Visual Universitätsmedizin Mainz

Arbeitsgruppe Hirnmetastasen

Gruppenleiterin PD Dr. med. A. Gutenberg

PD A. Gutenberg

Hintergrund:

Die häufigsten malignen Hirntumoren im erwachsenen Alter sind nicht die primären hirneigenen (Gliome), sondern die Hirnmetastasen. Etwa 20–40% aller Patienten mit Malignomen entwickeln zerebrale Metastasen. Häufige Ausgangstumoren sind das Lungenkarzinom (40–50%), das Mammakarzinom (15–20%), das maligne Melanom (5–20%) sowie das Nierenzellkarzinom (5–10%). Manche Tumorentitäten, wenngleich selten, zeigen eine erhöhte Affinität zur Entwicklung einer Absiedlung im Gehirn, wie z.B. das Nierenzellkarzinom, manche sehr häufige Tumoren, wie zum Beispiel das kolorektale Karzinom, spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Epidemiologische Daten zu Hirnmetastasen resultieren überwiegend aus in den letzten 40 Jahren entstandenen bevölkerungsbasierten Registern aus den USA (http://seer.cancer.gov). Die jährliche Inzidenz von Hirnmetastasen ungeachtet des Primärtumors beträgt in den USA 8.3 – 11/100.000. Ein solches bevölkerungsbasiertes Hirnmetastasen-Register existiert bisher in der Bundesrepublik Deutschland nicht, obwohl ein solches Register zur Einschätzung von Therapieoptionen und Therapieperspektiven sehr wichtig wäre. Bei einer angenommenen Inzidenz von 10/100.000 Einwohner sind in Rheinland-Pfalz etwa 400 neudiagnostizierte Patienten mit Hirnmetastasen pro Jahr zu erwarten.


Hirnmetastasen sind bei Krebserkrankungen deshalb so gefürchtet, weil nur limitierte Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen und die Lebenserwartung und Lebensqualität der Patienten aufgrund progredienter neurologischer Ausfälle signifikant reduziert wird. Die verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten beinhalten neben alleiniger palliativer, antiödematöser Behandlung die Ganzhirnbestrahlung, Operation, stereotaktische Einzeitbestrahlung und in manchen Fällen auch die Chemotherapie, wobei die mittleren Überlebensraten auch durch maximale Therapie nur von 1 bis 2 Monaten auf etwa 5 bis 12 Monate verlängert werden können.

In einer aktuellen Studie konnte gezeigt werden, dass Hirnmetastasen sowohl bei Lungen- und Nierentumoren als auch bei Melanomen der signifikanteste, negativ prognostische Faktor für das Gesamtüberleben sind, bei Mamma- und gastrointestinalen Tumoren das Vorhandensein und auch die Anzahl der Hirnmetastasen keinen prognostischen Einfluss haben.
 
Umso mehr wird das Verständnis um die biologischen und genetischen Eigenschaften der zerebralen Metastasierung deutlich, da mit der Einführung von gezielter Antikörpertherapie bei  sowohl nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen (NSCLC) als auch dem kutanen Melanom im Jahr 2010 ein dramatischer Wendepunkt in der Behandlung fortgeschrittener Tumoren erreicht zu sein scheint.

Diese neuen Therapiestrategien richten sich gegen den Rezeptortyrosinkinase-Familie (z.B. epidermale Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR)) und dessen Aktivierung der intrazellulären Signaltransduktionswege (wie BRAF (V-raf murine sarcoma viral oncogene homolog B1)), um die Prognose der Patienten durch Hemmung des Zellwachstums (Proliferation), des Zellüberlebens (anti-Apoptose), der Gefäßneubildung (Angiogenese) und der Metastasierungstendenz zu verbessern. Der EGFR-Inhibitor Erlotinib wurde im August 2011, der BRAF-Inhibitor Vemurafenib im Februar 2012 in Europa zur Therapie von Patienten mit fortgeschrittenen NSCLC mit einer EGFR-Mutation bzw. Melanom mit einer BRAF-Mutation zugelassen. Der individualisierte Einsatz der gezielten Antikörpertherapie konnte sowohl das progressionsfreie als auch das Gesamtüberleben bei beiden Tumorentitäten signifikant verbessern. Die Zulassung von Dabrafenib, einem weiteren BRAF-Inhibitor wird für Mitte 2013 erwartet.

Die Erforschung der Hirnmetastasen auf epidemiologischer, klinischer und molekulargenetischer Basis ist die Voraussetzung zur Verbesserung des Überlebens vieler Patienten und könnte zukünftig den Stellenwert der Neurochirurgie in der Behandlung dieser Tumoren  erhöhen.

