Zielgruppe
Patienten der Gedächtnisambulanz der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Mainz und in der Regel jeweils ein Angehöriger nehmen gemeinsam an der Gruppe teil.
Inhalte
Durch Fortschritte in der Demenzdiagnostik kann heute auch schon bei erst leicht beeinträchtigter kognitiver Leistungsfähigkeit die Diagnose „beginnende Demenz“ gesichert werden. Mit dem Aufbau der Psychotherapiegruppe für betroffene Patienten und Angehörige wird der deutlich frühere Zeitpunkt der Diagnosestellung für Psychoedukation, Aufrechterhaltung des Aktivitätsniveaus, Verhinderung von komorbiden depressiven Erkrankungen sowie Erhaltung der Lebensqualität genutzt.
Es handelt sich dabei um ein Gruppenprogramm zur Frühintervention für Patienten mit beginnender Demenzerkrankung und ihre Angehörigen. Den Teilnehmern soll praktisch aufgezeigt werden, dass es möglich ist, trotz der Gedächtnisprobleme am Leben aktiv teilzunehmen und sich so möglichst lange eine hohe Lebensqualität zu erhalten. Der Ansatz ist ressourcenorientiert, d.h. er baut auf den vorhandenen Stärken und Möglichkeiten jedes Einzelnen auf. Durch Training einfacher psychomotorischer Übungen werden die Patienten und Angehörigen ermutigt, Gymnastik und sportliche Freizeitaktivitäten aufrecht zu erhalten oder wieder zu beginnen. Im Anschluss an die aktivierenden psychomotorische Übungen folgen aufeinander aufbauende psychoedukative Informationsblöcke. Diese thematisieren die Aufklärung über die Erkrankung und die Diagnosestellung, den Verlauf der dementiellen Erkrankungen, die therapeutischen Möglichkeiten der Pharma- und Psychotherapie, die Behandlung der Begleitsymptome, Informationen über fachgerechte Pflege und Versorgung, die Notwendigkeit, weitere Personen in die Pflege einzubeziehen, sowie die Vorstellung und das Einüben fachgerechten Gedächtnistrainings. Die Patienten werden in Rollenspielen zu sozialer Aktivität angeregt. Zentral wichtig ist die Entlastung und der Schutz der Beziehungen des Patienten zum Partner und den engsten Angehörigen. Diese tragen später die Hauptlast als primäre Pflegepersonen und daher wird der Umgang mit den Gedächtnisproblemen des Betroffenen mit ihnen trainiert.
Die Qualität der Behandlung in der Gruppe wurde in 2004 evaluiert. Für die Patienten reduzierten sich Ängste, Antriebslosigkeit und Rückzugsverhalten, für die Angehörigen Schlafstörungen, Reizbarkeit und Aggressivität. Alle Teilnehmer äußerten sich positiv über die Gruppentherapie und beschrieben eine hohe Lebensqualität. Die Gedächtnisambulanz erhielt im Jahr 2004 für die Konzeption und Durchführung der neuen Intervention den Innovationspreis Sozial Aktiv des Sozialministeriums Rheinland-Pfalz.
