesamt erhielten wir im zweiten Semester unsere erste fundierte Therapieerfahrung und konnten im Praktikum unser bereits erlerntes Wissen festigen.  (Theresa Haimov)

 

(2008-05) Frisch erholt sahen wir uns am ersten Tag nach den Weihnachtsferien bei einem gemeinsamen Frühstück mit Frau Culp wieder. Weihnachts- und Silvestererlebnisse, aber auch Erwartungen und Befürchtungen bezüglich der bevorstehenden ersten eigenen Therapien wurden ausgetauscht. Nach einer weiteren Fachwoche, in der wir uns intensiv mit Therapiekonzepten befassten, haben wir nämlich unseren ersten Patienten im Bereich Kindersprache bekommen. Die Partner unter den Studierenden, die zu zweit als TherapeutIn und CotherapeutIn ein Kind behandeln sollten, standen schon längst fest, jetzt stieg also die Spannung: wie würde der kleine Patient bzw. die kleine Patientin sein?

Nachdem jedem Therapeutenpaar ein Kind zugeteilt wurde und wir den ersten Kontakt aufgenommen hatten, saßen wir aufgeregt in der ersten Therapiestunde. Nachdem diese erfolgreich gemeistert war, merkten wir, dass soviel Nervosität gar nicht notwendig ist und es wurde zur Normalität uns zweimal in der Woche mit unserem Therapiekind zu treffen und nebenbei Behandlungsentwürfe, Protokolle und Berichte zu schreiben, Therapiematerialien zusammenzusuchen oder selbst zu basteln. Auch wenn die Vor- und Nachbereitungen zeitweise recht schlauchend waren, nahmen wir sie gern in Kauf, da wir mit Freude sehen konnten, dass sich die Arbeit gelohnt hat und wir viel gelernt haben.

Im Verlauf des Semesters bekamen wir am Rande die Auswahlrunden für den zukünftigen Unterkurs mit und schließlich stand der nächste Eignungstest vor der Tür. Wir versuchten den Bewerbern die angespannte Atmosphäre mit Tee, Plätzchen und aufbauenden Worten zu erleichtern. Nebenbei waren wir natürlich gespannt, wen wir im September wiedersehen würden und wer eventuell unser Patenkind sein würde.

Im Dezember hatten wir während eines Info-Tages an der Katholischen Fachhochschule bereits einen kleinen Einblick in den Aufbau und Ablauf des Studiengangs gewonnen. Diejenigen, die sich für das Studium der Logopädie entschieden hatten, sammelten die notwendigen Unterlagen zusammen, schickten sie zur Immatrikulation ab und warteten auf den Bescheid aus der Hochschule. Nachdem für alle, die sich beworben hatten, ein Platz gesichert war, gingen wir gemeinsam in die KFH, um fünf Kandidatinnen zu hören, die sich für die ausgeschriebene Professur für Logopädie beworben hatten. So hatten wir bereits ein ungefähres Bild davon, was uns innerhalb des Studiums erwarten würde. Bis wir erfahren würden, wer uns dort zukünftig begleiten wird, mussten wir leider noch bis ins kommende Semester warten. Inzwischen hatten wir die ersten zwei Modulwochen erlebt und sind zunächst auf Studenten der Physiotherapie und schließlich auch auf die der Pflege getroffen. Wir beschäftigten uns mit den Handlungsfeldern von Logopäden und Physiotherapeuten, Gesundheitsmodellen, Qualitätsmanagement, der ICF, Wirtschaftswissenschaften und Ethik. Am Ende des zweiten Moduls erwartete uns eine abschließende Prüfung, die wir nach fleißigem Lernen und Wiederholen in Gruppen meisterten.

 

Bevor wir in die wohlverdienten Ferien entlassen wurden, legten wir neben mündlichen und schriftlichen Prüfungen eine praktische Therapieprüfung ab, die beinhaltete, dass wir während einer Therapiestunde beurteilt wurden. Außerdem bekamen wir in einer Fachwoche bei Frau Bröckel einen Einblick in die Stottertherapie mit Kindern. Als krönender Abschluss des zweiten Semesters wartete der alljährlich – dieses Mal in Aachen – stattfindende dbl-Kongress auf uns. Wir arbeiteten jeweils für einen Tag als „Kongressengel“ (z.B. Einlasskontrolle) und hatten im Gegenzug an allen Tagen freien Eintritt auf dem Kongress. So hatten wir die Möglichkeit, neue Erkenntnisse, wichtige Themen oder auch sogenannte Koryphäen der Logopädie zu hören und uns an verschiedensten Ständen über Therapiematerialien, Vereine und Literatur zu informieren.

 

Nach viel neuem Wissen und einer überwältigenden dbl-Party am Ende des Kongresses konnten endlich die Ferien beginnen! Doch Ferienbeginn hieß nicht gleich Urlaub, Freizeit oder etwa Langeweile, sondern Praktikum: Eine Woche lang schnupperten wir zunächst in der Klinik für Kommunikationsstörungen der Uniklinik und schauten natürlich Logopäden über die Schulter, aber bekamen ebenfalls einen Eindruck von der Arbeit von  Audiologie, Psychologie und Wahrnehmungstherapie. Anschließend folgten sieben bzw. fünf Wochen Praktikum (für die Studenten der KFH, die die zwei Modulwochen hatten) in externen logopädischen Praxen oder therapeutischen Einrichtungen. Jeder machte seine ganz eigenen Erfahrungen in Hospitationen und der Leitung eigener Therapieeinheiten. Insgesamt kann man aber sagen, dass wir alle neue Anreize für die Therapiegestaltung erhielten und uns in der Praxis erproben konnten. (Johanna Ringe)