Visual Universitätsmedizin Mainz

Erfahrungsbericht 5. Semester von Eva Hausen (2016) und Nicole Jehle (2009)

(2016-12) Nach den Sommerferien und einem 4-wöchigen Aphasiepraktikum fanden sich die vierzehn Auszubildenden des neuen Oberkurses zusammen und starteten voller Erwartungen in ihr vorletztes Semester. Schließlich befanden wir uns nun offiziell auf dem Endspurt. Doch bevor die Köpfe gleich dampften, wurde sich erst einmal beim traditionellen Begrüßungsfrühstück gestärkt. Anschließend begannen die zwei Fachwochen im Bereich Redeflussstörungen. Neben theoretischen Grundlagen, machten wir auch einige Selbsterfahrungen und bekamen Besuch von zwei stotternden Menschen, die von ihrem Umgang mit dem eigenen Stottern berichteten, den Reaktionen der Umwelt erzählten und ihre Sichtweise und Erfahrungen mit verschiedenen therapeutischen Konzepten anschaulich offenlegten.

In der dritten Woche des fünften Semesters starteten sowohl der reguläre Unterricht, als auch die Therapien. Zusätzlich zum Bereich Stimmstörungen, wurden nun auch die Störungsbilder Aphasie und Redefluss behandelt. Ich fand es spannend und bereichernd, sich in neuen Therapeutenkonstellationen über verschiedene Vorgehensweisen und im Praktikum Erlebtes austauschen zu können und gelegentlich auch Übungen jetzt bei den eigenen Patienten einzusetzen.

Nicht nur das Frühstück zum Semesterbeginn ist Tradition in Mainz, sondern auch der alljährlich stattfindende Wandertag. Die Organisation wird in die Hände des Oberkurses übergeben, welche einer strengen Geheimhaltung obliegt. Bis kurz vor der Abfahrt wussten demnach die anderen Kurse nicht, wohin es gehen wird. Dieses Schweigen fiel uns, als sprechbegeistertem Jahrgang, sehr schwer. Dennoch gelang es uns, dichtzuhalten und somit viele mit der Verkündung unseres diesjährigen Ausflugsziels zu überraschen. Bei strahlendem Sonnenschein zogen nun 50 Auszubildende und Lehrende ihre Schuhe und Socken aus und wanderten in Kleingruppen durch den Barfußpfad in Bad Sobernheim. Am Ende des Tages freuten wir uns erschöpft und umso mehr entspannt über einen wirklich tollen und matschigen Tag, an dem man sich fern des Lehranstaltsalltags und vor allem kursübergreifend unterhalten konnte.

Anfang November folgte dann gleich der zweite Ausflug. Dieses Mal allerdings im Rahmen des Redeflussunterrichts in unserem Kurs. Wir lernten das Bonner Stottertherapiezentrum an der LVR Klinik in Bonn kennen. Dort begrüßte uns Holger Prüß, der Gründer und leitende Therapeut der Einrichtung, der einen dreistündigen Vortrag für uns geplant hatte. Als er nach den ersten 30 Minuten jedoch bemerkte, dass wir uns offensichtlich alle vorgenommen hatten, ihn mit Fragen zu löchern, änderte er kurzum sein Konzept und wir fanden uns schließlich in einer Mini-Fortbildung wieder. Begeistert und gespeist mit vielen neuen Ideen für die eigene Stottertherapie an der Lehranstalt fuhren wir am frühen Abend zurück nach Mainz.

Der November sollte wohl der Monat der Redeflussstörungen werden. So kam es, dass wir mit sechs Leuten aus unserem Kurs am Ende des Monats auch noch eine kleine Reise  nach  Homburg im Saarland antraten. In der dortigen Jugendherberge fand ein Stotterseminar, das vom Bundesverband der Stottererselbsthilfegruppe veranstaltet wurde, statt. In diesem Seminar fanden sich sechs stotternde und sechs nicht stotternde Menschen zusammen, um das ABC-Modell von Werner Rauschan und Claus Welsch kennenzulernen und anzuwenden. Dieses Modell legt insbesondere einen Fokus auf die Konfrontation mit dem Stottern. Unter der Leitung der beiden Konzeptbegründer wurde unser aller Sprechen unter die Lupe genommen, teilweise per Kamera dokumentiert und an Passanten im Small Talk ausprobiert. An beiden Abenden saßen wir außerdem abends alle gemütlich zusammen, wodurch man tolle Personen kennenlernen und teils sehr persönliche Eindrücke aus dem Leben stotternder Menschen gewinnen konnte. So empfanden wir das Wochenende als eine wertvolle Bereicherung und auch hier waren wir uns sicher, tolle neue Anregungen für unsere eigenen Patienten bekommen zu haben.