AG Hirmetastasen Emich

Das Team

Peter Emich
Peter Emich
Inzidenz Bronchialkarzinom
Dissertationsthema: „Die Inzidenz und Behandlung von Hirnmetastasen beim Bronchialkarzinom.“
Sebastian List
Sebastian List
Inzidenz von operierten Hirnmetastasen
Dissertationsthema: „Die Inzidenz und Outcome von operierten Hirnmetastasen in Rheinland-Pfalz 2002 – 2011.“
Franciska Richards
Franciska Richards
Inzidenz beim Melanom
Dissertationsthema: „Die Inzidenz und Behandlung von Hirnmetastasen beim Melanom.“
Simon Scheuer
Simon Scheuer
Nierenzellkarzinom
Dissertationsthema: „Die Inzidenz und Behandlung von Hirnmetastasen beim Nierenzellkarzinom.“
Nadja Saric
Nadja Saric
Einfluss neuer adjuvanter Therapien
Dissertationsthema: „Einfluss neuer adjuvanter Therapien auf die Inzidenz von und das Überleben mit Hirnmetastasen beim Melanom“
Julian Schmeißer
Julian Schmeißer
Chirurgische und bildgebende Einflussgrößen
Dissertationsthema: „Chirurgische und bildgebende Einflussgrößen auf das funktionell-neurologisches Outcome bei operierten Hirnmetastasen.“
Andres Quandt
Andres Quandt
Einfluss neuer adjuvanter Therapien
Dissertationsthema: „Einfluss neuer adjuvanter Therapien auf die Inzidenz und Überleben von Hirnmetastasen beim Bronchialkarzinom“
Simone Beischl
Simone Beischl
Radiologische Charakteristika
Dissertationsthema: "Radiologische Charakteristika von Hirnmetastasen unterschiedlichen Ursprungs und Histologie."
Florian Utz
Florian Utz
Hinmetastasen u. kolorektales Karzinom
Dissertationsthema: „Die Inzidenz und Behandlung von Hirnmetastasen beim kolorektalen Karzinom.“

Ehemalige Doktoranden:

Dr. med. Gerrit Klipp
Dr. med. Gerrit Klipp
Chromosomale Veränderunge
Promotion 2013
Dissertationsthema: „Chromosomale Veränderungen in Hirnmetastasen vom Lungenkrebs.“
Dr. med. Martin David Nischwitz
Dr. med. Martin David Nischwitz
chromosomal clusters
Promotion 2010
Dissertationsthema: „Chromosomale Veränderungen von Hirnmetastasen klarzelliger Nierenzellkarzinome.“
Publikation: Gutenberg A, Nischwitz MD, ..., Füzesi L, Sander B: Predictive chromosomal clusters of early and late brain metastases in clear cell renal carcinoma (submitted 2013).
Dr. med. Jan Simon Gerdes
Dr. med. Jan Simon Gerdes
genomische Hybridisierung
Promotion 2009
Dissertationsthema: “Aufdeckung chromosomaler Aberrationen bei primären kolorektalen Karzinomen und deren Hirn- und Lungenmetastasen mit Hilfe der komparativen genomischen Hybridisierung (CGH).“
Publikation: Gutenberg A, Gerdes JS, Jung K, Sander B, Gunawan B, Bock HC, Liersch T, Brück W, Rohde V, Füzesi L: High chromosomal instability in brain metastases of colorectal carcinoma. Cancer Genetics Cytogenetics, 2010, 198: 47-51.

Kooperationen: 

Prof. Dr. rer. nat. Christel Herold-Mende, Abteilung Neurochirurgie, Universitätsklinikum Heidelberg

Prof. Dr. med. Gabriele Schackert, Neurochirurgische Klinik, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden

Prof. Dr. med. Stephan Grabbe und Frau Dr. med. Carmen Loquai, Universitäts-Hautklinik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Dr. Thomas Wehler, III. Medizinische Klinik, Universitätsmedizin Mainz

PD Dr. med. Frederik Roos, Urologische Klinik, Universitätsklinikum Mainz

 


Publikationen:

1. Gutenberg A, Gerdes JS, Jung K, Sander B, Gunawan B, Bock HC, Liersch T, Brück W, Rohde V, Füzesi L: High chromosomal instability in brain metastases of colorectal carcinoma. Cancer Genetics Cytogenetics, 2010, 198: 47-51.

2. Gutenberg A, Nischwitz MD, Gunawan B, Enders C, Jung K, Bergmann M, Feiden W, Egensperger R, Keyvani K, Stolke D, Sure  U, Schroeder HWS, Warzok R, Schober R, Meixensberger J, Paulus W, Wassmann H, Stummer W, Blümcke H, Buchfelder M, van Landeghem FKH, Vajkoczy P, Günther M, Giese A, Rohde V, Brück W, Füzesi L, Sander B: Predictive chromosomal clusters of early and late brain metastases in clear cell renal carcinoma (submitted).



Förderungen / Preise:

Frees-Stiftung (A. Gutenberg) 2013 – 2014
   

Individualisierte Therapie

Ehemalige und aktuelle Doktoranden anderer Arbeitsrichtungen der Arbeitsgruppe PD Dr. Gutenberg


Dr. med. Jörn Haupt
Dr. med. Jörn Haupt
maligne Progression anaplastischer Astrozytome
Promotion 2011
Thema: „Zytogenetische Grundlage der malignen Progression anaplastischer Astrozytome: Chromosomale Aberrationen von Primärtumoren, Rezidiven und ihr Einfluss auf das Überleben.“
Dr. med. Franziska Petry
Dr. med. Franziska Petry
Risikofaktoren
Promotion 2012
Thema: „Risikofaktoren postoperativer Infektionen nach neurochirurgischen Eingriffen und die Rolle der perioperativen Antibiotikaprophylaxe.“
Tobias Bürger
Tobias Bürger
zytogenetische Veränderung
Eingereicht
Thema: „Zytogenetische Veränderung in der malignen Progression von Astrozytomen WHO II-IV.“
Dr. med. Florian Böhrnsen
Dr. med. Florian Böhrnsen
Charakterisierung von Tumoren der Pinealisregion
Eingereicht zum Dr. dent.
Thema: „Klinische und molekularzytogenetische Charakterisierung von Tumoren der Pinealisregion.“
Sebastian Haus
Sebastian Haus
Anisokorie im Schockraum
Thema: „Anisokorie im Schockraum: Prognosefaktoren für das klinische Outcome.“