Visual Universitätsmedizin Mainz

AG Klinische Forschung in der Neuroonkologie


Teilnehmende Mitarbeiter:
M. Renovanz, Ch. Richter

Projektleitung: Dr. med. M. Renovanz

In Kooperation mit:

Interdisziplinären Einrichtung für Palliativmedizin der Universitätsmedizin Mainz (Prof. Dr. med. M. Weber)

Psychosomatischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz
(Prof. Dr. med. M. Beutel)

Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik der Universitätsmedizin Mainz
(Dipl. Psych. Dr. rer. soc. A. Scheurich, Psychologe)

Sektion Psychoonkologie der Universitätsmedizin Mainz
(Dr. med. A. Werner)

Tumorzentrum Rheinland-Pfalz (Dr. med. A. Werner)

Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik
(Prof. Dr. rer. nat. M. Blettner)

Neurochirurgische Klinik Klinikum Stuttgart
(Prof. Dr. med. O. Ganslandt)

Universitätsklinikum Ulm/Günzburg, Klinik für Neurochirurgie
(Prof. Dr. med. C. Wirtz)

Klinikum Ludwigsburg, Kliniken für Neurochirurgie und Neurologie
(Prof. Dr. med. O. Sakowitz, Prof. Dr. med . M. Schabet)


Deutsche Hirntumorhilfe e. V. (www.hirntumorhilfe.de)


Hintergrund

Neuroonkologische Erkrankungen sind mit psychosozialer Belastung verbunden. Neben adäquaten Anpassungsreaktionen finden sich psychiatrische Störungen wie Angststörungen, Depressionen, und speziell bei Hirntumorpatienten das hirnorganische Psychosyndrom. Häufig erhalten neuroonkologische Patienten jedoch nicht die soziale und psychoonkologische Unterstützung, die sie benötigen. Zum einen werden Probleme nicht rechtzeitig erkannt zum anderen verleugnen die Patienten das seelische Befinden zum Beispiel aus Scham oder weil zu wenig Zeit in der täglichen Klinikroutine für längere Gespräche zu sein scheint. Ein weiteres Problem ist, dass die ärztliche Einschätzung häufig von der Selbsteinschätzung des Patienten abweicht. Neben psychoonkologischen Aspekten haben Hirntumorpatienten Bedarf an Unterstützung bei neuropsychologischen Belangen, z.B. Rehabilitation zur Förderung kognitiver Funktionen.

Verschiedene Teilaspekte bilden supportive Maßnahmen und sind unabdingbar um eine Therapie wahrnehmen zu können oder mit einer Hirntumorerkrankung zu leben. Deshalb führen wir Projekte durch, um den Bedarf an Unterstützung in der jeweiligen Situation zu erforschen und ein Versorgungsnetzwerk zu entwickeln.

Abb.1 Stationen, die Patienten mit Hirntumoren während Erkrankung und Therapie erleben.
Abb.1 Stationen, die Patienten mit Hirntumoren während Erkrankung und Therapie erleben.

Projekte


1.
Untersuchung von subjektiver Einschätzung der seelischen Verfassung bei Hirntumorpatienten nach Diagnosestellung und Screening psychoonkologisch betreuungsbedürftiger Patienten.

 

Hintergrund: Es konnte gezeigt werden, dass die psychoonkologische Betreuung und psychosoziale Unterstützung von Patienten sehr wichtig ist, so dass spezielle Screening-Instrumenten entwickelt wurden, die in der täglichen Routine mit hoher Sicherheit behandlungsbedürftige Patienten identifizieren. Die Arbeitsgemeinschaft Psychoonkologie der Deutschen Krebsgesellschaft empfiehlt zum psychoonkologischen Screening mehrere psychometrische geprüfte Screening-Instrumente unter anderem das Distress Thermometer (DT, Goebel et al. 2011) und das Hornheider Screening-Instrument (HSI, Strittmatter et al. 2000). Diese sind bisher jedoch nicht für Hirntumorpatienten in regelhafter Anwendung und werden im Rahmen unserer Studie verwendet. Eine Auswertung des HSI und DT postoperativ an einer eigenen Patientengruppe von 134 Patienten im Jahre 2011 und 2012 mit neu diagnostizierten Hirntumoren hat gezeigt, dass postoperativ 20 % der Patienten psychoonkologisch behandlungsbedürftig sind, so dass ein deutlicher Bedarf zu existieren scheint, allerdings müssen Methode und Praktikabilität in der klinischen Routine noch prospektiv untersucht werden. In Rahmen unserer Arbeiten konnte dargestellt werden, dass die Instrumente im Klinikalltag einsetzbar sind, aber weiterentwickelt werden sollten.

