Visual Universitätsmedizin Mainz

Aktuelle Forschungsprojekte

1. Spielerbefragung zur Akzeptanz und Nutzung präventiver und interventionsorientierter Spielerschutzmaßnahmen in der Praxis

Die Durchführung von Spielerbefragungen zur Akzeptanz und Nutzung universeller, selektiver und indizierter Spielerschutzmaßnahmen sind ein wichtiges Steuerungsinstrument für die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der umgesetzten präventions- und interventionsorientierten Maßnahmen in der Praxis.

Obgleich gesetzlich verankert, existieren insbesondere im deutschsprachigen Raum derzeit nur wenige Forschungsbefunde zur Wirksamkeit von Spielerschutzangeboten. Im Rahmen der Spielerbefragungen werden Akzeptanz und Nutzung von Spielerschutzangeboten erfasst und mit glücksspielbezogenen Kognitionen sowie den Glücksspielverhaltensmerkmalen der Befragungsteilnehmer in Beziehung gesetzt. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, inwieweit soziodemografische Faktoren wie Geschlecht, Alter, Nationalität und Bildungshintergrund die Akzeptanz und Nutzung von Spielerschutzmaßnahmen beeinflussen.

Ziel der Befragung ist es, anhand empirischer Daten konkrete Anhaltspunkte für eine zielgruppenadäquate Weiterentwicklung von Spielerschutzkonzepten und Einzelmaßnahmen zu erhalten.

Laufzeit: seit 2012 fortlaufend

Förderung:
Drittmittel staatlich konzessionierte Glücksspielanbieter

2. Evaluation der Mainzer Risikopotenzial-Untersuchung zur Glücksspielnutzung (MARUGSN):  Diagnostik zur Einschätzung der Glücksspielsucht-Gefährdung im Kontext des Antrags auf Aufhebung der Spielersperre

Seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrages im Jahr 2008 sind die Spielersperre und das Recht auf deren Wiederaufhebung gesetzlich verankert. Die Entscheidung über die Aufhebung oder Beibehaltung der Sperre obliegt dabei ausschließlich dem Glücksspielanbieter, der die Sperre entgegengenommen bzw. veranlasst hat. Ein Gerichtsurteil von 2011 nimmt Anbieter darüber hinaus in die Pflicht, eine Aufhebung nur mit hinreichend sicherem Nachweis zu veranlassen, wenn keine Spielsuchtgefährdung mehr vorliegt und der Spieler zu einem kontrollierten Spiel in der Lage ist.

Das Kompetenzzentrum Spielerschutz & Prävention hat im Jahr 2009 deutschlandweit erstmalig ein wissenschaftlich fundiertes, diagnostisches Verfahren zur Einschätzung des Gefährdungspotentials bei Aufhebung einer Spielersperre gem. § 8 GlüStV entwickelt. Ziel der Mainzer Risikopotenzial-Untersuchung zur Glücksspielnutzung (MARUGSN) ist es, den individuellen Gefährdungsgrad eines gesperrten Spielteilnehmers bei erneutem Zugang zu Glücksspielangeboten einzuschätzen. Die Einteilung des Gefährdungsgrades erfolgt in den Stufen „gering“, „mittel“ und „hoch“. Die Befunde der diagnostischen Stellungnahmen dienen als Entscheidungsgrundlage für Glücksspielanbieter, eine Spielersperre aufrechtzuerhalten oder aufzuheben.

Eine wissenschaftliche Evaluation dieses oder überhaupt eines solchen Verfahrens steht bislang aus. Anhand von ausgewählten Indikatoren (Abgleich mit der Einschätzung bzw. Entscheidung der Spielbank hinsichtlich Aufhebung oder Beibehaltung der Spielersperre, Quote erneuter Sperren und Auffälligkeiten nach erfolgter Aufhebung, Vergleich des Spielverhaltens vor, während und nach der Spielersperre sowie Akzeptanz der Sperre und ihrer Alternativen) soll die Nutzbarkeit und Akzeptanz des Mainzer Risikopotenzial-Untersuchung zur Glücksspielnutzung (MARUGSN) geprüft werden.

