Visual Universitätsmedizin Mainz

Weiterbildungscurriculum Neurochirurgie

Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie,
Universitätsmedizin Mainz


Der vorliegende Ausbildungsplan soll eine Orientierung für die/den Weiterzubildende/n sein. Die Abfolge der Weiterbildung in der Neurochirurgie Mainz erfolgt in der Praxis nicht starr nach einem Jahresstufenplan, sondern nach einem Qualifizierungsstufenplan. Die hierin dargestellten jährlichen Weiterbildungsinhalte sind Ziele, die zur kontinuierlichen Erlangung der Facharztreife erreicht werden müssen. Optional dargestellt sind fachliche Qualifikationen, die der/die Weiterzubildende in unserer Abteilung innerhalb der Facharztausbildung erreich kann.

Der Ausbildungsstufen können bei optimalen Voraussetzungen innerhalb der Mindestweiterbildungszeit von 72 Monaten erreicht werden.



A. Kontinuierliche Weiterbildungsinhalte

Tägliche Morgenkonferenz und OP-Besprechung: Dienstfälle, Notfallversorgung, Differentialdiagnose, Planung von Diagnostik und Behandlung, kritische Indikationsstellung, Operationsstrategien und Zugangsplanung, Fehleranalyse

Tägliche Röntgenkonferenz mit Neuroradiologie: systematische Vorstellung der aktuellen Bildgebung und klinischen Symptomatik neurochirurgischer Patienten, neuroradiologische Differentialdiagnostik

Tägliche Oberarztvisite mit Weiterbildungsassistenten: systematische Patientenvorstellung, Pharmakotherapie mit Schmerztherapie, allgemeine und neurologische Untersuchungstechniken und Befunddokumentation, psychosoziale Einschätzung, Angehörigengespräche, Laboruntersuchungen, Planung bzw. Durchführung von gebietsbezogener Diagnostik, interdisziplinären Konsilen etc.

Wöchentlich interdisziplinäre neuroonkologische Konferenz (INOF): Vorstellung und interdisziplinäre Diskussion und Behandlungsplanung aller neuroonkologischen Tumorfälle inkl. Strahlentherapie und Chemotherapie, erweiterte z.B. nuklearmedizinische Diagnostik, anhand vereinbarter Behandlungsalgorithmen (SOPs), Nachbeobachtung

Wöchentlich interdisziplinäre neurovaskuläre Konferenz: Vorstellung und interdisziplinäre Diskussion und Behandlungsplanung (Neurochirurgie, Neurologie, interventionelle Neuroradiologie) aller Gefäßerkrankungen anhand vereinbarter Behandlungsalgorithmen (SOPs), Nachbeobachtung

Wöchentlich systematische Assistentenfortbildung (Frühfortbildung) der Neurochirurgie: in Anwesenheit des Weiterbilders bzw. eines Vertreters werden verschiedene freie Themen neurochirurgischen Inhalts und verwandte Themen vorgestellt.

Einbindung der Weiterbildungsassistenten in die Studentische Lehre:
Mitarbeit bei der Vorbereitung und Durchführung von Blockpraktikum Neurochirurgie (9. Semester), Skills Lab Kurse, und neurochirurgischen Seminaren (8. Semester).

Monatliche "Morbidity und Mortality"-Konferenz als Bestandteil der internen Qualitätskontrolle

Jährliche Mitarbeitergespräche aller ärztlichen Mitarbeiter mit dem Klinikleiter (strukturiertes Gespräch anhand eines vereinbarten Bogens), bei in Weiterbildung befindlichen Ärztinnen und Ärzten werden dabei u.a. die Ausbildungsinhalte des vergangen Jahres besprochen, gegengezeichnet, sowie der Weiterbildungsplan und die Lerninhalte für das Folgejahr festgelegt.

Jährliche Freistellung (2-5 Tage) für überregionale Weiterbildungskongresse (der DGNC, DGN usw.)


