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26. October 2017

Kommunikation mit nichtdeutschsprachigen Patienten verbessern

Veranstaltung richtet den Fokus auf innovatives Lehrprojekt zum Abbau von Zugangsbarrieren im Gesundheitssystem

Gestern fand an der Universitätsmedizin Mainz die Abschlussveranstaltung zum bundesweit einzigartigen Lehrprojekt „Die Triade im medizinischen Beratungs- und Behandlungsgespräch mit nichtdeutschsprachigen Patienten“ statt. Es zielt darauf ab, die Kommunikation von angehenden Ärzten und Pharmazeuten mit Patienten mit Migrationshintergrund ohne ausreichende Deutschkenntnisse zu verbessern. Dazu dienen verdolmetschte Aufklärungs – und Beratungsgespräche. Das besagte Lehrprojekt hatte das Gutenberg Lehrkolleg (GLK) der Johannes Gutenberg Universität Mainz (JGU) im Jahr 2015 im Rahmen einer Ausschreibung zum Themenschwerpunkt „Interdisziplinarität“ ausgezeichnet und gefördert. Mittlerweile ist das Projekt abgeschlossen und fester Bestandteil der Ausbildung von Medizin- und Pharmaziestudierenden an der Universitätsmedizin Mainz. Das TRIADE-Projekt sei beispielhaft im Hinblick auf interkulturelle Kommunikation und interkulturelle Kompetenz und es sei vorstellbar, dass es auch andernorts erfolgreich zum Einsatz komme, so der Tenor bei der Abschlussveranstaltung, das die Projektgruppe organisiert hatte.

Um die bestmöglichen Voraussetzungen für das Gelingen eines medizinischen Behandlungsprozesses zu schaffen, sollten ärztliches Personal und Patienten einander verstehen. Gerade vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise sei es wichtig, Zugangsbarrieren von Geflüchteten beziehungsweise Migranten im Gesundheitssystem abzubauen, wurde bei der Veranstaltung mehrfach betont. Das Lehrprojekt „Die Triade im medizinischen Beratungs- und Behandlungsgespräch mit nichtdeutschsprachigen Patienten“ zielt vor allem darauf ab, Studierende in die Lage zu versetzen, interkulturelle sowie interprofessionelle Missverständnisse zu umgehen.

Als „deutschlandweit innovativ in seiner Methodik der interdisziplinären Kooperation der Fachbereiche und zugleich innovativ bezüglich seiner Inhalte“, bezeichnete die Stellvertretende Direktorin des GLK, Univ.-Prof. Dr. Martina Schrader-Kniffki, das TRIADE-Projekt bei der Abschlussveranstaltung. Tatsächlich hatten der Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK) der JGU, die Rudolf Frey Lernklinik der Universitätsmedizin Mainz und der Fachbereich Chemie, Pharmazie und Geowissenschaften - Klinische Pharmazie das Lehrprojekt gemeinsam entwickelt. Prof. Schrader hob hervor, dass die Themenfelder interkulturelle Kommunikation und interkulturelle Kompetenz in den letzten Jahren verstärkt ins Blickfeld geraten seien. Vor diesem Hintergrund sei es dem GLK „ein Anliegen, Maßnahmen zu unterstützen, die dabei helfen, Studierende beim Erwerb entsprechender Kompetenzen zu unterstützen und somit diesen wichtigen Themenkomplex in Studium und Lehre an der JGU zu verankern“. Das sei auch ausschlaggebend dafür gewesen, das TRIADE-Projekt zu fördern.

„Die erfolgreiche Arzt-Patienten-Kommunikation stellt als Grundlage für den Vertrauensaufbau zwischen den Patienten und dem ärztlichem Personal eine Kernkompetenz von Medizinern dar und ist darüber hinaus zur Diagnose und Behandlung eine unerlässliche Informationsquelle“, sagte der stellvertretende Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Heinz Schmidberger. Im Alltag von Medizinern gewinne die interkulturelle Kommunikation mit nicht deutschsprachigen Patienten zunehmend an Bedeutung. Hier gälte es zusätzliche Kommunikationsbarrieren zu überwinden, um eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen und eine bestmögliche Patientenversorgung sicherzustellen, so Prof. Schmidberger. Hierbei sei die Einbindung professioneller Dolmetscher notwendig, die in einem interprofessionellen Team mit Medizinern zusammenarbeiten. Prof. Schmidberger zufolge habe die Erprobung der Triade als Gesprächsformat mit einer beisitzenden dolmetschenden Person Modellcharakter für die frühzeitige medizinisch-praktische Kompetenzentwicklung von angehenden Ärztinnen und Ärzten.

„Wir müssen anerkennen, dass durch Einwanderung die Sprachenvielfalt in Deutschland seit Jahrzehnten gewachsen ist. Dies ist eine große Ressource und zugleich ein Vorteil, den wir viel stärker nutzen sollten. Neuzuwanderern möglichst schnell die Deutsche Sprache zu vermitteln, ist und bleibt ein wichtiges Anliegen, damit sie möglichst schnell Selbstständigkeit in ihrem Leben erlangen. Dennoch wird ein Teil von ihnen auf Dolmetscherangebote angewiesen sein. Hierfür müssen sich die Institutionen und Einrichtungen stärker öffnen. Gerade im Gesundheitsbereich müssen Dolmetscherkosten von den Krankenversicherungen übernommen werden“, betonte der Landesbeauftragte für Migration und Integration Rheinland-Pfalz, Miguel Vicente.     

Der Dipl.-Psychologe Kai-Uwe Strelow von der Rudolf Frey Lernklinik der Universitätsmedizin Mainz brachte seine Überzeugung zum Ausdruck, dass das TRIADE-Projekt als Blaupause für weitere Lehrprojekte herhalten könne: „Die Zukunft dieser Lehrveranstaltung hat schon begonnen – sie ist digitaler und wird vielen Gesundheitsberufen aber auch nicht-medizinischen Berufsgruppen gehören, die vor den gleichen Herausforderungen stehen wie die Medizin.“

Den Impuls zum TRIADE-Projekt hatte der Fachbereich 06 Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft der JGU gegeben. Der Dekan des Fachbereichs 06, Prof. Dr. Michael Schreiber, wies auf die Besonderheit des Lehrprojekts hin: „Eine derart interdisziplinäre Form des Studierens ist in der Ausbildung von Übersetzern und Dolmetschern eine Neuheit und für unsere Studierenden eine große Bereicherung." Denn es biete sich die Möglichkeit, die Bedingungen der zukünftigen Zusammenarbeit gemeinsam mit angehenden Kollegen und Kolleginnen aus dem Gesundheitssystem kennen zu lernen.

 

Pressekontakt
Oliver Kreft, Unternehmenskommunikation Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131  17-7424, Fax 06131  17-3496, E-Mail:  pr@unimedizin-mainz.de

 

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.300 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de