Laufzeit:
2016-2018

Förderung:
Drittmittel staatlich konzessionierte Glücksspielanbieter

Publikationen:

Wejbera, M., Müller, K. W., Becker, J., Beutel. M. E. (2017). The Berlin Inventory of Gambling behavior – Screening (BIG-S): Validation using a clinical sample. BMC Psychiatry, 17, 188.

3. Evaluierung von Personalschulungen

Handlungskompetente Mitarbeiter sind eine wesentliche Voraussetzung für gelingenden Spielerschutz. Neben fundierten Kenntnissen im Hinblick auf die Entstehung, Aufrechterhaltung und Erkennungsmerkmale der Glücksspielsucht kommt der Vermittlung kommunikativer Kompetenzen zur Ansprache auffälliger Spielteilnehmer in der Praxis ein besonderer Stellenwert zu.
Ziel von Mitarbeiterbefragungen ist es, den Wissensstand und Wissenszuwachs der Mitarbeiter hinsichtlich der geschulten Inhalte zu erheben. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitforschung werden Teilnehmer der Mitarbeiter-Grundschulungen zum Thema Glücksspielsucht und Spielerschutz vor und nach erfolgter Schulungsmaßnahme mittels standardisiertem Fragebogen befragt.
Die Befragungsergebnisse werden im Rahmen eines kontinuierlichen Prozesses in das Schulungskonzept des Glücksspielanbieters integriert.

Laufzeit:
seit 2008 fortlaufend

Förderung:
Drittmittel staatlich konzessionierte Glücksspielanbieter

4. Telefonische Beratung für Glücksspielsüchtige: Akzeptanz und Nutzung der Mainzer Hotline Verhaltenssucht

Telefonische Beratungsangebote (Hotlines) stellen weltweit eine zentrale Maßnahme der indizierten Glücksspielsuchtprävention dar [Kalke et al., 2012]. Merkmale von Hotlines wie Anonymität, Distanz, geringer Zeitaufwand, keine oder geringe Kosten, Standortunabhängigkeit und Flexibilität sollen dazu beitragen, Zugangsbarrieren abzubauen und Betroffenen und Angehörigen den Weg in das Suchthilfesystem zu erleichtern [Meyer & Bachmann, 2011].
Seit Oktober 2007 bietet die Klinik und Poliklinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsmedizin Mainz, eine bundesweite, kostenlose und auf Wunsch anonyme telefonische Beratung für Betroffene und Angehörige mit dem Schwerpunkt problematisches Glücksspiel- und Computerspiel-/Internetverhalten an. Die Hotline wird von therapeutisch weitergebildeten klinischen Psychologen betreut und ist sowohl Informations- als auch Krisenhotline. Sie ist von montags bis freitags von 12 bis 17 Uhr erreichbar. Ziele des Hotline-Angebotes sind die niedrigschwellige Beratung und Vermittlung an weiterführende Beratungs- und Behandlungseinrichtungen in Wohnortnähe des Betroffenen. Das telefonische Beratungsangebot soll Krankheitseinsicht und Veränderungsmotivation fördern und die Schwellen abbauen, weiterführende Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.

In Deutschland sind staatlich konzessionierte Glücksspielanbieter seit dem Jahr 2008, gesetzlich verpflichtet, eine bundesweit einheitliche Telefonberatung anzubieten (§ 6 GlüÄndStV). Forschung zur Inanspruchnahme und den Effekten eines solchen Angebotes fehlen jedoch bislang.

Die Auswertung der Anrufe auf der Hotline Verhaltenssucht (Auswertungszeitraum 2013-2016) an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie, Universitätsmedizin Mainz, will dazu  beitragen, ob und in welchem Umfang telefonische Beratungsangebote, Glücksspielsüchtigen den Weg in das Suchthilfesystem bahnen.

Laufzeit:
2017

Förderung: Keine.

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55131 Mainz

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Lageplan (Pdf , 1,4 MB)