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Querschnittsfach Allergologie – von der Grundlagenforschung zur praktischen klinischen Anwendung

Renée Dillinger-Reiter, Mainz
(Ärztebl. RLP, 61 (4), 21 - 23, 2008)

Alle Jahre wieder – ist das Frühjahr für Millionen von Allergikern eine „tränenreiche“ Zeit. Denn dann fliegen sie wieder – die Pollen –, die das Immunsystem eines Allergikers völlig aus dem Tritt bringen. Zwar hat die Pollensaison in diesem Jahr längst begonnen, im April tritt jedoch zusätzlich eines der stärksten Allergene auf den Plan: Auch in diesem Jahr werden Birkenpollen wieder zahllose Menschen plagen.

Dabei ist der Trend ungebrochen: Immer mehr Menschen reagieren mit ungezügelten Immunreaktionen auf eigentlich harmlose Stoffe der Umwelt. Wohl kaum eine andere Krankheit nimmt so rasant zu wie die Allergien. „Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich die Zahl der Allergiker nahezu in jeder Dekade etwa verdoppelt”, berichtet Prof. Dr. Joachim Saloga, Allergologe und Leitender Oberarzt an der Hautklinik und Poliklinik des Mainzer Universitätsklinikums. „Deshalb können Allergien heute zu recht als Volkskrankheiten bezeichnet werden.” Gemäß der so genannten Hygiene-Hypothese vermuten die Wissenschaftler, dass das Immunsystem vieler Menschen in der Entwicklung zu wenig durch die Auseinandersetzung mit bestimmten Infektionserregern und deren Produkten geprägt wird und sich dadurch Allergien leichter entwickeln können.

„Allergien sind oft nicht auf einzelne Organe beschränkt. So kann Heuschnupfen etwa mit einer Beteiligung der Augen und mit Asthma bronchiale einhergehen, Neurodermitis kann mit Nahrungsmittelallergien verbunden sein oder Arzneireaktionen können sich an verschiedenen Organsystemen manifestieren. Allergien sind daher gute Beispiele für Krankheiten, die sich nicht an die an den Organen orientierten Grenzen der medizinischen Fächer halten und daher möglichst interdisziplinär diagnostiziert und behandelt werden sollten“, betont Joachim Saloga. „Gerade in einem Querschnittsfach wie der Allergologie ist somit die enge und fachübergreifende Zusammenarbeit mehrerer medizinischer Disziplinen sehr wichtig. Deshalb können Allergiker in einem Universitätsklinikum, welches alle diese Disziplinen vorhält, optimal betreut werden.“

Prof. Dr. Joachim Saloga prüft den Status der Birkenblüte
Prof. Dr. Joachim Saloga prüft den Status der Birkenblüte vor der Universitäts-Hautklinik.

Die enge Verzahnung von Grundlagenforschung mit klinischer Forschung – wie sie an der Mainzer Universitätsklinik im Bereich Allergie und Autoimmunerkrankungen möglich ist – erlaubt die Übertragung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse in die praktische klinische Anwendung. Zur optimalen Koordination von klinischen Studien wurde am Fachbereich Medizin der Universität Mainz ein Interdisziplinäres Zentrum Klinische Studien (IZKS) etabliert. Außerdem haben einzelne Kliniken des Universitätsklinikums unter dem Dach des IZKS bereits Einheiten für klinische Studien aufgebaut, darunter die Hautklinik und Poliklinik mit ihrem Clinical Research Center (CRC).

„Durch den SFB und die Studienzentren, in denen zahlreiche klinische Prüfungen durchgeführt werden, können wir im Bereich allergologischer Erkrankungen auf eine große Expertise in der Forschung zurückgreifen”, betont Joachim Saloga. Eine groß angelegte interdisziplinäre Zusammenarbeit, wie sie dort erfolgreich praktiziert wird, ist aber auch für die Patientenversorgung sehr wichtig: Eine besondere Bedeutung in Bezug auf das Querschnittsfach Allergologie kommt dabei den Disziplinen Dermatologie, Pneumologie, Pädiatrie und HNO-Heilkunde zu. Deshalb haben sich die allergologischen Abteilungen dieser Einrichtungen der Universitätsklinik Mainz zusammen mit einigen theoretischen Instituten zum Allergiezentrum Rheinland-Pfalz zusammengeschlossen. „Im Rahmen des Allergiezentrums finden regelmäßige gemeinsame Fortbildungen statt“, erläutert Joachim Saloga. „Zudem haben wir den Austausch untereinander intensiviert und gemeinsame Behandlungsstandards besprochen – die letztlich allen Allergie-Patienten zu gute kommen.“

Das Team des SFB 548
Das Team des SFB 548 betreibt Forschung auf dem Gebiet der Allergien und Autoimmunkrankheiten.

„Dazu haben wir in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Heiko Zimmermann vom Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik in St. Ingbert ein weltweit einzigartiges Verfahren zur automatisierten Kryokonservierung von Inselzellen entwickelt und optimiert, welches eine klinische Anwendung der Kryokonservierung für die Inselzell-Transplantation beim Menschen erstmals in greifbare Nähe rückt“, erklärt Prof. Weber. „Das erste Ziel des Projektes ist es nun, das neue Kryoverfahren an die menschliche Langerhans’sche Inselzelle zu adaptieren und ein GMP-konformes Verfahren für die Isolation und Kryokonservierung menschlicher Inselzellen zu entwickeln.“ Die Optimierung und Automatisierung der menschlichen Inselzell-Isolation und Kryokonservierung stellt eine wichtige Voraussetzung für das zweite Ziel des Projektes dar: die Etablierung einer europäischen Kryobank zur Konservierung von Inselzellen als wichtige Plattform für die wissenschaftliche und klinische Nutzung menschlicher und tierischer Inselzellen sowie für die Entwicklung neuer pharmakologischer Testsysteme. Beide Forschungsarbeiten zu Inselzellen werden derzeit unter anderem im Rahmen zweier langjähriger, groß angelegter und überregionaler Verbundvorhaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Neben der wissenschaftlichen Arbeit führt der Schwerpunkt Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen zahlreiche klinische Studien durch, wobei insbesondere innovative medikamentöse Therapieoptionen und die verbesserte Behandlung von Begleit- und Folgeerkrankungen bei Menschen mit Diabetes evaluiert werden. „Unsere Ergebnisse veröffentlichen wir regelmäßig in nationalen und internationalen Fachzeitschriften und es findet ein reger nationaler und internationaler wissenschaftlicher Austausch statt“, erläutert Prof. Weber. „Auf diese Weise können wir unsere diagnostischen und therapeutischen Strategien ständig überprüfen und im Sinne unserer Patienten an den neuesten Stand der Erkenntnis anpassen.“

Kontakt

Prof. Dr. Joachim Saloga
Hautklinik und Poliklinik
Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz,
Tel. 06131 173751

E-Mail:  saloga@hautklinik.klinik.uni-mainz.de
Homepage: http://www.hautklinik-mainz.de/

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Dr. Renée Dillinger-Reiter
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E-Mail:  presse@ukmainz.de