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Wissenswertes zur MRGN Klassifikation

Erklärungen zur MRGN-Klassifikation

Um "Multiresistenz" bei krankenhaushygienisch relevanten gramnegativen Stäbchenbakterien pragmatisch zu definieren, wurde 2012 in Deutschland eine neue Klassifikation eingeführt: Multi-Resistente Gram-Negative Bakterien werden in der MRGN-Klassifikation in Abhängigkeit ihrer Empfindlichkeit gegenüber 4 Antibiotikagruppen definiert. Die Kennzeichnung entsprechender Isolate wird der jeweiligen Bakterienspezies nachgestellt:  z.B. Pseudomonas aeruginosa 3MRGN

Die Originalpublikation, die auch die initiale MRGN Definition beinhaltet, wurde im Oktober 2012 von der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert-Koch-Institut (RKI) publiziert:

Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen (Pdf , 1,1 MB)

Das Dokument beinhaltet die initiale, einfache MRGN Definition:

  • in Abhängigkeit der Empfindlichkeit gegenüber 4 definierten Antibiotikagruppen

  • für bestimmte gramnegative Stäbchen-Bakterien, deren Resistenzausprägung krankenhaushygienische Relevanz besitzen

  • nicht alle (resistenten) gramnegativen Bakterien sind Gegenstand der MRGN Klassifikation:
    Nur die unten genannten Bakterien bzw. Bakteriengruppen sind adressiert.

Betroffen sind folgende Gruppen "gramnegativer Stäbchen":

Bei folgenden Vertretern sind zusätzliche krankenhaushygienische Schutzmaßnahmen ggf. für 3MRGN- und immer für 4MRGN-Varianten indiziert:

Escherichia coli und Klebsiella spp.

Pseudomonas aeruginosa

Acinetobacter baumannii Komplex

Bei folgenden Vertretern sind zusätzlicher krankenhaushygienische Schutzmaßnahmen lediglich für 4MRGN-Varianten indiziert:

- andere Enterobakterien ( z.B. Serratia spp., Proteus spp., Enterobacter spp. etc.)

 

Die 3MRGN- / 4MRGN Klassifikation bezieht sich auf das gemessene phänotypische Ansprechen gegenüber folgenden 4 Antibiotika(-gruppen):

1) Piperacillin-Tazobactam  [Tazobac®]

2) Drittgenerations-Cephalosporine
    - für Enterobakterien: Cefotaxim/Ceftriaxon
                                    
[z.B. Claforan®, Rocephin®]
    - für P. aeruginosa: Ceftazidim / Cefepim
                                  [z.B. Fortum®, Maxipime®]

4) Fluorchinolon: Ciprofloxacin [Ciprobay®]

3) Carbapeneme: Imipenem / Meropenem [z.B. Zienam®, Meronem®]

Grundsätzlich gilt: Ist ein Bakterium der in der obigen Tabelle aufgeführten Spezies gegenüber 3 der 4 Antibiotikagruppen "nicht mehr sensibel", also intermediär (I) bzw. resistent (R), so erhält das Bakterium den Zusatz: "3MRGN";  liegt hingegen ggn. allen 4 Antibiotikagruppen keine Sensibilität mehr vor, erhält das Bakterium den Zusatz: "4MRGN".
Die Bedingung "nicht mehr sensibel" ist erfüllt, wenn gegenüber einer der möglichen oben dargestellten Substanzen innerhalb einer Antibiotikaklasse die phänoytische Testung intermediär (I) bzw. resistent (R) ausfällt. Handelt es sich allerdings um Pseudomonas aeruginosa, ist die Bedingung "nicht mehr sensibel" ausnahmsweise erst dann erfüllt, wenn alle Substanzen innerhalb einer Antibiotikaklasse als intermediär (I) bzw. resistent (R) und somit als "nicht sensibel" getestet wurden. 

Tool zur konkreten MRGN Klassifikation (NRZ Bochum)

 

Zwischenzeitliche Modifikationen in der Resistenzinterpretation sind in einem Tool auf den Seiten des Nationalen Referenzentrums für gramnegative Krankenhauserreger in Bochum implementiert; dieses ermöglicht nach Eingabe von Bakterienspezies und konkretem Antibiogramm die korrekte Zuordnung innerhalb der MRGN Klassifikation.

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Bild zur MRGN Klassifikation

In der Publikation der KRINKO werden auch Empfehlungen dargestellt, die den Umgang mit MRGN in sog "Risikobereichen" außerhalb derselben in Akutkrankenhäusern beschreiben. (An der Universitätsmedizin Mainz wurden entsprechende Risikobereich definiert; diese sind über die Krankenhaushygiene zu erfragen.) Für die krankenhaushygienischen Maßnahmen ist es irrelevant, ob ein MRGN-Befund als Ausdruck einer Kolonisation oder einer Infektion zu verstehen ist.

  • Maßnahmen der Basishygiene sind ausnahmslos immer indiziert.

  • Jeder Befund eines "4MRGN" indiziert zusätzliche krankenhaushygienische Maßnahmen.

  • "3MRGN" ist nicht immer "3MRGN"
    Nur innerhalb der definierten Risikobereiche ist auf "3MRGN" mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen zu reagieren, wenn es sich um einen Vertreter der folgenden Bakterienspezies handelt:
    Escherichia coli, Klebsiella spp., Pseudomonas aeruginosa
    oder Acinetobacter baumannii-Komplex

Außerhalb der genannten Spezies ergeben sich auch in Risikobereich bei "3MRGN" keine zusätzlichen krankenhaushygienischen Maßnahmen. (z.B. Enterobacter cloacae-Komplex, Serratia marcescens, Proteus vulgaris etc.)

Während "4MRGN" immer gekennzeichnet werden, erfolgt auf unseren mikrobiologischen Befunden eine Kennzeichnung als "3MRGN" nur für die Keimnachweise, die den obigen Bakteriengruppen angehören.


Damit soll vermieden werden, dass nicht indizierte Maßnahmen aus einem entsprechenden "3MRGN" Befund abgeleitet werden.

Besonderheit innerhalb des ersten Lebensjahres:

Ausschließlich für diese Patientengruppe ist eine weitere Bezeichnung vorgesehen: "2MRGNNeoPäd", die analog zu obiger Darstellung verwendet wird, wenn bereits 2 der 4 Antibiotikagruppen nicht mehr sensibel sind. In dieser Altersgruppe ergibt sich die obige speziesbasierte Einschränkung zu "3MRGN" nicht (sofern das Bakterium grundsätzlich Bestandteil der MRGN Klassifikation ist).
Erforderliche  krankenhaushygienischen Maßnahmen sind den jeweiligen Hygieneplänen zu entnehmen.

 
Sollten Sie mit der Interpretation eines Befundes Schwierigkeiten haben, dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

 

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Befund-Beispiele

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