Schematherapie-Station
Auf Station 5 der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie werden im Rahmen der Spezialstation zur Schematherapie insgesamt acht Behandlungsplätze an Patientinnen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung vergeben.
Den Patientinnen wird im Rahmen ihres 12-wöchigen stationären Aufenthalts ein umfassendes und hochstrukturiertes Programm mit verhaltenstherapeutischen und kognitiven Techniken und Behandlungsstrategien angeboten.
Folgende Therapieelemente werden eingesetzt:
- Einzeltherapie: Die Einzeltherapie richtet sich nach dem Manual der Schematherapie von J.E. Young (Young, 2003) und wird vom jeweiligen Bezugstherapeuten zunächst zweimal, nach fünf Wochen einmal wöchentlich (50 Minuten) durchgeführt. Im Fokus steht, im Gegensatz zu den Gruppentherapien, die persönliche Problematik der jeweiligen Patientin. Hierbei kommen verhaltenstherapeutische, kognitive, tiefenpsychologische und emotionsbasierte Therapieelemente zum Einsatz. Ziele können unter anderem das Erlernen verbesserter Problemlösestrategien oder hilfreicher zwischenmenschlicher Fertigkeiten sein.
- Schematherapiegruppe: Pflegepersonal und Bezugstherapeuten leiten diese psychotherapeutische Gruppe, in der zunächst Kernelemente der Schematherapie vermittelt werden. Daraufhin werden in der Interaktion mit Gruppenmitgliedern kritische Auslösesituationen und typische Schemata, sowie selbstschädigende Persönlichkeitsmuster im Alltag analysiert und darüber hinaus alternative positive Erlebens- und Verhaltensweisen erarbeitet und eingeübt.
- Tagesrückblicksgruppe: In dieser Gruppe, die drei Mal wöchentlich stattfindet, wird mit den Patientinnen ein Moment herausgearbeitet, in dem jede von ihnen im Modus des „gesunden Erwachsenen“ gehandelt hat (d.h. Pflichten und Bedürfnisse erkannt und entsprechend gehandelt). Hierbei sollen die Patientinnen gleichzeitig lernen, gut für sich selbst zu sorgen und bei äußeren Anforderungen angemessen zu reagieren. Gemeinsam mit der Gruppenleitung werden Erfolge in der Umsetzung der erlernten Strategien herausgearbeitet.
- Bezugsgruppe: Alle Patientinnen treffen sich einmal wöchentlich für jeweils 60 Minuten ohne Therapeuten, um sich mit ihren eigenen positiven Erfahrungen gegenseitig zu unterstützen.
- Schemawahrnehmungsgruppe: Die Schemawahrnehmungsgruppe wird von zwei speziell geschulten Ergotherapeutinnen geleitet. Die Gruppe findet einmal wöchentlich (60 min.) in der Ergotherapie statt.
Inhaltlich beschäftigt sich die Gruppe mit dem bewussten Erleben und der Stärkung der Wahrnehmungsleistungen: sehen, hören, tasten, riechen, schmecken. Die Einheiten beginnen stets mit einer Achtsamkeitsübung. Es folgen eine Reihe von Demonstrationen entsprechend der spezifischen Wahrnehmungsleistung. Jede Patientin hat die Möglichkeit eigene Erfahrungen der individuellen Wahrnehmung zu sammeln.
Ziel ist es, entsprechend der Schematherapie, die individuellen Qualitäten der Sinnesreize kennen- und unterscheiden zu lernen. Zudem sollen die Patienten lernen die Erfahrungen in spezifischen Modi zielgerichtet einzusetzen. („Durch welchen Reiz kann ich einen kritischen Modus zu einem gesunden wandeln?“)
Abschließend erfolgt eine Nachbesprechung.
Als weitere spezifische Gruppentherapien im Rahmen der Schematherapie-Station werden eine psychoedukative Gruppe und eine Gruppe zum Erlernen sozialer Kompetenzen angeboten.
Neben diesen spezifischen Therapieelementen haben Patienten die Möglichkeit, an weiteren Gruppen im Bereich Ergo- und Physiotherapie teilzunehmen. Die psychosoziale Betreuung der Patientinnen wird durch den Sozialdienst der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie übernommen. Die Behandlung der Patientinnen im Rahmen der Spezialstation wird wissenschaftlich begleitet.