Der darauffolgende Dezember stand ganz im Sinne unserer vorweihnachtlichen, ganz persönlichen „Examensfeierfinanzspritze“. Wir hatten uns dazu entschieden, Adventskränze und – tabletts auf Bestellung zu basteln. Man könnte vielleicht eher produzieren sagen, denn wir hatten nicht damit gerechnet, dass unsere Idee einen derartigen Anklang finden würde. So kam es, dass einige unserer Wohnungen als Weihnachtsfabriken zweckentfremdet wurden und wir  binnen drei Tagen 44 Adventskränze und 23 – tabletts banden und dekorierten. Wir erlebten dabei als Kurs bei dieser Aktion einen starken Zusammenhalt und große gegenseitige Unterstützung.

Mitte Dezember fand dann die vom Unterkurs organisierte feierliche und in diesem Jahr sehr musikalische Weihnachtsfeier statt. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir bei Plätzchen und Tee wieder einmal am Ende eines Semesters bewusst, wie schnell die Zeit vergehen kann und wie viel in nur dreieinhalb Monaten anschaulich gelehrt, fleißig gelernt und intensiv erlebt werden kann. Zufrieden verabschiedeten wir uns in unsere letzten Weihnachtsferien als Auszubildende an der Lehranstalt für Logopädie. (Eva Hausen)

„Er dacht einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder an den nächsten.“
(aus Momo von Michael Ende)

(2009-12) Puuuuhhhh, geschafft! Draußen hat es angefangen zu schneien, und ich freue mich schon so auf die Weihnachtstage. Noch ein Tag dann ist Weihnachten. Gerade habe ich mir einen Kaffee gemacht und lasse das letzte halbe Jahr gedanklich an mir vorüberziehen. Es war ganz schön viel los, wo fange ich an…?

Nach dem Praktikum in den Sommerferien mit dem Schwerpunkt neurologischer Sprach – und Sprechstörungen, trudelten wir alle im September in der Lehranstalt ein. Es gab so viel zu erzählen. Viele von uns hatten das Praktikum in einer Akutklinik bzw. Rehaklinik absolviert. Ich verbrachte mein Praktikum in der Neurologie der Universitätsmedizin Mainz. Dort gewann ich viele Einblicke in die Diagnostik und Therapie von Schluckstörungen und neurologisch bedingten Sprach- und Sprechstörungen wie Aphasie, Dysarthrie und Sprechapraxie. Ich fand es sehr spannend, nach dem ganzen theoretischen Input im vierten Semester nun die Störungsbilder und deren Behandlung in der Praxis zu erleben. Auch fand ich es sehr interessant, den logopädischen Alltag in einer Klinik zu erleben.

Das fünfte Semester startete mit zwei Fachwochen in dem Störungsbild Redeflussstörungen (Stottern/Poltern). Mit viel Praxisbezug verbrachten wir zwei sehr interessante Wochen.

Danach nahm das Semester mit Stundenplan und  Therapien seinen Lauf. Nun hatten wir drei Störungsbilder, also im Schnitt sechs Therapieeinheiten, in den Stundenplan unterzubringen. Das verlangte manchmal ganz schönes Zeit- Management- Talent.  Jetzt hieß es erstmal Berichte schreiben und sich in die Therapien der neuen Störungsbilder, Redeflussstörungen und neurologische Sprach – und Sprechstörungen, hineinfinden.

Parallel fingen bei mir und Judith, einer Kommilitonin, die näheren Pläne für die Zulassungsarbeit, die im sechsten Semester geschrieben wird, an. Judith und ich entschieden uns, eine Arbeit im Bereich „Demenz und Logopädie“ zu schreiben.

Im Oktober verbrachten wir wieder eine Woche mit dem Studium der Logopädie an der KFH. Diesmal stand das Modul unter dem Schwerpunkt Entwicklungspsychologie sowie Lern- und Handlungstheorien. In der Entwicklungspsychologie erhielten wir vormittags einen Überblick von der Entwicklung des Säuglings bis zu Entwicklungsaufgaben von sehr alten Menschen. Obwohl sich manche Inhalte mit denen in der Ausbildung im Fach Psychologie überschnitten, fand ich diese Vorlesung sehr ansprechend, weil ich somit ein besseres Verständnis für Themen entwickeln konnte. Die Veranstaltungen am Nachmittag, die wir zusammen mit den Auszubildenden der Physiotherapie besuchten, beschäftigten sich mit Lerntheorien und deren konkrete Anwendung in der Therapie. Ich fand es sehr gut, die Lerntheorien nicht nur theoretisch zu behandeln, sondern deren konkreten Bezug und Einsatz innerhalb der Therapien zu beleuchten. So erfolgte in dieser Woche auch  eine Patientenvorstellung unter Einbeziehung der Lerntheorien. Am Ende der Woche erhielten wir die Aufgabe, bis zur nächsten Modulwoche im November zu zweit eine Therapie unter Einbeziehung von Lerntheorien vorzubereiten, um diese dann im Seminar gegenseitig vorzustellen.