B. Ausbildungsjahr bezogene Weiterbildungsinhalte

1. Jahr

Organisation des täglichen Stationsablaufes, Lernen von Prioritätensetzung in der täglichen Routine, Erkennen von Notfällen, Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen und Fachrichtungen

Verhalten im Operationssaal und bei Visiten, Patienten-orientierte Gesprächsführung mit Patienten und Angehörigen

Klinisch-neurologische Untersuchungstechniken, symptombezogene Untersuchung von Patienten mit neurochirurgischen Krankheiten

Indikation zur neuroradiologischen Bildgebung unter Berücksichtigung des Strahlenschutzes

Sterile Verbandstechniken

Die neurochirurgische Dokumentation

Untersuchungstechniken mit Punktionen und Katheterisierungen (insb. Liquorsystem) mit Lokalanästhesie/Regionalanästhesie

Allgemeine und spezielle Pharmakotherapie sowie Schmerztherapie

Infusions-/Transfusions-/Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung

Unter Anleitung und Übernahme des "Dienstfunkes" tagsüber in den ersten 3 Monaten der Ausbildung unter Aufsicht mit neurochirurgischer Notfallversorgung zur Erlangung von Bereitschaftsdienstfähigkeit im Laufe der ersten 6 Monate des 1. Ausbildungsjahres

Anwesenheitsdienste im Hausdienst (nach 3-6 Monaten in Jahr 1)

Rotation für 6 Monate auf unsere neurochirurgische Intensivstation: postoperative intensivmedizinische Nachsorge, einfache Beatmungstechniken und Entwöhnung von der Beatmung, Intubation, Anlage von zentralen Venenkathetern, invasive Blutdruckmessung, Hirndruckmonitoring, Hirndrucktherapie, Erkennung und Behandlung akuter Notfälle, Maßnahmen zur Stabilisierung von Vitalfunktionen und Reanimation, Sonographie und Doppler/Duplex der hirnversorgenden Gefäße. Indikationsstellung für frührehabilitative Therapiemaßnahmen (z.B. Logopädie, Ergotherapie). Betreuung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten Hirntoddiagnostik einschließlich Organisation von Organspende.

 

Neurochirurgische Eingriffe:

Kenntnisse der allgemeinen Aspekte der OP-Tätigkeit: Hygiene, Logistik, Zusammenarbeit mit Anästhesie und OP-Pflege, Formulierung postoperativer Anordnungen

OP-Kodierung nach DRG-Richtlinien

Nahttechniken: Muskel, Faszie, Subkutan, Kutan, Dura

Einfache Eingriffe: Anlage Lumbaldrainagen, Bohrlochtrepanationen, Anlage externer Ventrikeldrainagen, ICP-Sonden, Evakuation des chron. subduralen Hämatoms, offene Knochen- und kortikale Biopsien Faszien- und Bauchfettentnahme, Wundversorgung

Schmerztherapeutische Eingriffe an der  Wirbelsäule (Injektionen von Schmerzmitteln an die Gelenke der Wirbelsäule, lumbale Nervenwurzelblockaden)

 

2. Jahr
Neben stationärer Patientenversorgung nun auch Mitarbeit in Poliklinik: Rotation in Spezialsprechstunden und Mitarbeit unter Aufischt des zuständigen Fach- oder Oberarztes, Untersuchungstechniken inkl. Intraoperativer Neurophysiologie (EEG, EMG, evozierte Potentiale) unter fachärztlicher Anleitung, Erkennen und Stellen von Operationsindikationen, prästationäre Operationsvorbereitung
Anwesenheitsdienst im Haus und auf der neurochirurgischen Intensivstation

Neurochirurgische Eingriffe:
Operative Behandlung bei Schädel-Hirn-Trauma: erweiterte Bohrlochtrepanation, Trepanation bei epiduralem Hämatom, Hebung Impressionsfrakturen, dekompressive Hemikraniektomien unter Facharztanleitung
Einfache supratentorielle Trepanationen zur Vorbereitung intrakranieller Operationen
Dorsale Zugänge zur lumbalen Wirbelsäule
Nervenwurzeldekompression beim mediolateralen lumbalen Bandscheibenvorfall