Aktueller Stand: Die Studie wurde 2012 - 2014 in der Neurochirurgischen Klinik der Unimedizin Mainz und im Klinikum Stuttgart (Prof. Dr. O. Ganslandt) durchgeführt. Bisher sind über 140 Patienten eingeschlossen worden, die Rekrutierung ist beendet, derzeit erfolgt die Datenanalyse.


Doktorandin: Isabell Neppel

2. Erhaltung der Lebensqualität, Aktivität und seelischen Stabilität im Verlauf einer Gliom Erkrankung bei Patienten und Angehörigen – eine prospektive Studie in Mainz, Ulm/Günzburg, Stuttgart (ERASMUS II)

Hintergrund: Bei Hirntumorpatienten wird empfohlen, den Bedarf an „supportive care“ (also unterstützende Maßnahmen einer Therapie) zu erfassen und Angebote bereitzustellen. Hierzu zählen z.B. neurokognitive Rehabilitation, psychoonkologische, soziale sowie palliativmedizinische Unterstützung. Da die Prognose bei Patienten mit malignem Gliom ungünstig ist, sind die Patienten durch die Diagnose per se bereits stark belastet. In den letzten Jahren wurden psychosoziale Belange von Patienten mit malignem Gliom und auch deren Angehörige wissenschaftlich immer häufiger untersucht, die aktuelle Datenlage jedoch ist auf Grund von kleinen Fallzahlen und selektierter Betrachtung bestimmter Kohorten limitiert. Die meisten Studien sind rein deskriptiv ohne Analysen oder Integration wichtiger Elemente der „supportive care“ in den klinischen ambulanten Ablauf oder Untersuchungen zur Kontrolle des Erfolges etwaiger Maßnahmen. Weiterhin scheint die Kommunikation in der Versorgung zwischen Neuroonkologen, Palliativmedizinern und Psychoonkologen noch deutlich Verbesserung zu bedürfen.


Aktueller Stand: Die Vorgänger-Studie (ERASMUS I) mit 175 rekrutierten Patienten in den drei beteiligten Zentren im Jahr 2014 zeigte, dass 20% der Patienten im ambulanten Ablauf eine psychosoziale Unterstützung wünschen, es konnte eine psychoonkologische Anbindung und palliativmedizinische Unterstützung stattfinden. Aufgrund des Erfolges der Studie und der großen Bedeutung des Themas wurde eine Langzeitstudie (ERASMUS II) mit einer Beobachtungsphase von 2 Jahren initiiert. Diese rekrutiert in Mainz seit Oktober 2015. Zusätzlich werden hier auch neuropsychologische Aspekte prä- und postoperativ untersucht.

 

Doktorandinnen:

Dr. med. Ann Katrin Reuter

Thema: Implementierung der Untersuchung psychosozialer Aspekte bei Gliompatienten in den ambulanten Ablauf in der Neuroonkologie
(Arbeit abgeschlossen)

Karoline Kohlmann

Karoline Kohlmann

Thema: Anwendung des SCNS-SF34-G bei Gliompatienten in einer prospektiven Untersuchung

Mareile Janko

Thema: Vergleich psychosozialer Aspekte bei der Behandlung von Gliompatienten in drei verschiedenen Zentren

Heike Lahr

Thema: Implementierung des Fragebogens GF-BP in der neuroonkologischen Sprechstunde

Doro Maurer

Thema: Psychosoziale Befragung von Angehörigen von Gliompatienten

Linda Messing

Thema: Untersuchung der Korrelation zwischen psychosozialen Aspekten und Lebenqualität und neurokognitiver Funktion bei Hirntumorpatienten prä- und postoperativ

Larissa Reitzug

Thema: Machbarkeit und Akzeptanz der klinischen Anwendung des Montreal Cognitive Assessment Tests bei Hirntumorpatienten im stationären Setting prä- und postoperativ in einer prospektiven Studie