Visual Universitätsmedizin Mainz

Medikamentenevaluation Medizinische Task Force

Eschede
Foto: Wordpress - Eschede '98

Hintergrund:

Seit den Anschlägen auf das World Trade Center 2001, den Überschwemmungen in Deutschland und den Bombenattentaten von Madrid und London hat sich das Bewusstsein in Bevölkerung und Politik hinsichtlich des möglichen Auftretens von Katastrophen oder Ereignissen im Zivilschutzfall in Deutschland geändert. Gleichzeitig wurde mit einer Umstrukturierung des Bevölkerungsschutzes begonnen. In diesem Rahmen plant das Bundesministerium des Inneren gemeinsam mit den Ländern die Einführung sogenannter Medizinischer Task Forces (MTF). Dafür vorgesehene Fahrzeuge und Material befinden sich gegenwärtig im Beschaffungsprozess, Helfer und Führungskräfte werden ausgebildet.

Ziel eines gemeinsamen Forschungsvorhabens der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Mainz mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist es, Wirkstoffgruppen, deren geeignete Applikationsform sowie Vorhaltungsmengen im Rahmen des MTF-Konzeptes zu ermitteln, um eine ausreichende gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung in einer katastrophenmedizinischen Schadenslage sicherzustellen.

 

GW San MTF
Foto: BBK - GW SAN MTF

Definition MTF:

Die MTF (Medizinische Task Force) besteht aus mehreren Fahrzeugen, die ärztlich und sanitätsdienstlich besetzt sind. Dieser Verband bietet die Möglichkeit Verletzte zu dekontaminieren, einen Behandlungsplatz (BHP) zu errichten und zu betreiben sowie Patienten zu transportieren. MTFs ergänzen den bestehenden Katastrophenschutz in besonderen Gefahrenlagen (z.B. chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren) und sollen überregional  zur Unterstützung der Einsatzkräfte vor Ort eingesetzt werden. Da bei katastrophenmedizinischen Schadenslagen (KMS) mit einer beschädigten bzw. überlasteten Infrastruktur (Straßen, Krankenhäuser, etc.) zu rechnen ist, verzögert sich der Transport von Verletzten und Erkrankten in geeignete Versorgungseinrichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit. Es ist deshalb geplant, die MTFs so auszustatten, dass kumulativ 100 Patienten über 48 Stunden präklinisch (autark) versorgt werden können.

Nähere Informationen zur Medizinischen Task Force und zum Katastrophenschutz in Deutschland finden Sie unter: www.bbk.bund.de

 

VU BAB 61
Foto: M. Müller - VU BAB 61

Geplante Untersuchung:

Um die MTFs reibungslos überregional einsetzen zu können, müssen bundeseinheitliche Vorgaben für den gesamten Prozess des Medikamentenmanagements (Auswahl von Art und Menge vorzuhaltender Substanzen, Beschaffung, Lagerung, Auslieferung, Zugriff, Entsorgung und Neubeschaffung) erarbeitet werden. Die geplante Untersuchung soll, neben einer umfangreichen Literaturrecherche (Publikationen, Leitlinien und bereits bestehende Listen), dies evaluieren. Dazu plant unsere Arbeitsgruppe die Simulation relevanter Szenarien mit einer repräsentativen Gruppe von Ärzten.

Die geplanten Simulations-Szenarien umfassen zwei Versorgungskomplexe: Zum einen müssen Verletzungs- und Erkrankungsmuster, hervorgerufen durch das Schadensereignis (z.B. Verbrennungen durch eine Explosion) medizinisch versorgt werden, zum anderen die davon unabhängigen medizinischen Notfälle (z.B. Myokardinfarkt, Schlaganfall, Asthmaanfall etc.).

Die Simulation unterteilt sich in zwei Phasen. In der ersten Phase werden ausgewählte Fall-Szenarien im Rahmen eines Full-Scale-Simulator-Trainings nach den Therapievorstellungen der teilnehmenden Ärzte bearbeitet. In der zweiten Phase, die circa ein Jahr nach dem ersten Simulationstraining stattfinden wird, werden die gleichen Ärzte die identischen Szenarien wie in Phase I mit einer optimierten Medikamentenauswahl absolvieren.

Anhand der ermittelten Ergebnisse wird die Forschungsgruppe eine Empfehlung zu Art und Umfang der medikamentösen Bestückung der MTFs herausgeben.

 

Luftbild VU
Foto: P. Bargon - Anflug Chr77

Ausblick:

Wir suchen Ärztinnen und Ärzte der Fachrichtungen Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesiologie (mit und ohne Facharztbezeichnung), sowohl klinisch als auch niedergelassen tätig, für die Teilnahme an der geplanten Simulation. Die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin oder der Fachkundenachweis Rettungsdienst ist für die Teilnahme an der Simulation nicht notwendig. Da für die Studie eine repräsentative Verteilung der Fachrichtungen und der Bundesländer angestrebt wird, kann eine Auslosung der Bewerber stattfinden. Es ist geplant, die Simulationen an verschiedenen Orten in Deutschland (z.B. Hamburg, Dresden, Düsseldorf und Mainz) durchzuführen, um den Teilnehmern eine weite Anreise zu ersparen.

Sie haben Interesse am Katastrophenschutz und an kostenfreier spannender Full-Scale-Simulation? Sie möchten gerne im Rahmen eines interessanten Projektes CME-Fortbildungspunkte erhalten,  akutmedizinische Szenarien am  Simulator bearbeiten und „state-of-the -art“ -Informationen zu verschiedenen aktuellen Themen (u.a. Reanimation und Anaphylaxie) erhalten? Wenn Sie hierfür im Jahr 2013 sowie Anfang 2014 jeweils einen Tag  erübrigen können, freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme mit uns!

Wir beantworten sehr gerne Ihre Fragen.

 

Übung
Foto: Klinik für Anästhesiologie - LNA Übung Mainz

Simulationen

Simulationen sind heutzutage in vielen Bereichen des modernen Lebens nicht mehr weg zu denken. Auch in der Medizin – und hier insbesondere in der Anästhesie – gehört das realitätsnahe Trainieren von Alltags- und Routinesituationen, ebenso wie das richtige Reagieren in zeitkritischen Notfallsituationen mittlerweile zum Standard. Die Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Mainz verfügt zu diesem Zweck über ein modern ausgestattetes Simulationszentrum, an dem sowohl Studierende als auch Ärzte aller Ausbildungsstufen regelmäßig ihre klinischen Fähigkeiten und ihr Notfallmanagement ohne Patientengefährdung in angenehmer Atmosphäre verbessern können.

Kontakt AG MTF

 E-Mail

Telefon: 06131 17-6735
                     17-2051
Geb. 505, 2.OG
Zi 2.522
Langenbeckstr. 1
55131 Mainz

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