3. Jahr
Anwesenheitsdienst im Haus und auf der neurochirurgischen Intensivstation
6-Monate Rotation in die Sektion für Pädiatrische Neurochirurgie
(Prof. Dr. W. Wagner)

Neurochirurgische Eingriffe:
Nervenwurzeldekompression bei lumbalen Bandscheibenvorfällen und Dekompressionen des Spinalkanals bei lumbaler Spinalkanalstenose
Versorgung SHT, akute subdurale Hämatome, dekompressive Hemikraniektomien
Sicherer Umgang mit Neuronavigationstechniken
Einfache/oberflächliche intrakranielle Tumore (Konvexitätsmeningeome, Metastasen)
Kortikale intrakranielle Blutungen ohne Nachweis einer Gefäßmalformation, Anlage von Lysekathetern
Shuntimplantation ventrikulo-peritoneal

4. Jahr
Spezialsprechstunden: regelmäßige Durchführung unter oberärztlicher Anleitung und Aufsicht, Anwendung der erlernten Methoden
Anwesenheitsdienst im Haus und auf der neurochirurgischen Intensivstation

Neurochirurgische Eingriffe:
Nervenwurzeldekompression/spinale Dekompression bei mehrsegmentalen lumbalen Bandscheibenvorfällen und ausgeprägter Stenose
Ventrale und dorsale Zugänge zur HWS
Versorgung von Liquorfisteln (frontal, temporal)
Supratentorielle oberflächliche Tumore (Konvexitäts-Meningeome, Metastasen, frontale Gliome)
Stereotaktisch geführte Biopsien
Größere intrakranielle Blutungen ohne Gefäßmalformation
Ventrikuloperitoneale Shuntanlage

5. Jahr
Spezialsprechstunden: regelmäßige eigenständige Durchführung mit Oberarzt im Hintergrund
Anwesenheitsdienst im Haus und auf der neurochirurgischen Intensivstation

Neurochirurgische Eingriffe:
Spinale Dekompression bei mehrsegmentaler Spinalkanalstenose (HWS, BWS, LWS)
Dekompressive Laminektomien bei tumorösen Prozessen der gesamten Wirbelsäule
Ventrale und dorsale Zugänge zur HWS, ventrale Diskektomie
Vorbereitung von elektiven dorsalen Instrumentationen der Wirbelsäule
Traumaversorgung mit Rückenmarks-Dekompression, Instrumentation der Wirbelsäule unter Anleitung
Akute subdurale Hämatome, dekompressive Hemikraniektomie, Versorgung von Liquorfisteln (frontal, temporal)
Supratentorielle oberflächliche Tumore (Gliome, Konvexitäts-Meningome, Metastasen)
Infratentorielle Kraniotomien
Operationen an peripheren Nerven: Karpaltunnelsyndrom und Ulnarisdekompression

Optional im 5. Jahr:
Schmerzeingriffe z.B. Vertebroplastie und Kyphoplastie, SCS-Elektroden
Roboterassistierte Spondylodesen



6. Jahr
Vertiefung eines neurochirurgischen Teilgebiets mit klinischem und wissenschaftlichem Ansatz
Spezialsprechstunden: regelmäßige eigenständige Durchführung mit Oberarzt im Hintergrund
Anwesenheitsdienst im Haus und auf der neurochirurgischen Intensivstation

Neurochirurgische Eingriffe:
Gezielte Vervollständigung des geforderten OP-Kataloges
Spinale Dekompressionen an HWS, BWS, LWS
Einfache uni- oder mehrsegmentale WS-Instrumentationen/Fusionen (HWS, BWS und LWS) (offen oder perkutan navigiert)
Supratentorielle Tumore (Gliome, Meningeome, Metastasen, Abszesse)
Unkomplizierte Schädelbasisprozesse
Operationen an peripheren Nerven: seltenere Kompressionssyndrome