Aber erstmal ging es weiter in den Pulverturm. Nach der therapiefreien Woche durch die KFH, ging es wieder im gewohnten Rhythmus weiter. Ich konnte mich mit zunehmender Zeit immer besser in die Therapien der neuen Störungsbilder hineinfinden. Auch fand ich es sehr hilfreich, dass wir im Fach Redeflussstörungen und neurologischer Störungen jeweils eine Vorlesung „Falldarstellung“ hatten, in der wir uns gegenseitig die PatientInnen und das Therapievorgehen vorstellten.

Neben dem Fach Gehörlosenpädagogik hatten wir außerdem in diesem Semester zweimal ein Seminar bei Frau Dr. Sandrieser mit dem Schwerpunkt der logopädischen Therapie bei PatientInnen, die ein Cochlear- Implantat tragen. Frau Dr. Sandrieser gestaltete ihr Seminar sehr praxisbezogen und anschaulich. Ich glaube, ich kann mit gutem Gewissen sagen, es hat uns allen sehr gut gefallen.

Die Wochen bis zum nächsten KFH Block gingen sehr schnell vorbei, obwohl die Tage am Pulverturm manchmal einfach sehr lang waren …

Wir starteten den KFH Block im November mit einer Klausur im Fach Entwicklungspsychologie. Sehr erfreulich fand ich, dass wir uns selbst ein Thema aussuchen konnten, das wir in der Klausur bearbeiten wollten. Ich wählte Piaget und  seine kognitive Entwicklung. Da wir dieses Thema auch in der Ausbildung bearbeitet hatten, konnte ich auf diese Unterlagen zurückgreifen und hatte zugleich auch eine Wiederholung für das Examen, das gedanklich immer wieder bei mir anklopfte….

Das Seminar, in dem die Patientenvorstellung stattfand, wurde von Studenten der Logopädie und Physiotherapie gemeinsam gestaltet. Ich fand diese Veranstaltung sehr interessant, da ich auch Einblicke aus der Physiotherapie erhalten konnte und der direkte Praxisbezug mir immer wieder zeigte, dass sich die theoretische Anstrengung lohnt. Nachmittags hatten wir ein Seminar im Bereich der Entwicklungspsychologie. Hier stellten wir das jeweilige Thema vor, das wir zur Vorbereitung der Klausur bearbeitet hatten.

Nach dieser KFH-Woche hieß es, langsam an die Abschlussberichte der PatientInnen in der Logopädenschule zu denken und noch ausstehende Klausuren zu bewältigen. Im Bereich Neuropädiatrie und Psychologie hatten wir eine mündliche Prüfung und im Fach Redeflussstörungen eine schriftliche Prüfung. Und Herr Brauer gab uns einen ersten zeitlichen Überblick für das nächste Semester und das anstehende Examen.

In der letzten Woche vor den Ferien nahm ich zusammen mit Judith an einer Podiumsdiskussion, die im Rahmen des Tages der offenen Tür stattfand, an der KFH teil. Außer uns waren Auszubildende aus der Pflege und Physiotherapie vertreten. Wir beantworten abwechselnd Fragen zur Studiumsmotivation, zu Reaktionen in der Praxis in Bezug zu dem Studium, zur Verzahnung von Theorie und Praxis und zum Arbeitsaufwand, der zusätzlich zur Ausbildung entsteht. Die Diskussion verlief sehr rege, und wir alle hatten das Gefühl, den angehenden Studierenden wichtige Informationen geben zu können.

Und dann kam sie wieder die ultimative Weihnachtsfeier am letzten Schultag, die der Unterkurs mit viel Liebe gestaltete. Es gab leckere Waffeln, tolle Musikbeiträge und Sketcheinlagen sowie vorgetragene Texte vom Mittelkurs. Und wir, wir durften einfach nur dabei sein, essen und lauschen. Sehr schön!! Ich beende meinen Text mit einem Zitat von Momo und wünsche allen ein gutes nächstes Semester. (Nicole Jehle)

„Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat.“ 
(aus Momo von Michael Ende)