Optional im 6. Jahr:
Schmerzeingriffe: z.B. Vertebroplastie, Kyphoplastie, neurovaskuläre Dekompression, perkutane Radiofrequenz Behandlung bei Trigeminus-Neuralgie
Spezielle kranielle und spinale minimalinvasive operative Zugänge (supraorbitaler Zugang, endoskopische Eingriffe (s.u.), Frykholm)
Endoskopischer, transsphenoidaler Zugang
Endoskopische Drittventrikulozisternostomie
Spinale intradurale/extramedulläre Tumore
Supratentorielle, eloquent gelegene Tumore (Meningeome, Metastasen)
Infratentorielle Tumore (Meningeome, Metastasen)

Ventrikuloatriale Shuntanlage
Mitarbeit bei Wach-Operationen
Mitarbeit bei funktionellen Eingriffen, Tiefe Hirnstimulation
Kindliche Fehlbildungen: Kraniosynostosen, Spina bifida


Optional (2.-5. Jahr)
Rotation für  6 Monate in ein (konservatives) assoziiertes Nachbarfach (z.B. Neurologie, Neuropathologie, Neuroradiologie)
3 – 6 Monate Forschungsfrei für ein selbstgeführtes wissenschaftliches Forschungsprojekt in der Klinik oder im Labor (unserem eigenen Labor für translationale Neuroonkologie oder im Ausland)




Überblick Ausbildungsplan

 

Jahr 1

Jahr 2

Jahr 3

Jahr 4

Jahr 5

Jahr 6

Eingriffe

Basics, WS 1

WS2, SHT1

Tu1, Liquor1, ICB1

PNS, ICB2, WS3, STX

Tu2, SHT2, Liquor2

Tu3, WS4

Rotation

Intensiv

Neuropysiolog. Monitoring

Päd. NC

Spezial- sprechstunde, FF

Spezial- sprechstunde

Spezial- sprechstunde

optional

SHT1

Tu1

PNS

Tu2

WS4, Opt

Opt

Basics = Nahttechniken, Neuronavigation, LD, Bohrlochtrepanationen, EVD, ICP, cSDH, kortikale Biopsien

FF = Forschungsfrei

ICB1 = Lysekatheter, frontale ICB ohne vaskuläre Ursachen

ICB2 = eloquente ICB ohne vaskuläre Ursachen

Liquor1 = VPS

Liquor2 = Shuntrevisionen, VAS, LPS

Opt = Vertebroplastie, Kyphoplastie, neurovaskuläre Dekompression, perkutane Radiofrequenz Behandlung bei Trigeminus-Neuralgie, spezielle kranielle und spinale minimalinvasive operative Zugänge (supraorbitaler Zugang, Frykholm), Spinale intradurale/extramedulläre, intramedulläre Tumore, Supratentorielle, eloquent gelegene Tumore (Meningeome, Gliome, Metastasen), Endoskopischer, transsphenoidaler Zugang, Endoskopische Drittventrikulozisternostomie, Wach-Operationen, Kindliche Fehlbildungen: Kraniosynostosen, Spina bifida

PNS = KTS, Ulnarisrinne

SHT1= Dekompressive Hemikraniektomie, aSDH, EDH

SHT2 = Frontobasisrevisionen, Liquorfisteln

STX = Stereotaktische Biopsien, Funktionelle NC

Tu1 = Kortikale Biopsien, supratentorielle Kraniotomien, kleine oberflächliche supratentorielle Tumore (Metastasen, Meningeome)

Tu2 = Kraniotomien über Sinus, frontale Gliome

Tu3 = infratentorielle Kraniotomien, infratentorielle Tumore, unkomplizierte Schädelbasisprozesse

WS1 = Schmerztherap. Eingriffe an WS

WS2 = dorsale Zugänge lumbale WS, BSV

WS3 = dorsale und ventral Zugänge HWS, spinale Dekompressionen