Visual Universitätsmedizin Mainz

Aktuelle Forschungsprojekte


1. Interdisziplinäre Längsschnittstudie Always On

Die zunehmende Verbreitung des Internets in der Gesellschaft und die annähernd 100%ige Nutzung von internetbasierten Anwendungen durch Jugendliche in Deutschland (Jim-Studie, 2013) hat in den letzten Jahren zu einem intensiven gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs über Vor- und Nachteile der neuen Medien geführt. Zentrale Fragestellungen, die verschiedene Fachdisziplinen (Medienpädagogik, Publizistik, Soziologie, Medienrecht, Ökonomie, Psychologie, Psychosomatische Medizin, Politikwissenschaften usw.) verbindet, beziehen sich auf (1) Nutzungsformen und Intensität der Mediennutzung Jugendlicher, die zu den intensivsten Nutzern moderner Medien zählen; (2) die Frage nach Einflüssen auf die biologische, psychologische, soziale und akademische Entwicklung, sowie (3) nach Einflussgrößen, die eine entwicklungsförderliche oder -hemmende Wirkung haben. Die o.g. Fragestellungen erfordern das Design einer Längsschnittstudie, über welche individuelle Verläufe im Nutzungsverhalten abgebildet werden können. Sie ist innovativ und schließt wesentliche Erkenntnislücken, da methodisch hochwertige Längsschnittdesigns in diesem Bereich noch kaum umgesetzt wurden. Zur Beantwortung der Forschungsfragen wird in enger Kooperation mit dem Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz eine repräsentative Stichprobe von Jugendlichen in Rheinland-Pfalz gezogen (N=1800) und über den Zeitraum von 3 Jahren standardisiert befragt. Die prospektive Längsschnittstudie umfasst somit 3 Erhebungswellen in den Jahren (2015 bis 2018).

Laufzeit:
2015-2018

Förderung:
Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz, JGU Mainz, 61.350€ (2015); 69.209,65€ (2016);  74.500€ (2017)

Publikationen:

Müller, K.W., Wölfling, K., Beutel, M.E., Stark, B., Quiring, O., Aufenanger, S., Schemer, C., Weber, M. & Reinecke, L. (in press). Insights into aspects behind internet-related disorders in adolescents: The interplay of personality and symptoms of adjustment disorders. Journal of Adolescent Health, in press.

Beutel, M. E., Klein, E. M., Aufenanger, S., Brähler, E., Dreier, M., Müller, K. W., Quiring, O., Reinecke, L., Schmutzer, G., Stark, B. & Wölfling, K. (2016). Procrastination, Distress and Life Satisfaction across the Age Range–A German Representative Community Study. PloS one, 11(2), e0148054.

Reinecke, L., Aufenanger, S., Beutel, M.E., Dreier, M., Quiring, O., Stark, B., Wölfling, K. & Müller, K.W. (2016). Digital Stress over the Life Span: The Effects of Communication Load and Internet Multitasking on Perceived Stress and Psychological Health Impairments in a German Probability Sample. Media Psychology, 1-26.

2. Wissenschaftliche und klinische Koordinierung Landesprogramm „Glücksspielsuchtprävention und Beratung Spielsüchtiger“ Rheinland-Pfalz

Die Regionalen Fachstellen Glücksspielsucht werden in ihrer Arbeit von der Projektkoordination der Landeszentrale für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz und der Ambulanz für Spielsucht begleitet. Neben regelmäßigen Treffen, in welchen zentrale und/oder aktuelle Themen aus den Bereichen Gambling und Gaming aufgegriffen werden, finden Fortbildungen zu spezifischen Arbeitsanteilen statt (z.B. Schuldnerberatung). Mit der Beteiligung aller Fachstellen in Rheinland-Pfalz an der Datenerhebung und Auswertung ist gewährleistet, dass alle hilfesuchenden Personen in Rheinland-Pfalz erfasst werden, welche sich mit einem Problem aus dem Spektrum Glücksspielsucht oder Internet-/Computerspielsucht an die vorhandenen Hilfeeinrichtungen wenden. Das ermöglicht eine differenzierte Betrachtung der Glücksspielsucht in Rheinland-Pfalz und die gezielte Steuerung von Hilfsmaßnahmen für Beratung und Behandlung. Ein weiterer Fokus richtete sich auf die Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund und deren besonderen Beratungsbedarf, was Sprache und auch kulturelle Verortung von Glücksspielen in oft männerdominierten Subkulturen anbelangt. Im Sinne von Versorgungsforschung wird die therapeutische und beratende Arbeit der regionalen Fachstellen im Suchthilfesystem systematisch evaluiert.

Laufzeit:
2009 – Dezember 2017

Förderung:
Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie (RLP); 59.503,62 (2015); 51.404,74 € (2016);  51.500 € (2017)

Publikationen:

Wölfling, K., Müller, K.W., Giralt, S. & Beutel, M.E. (2011). Emotionale Befindlichkeit und dysfunktionale Stressverarbeitung bei Personen mit Internetsucht. Sucht, 57(1), 27-37.

Wölfling, K., Gohlke, A., Tsakmaklis, A. & Beutel, M.E. (2016). Das Beratungsangebot der Regionalen Fachstellen Glücksspielsucht RLP im Überblick 2010 – 2015. Bericht an das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz.

3. GHS - „Zusammenhänge zwischen Pathologischem Glücksspiel und koronaren Herzerkrankungen“ – Eine Add-on-Studie

Die Studie stellt eine Add-On-Untersuchung zu einer populationsbasierten Kohortenstudie, der „Gutenberg-Gesundheitsstudie“ (GHS) mit etwa 15.000 Studienteilnehmern aus dem Rhein-Main-Gebiet dar. Mit dem Einschluss einer Kohorte von 70 glücksspielsüchtigen Patienten sollen im Rahmen dieser Ergänzungsstudie Erkrankungsraten und psychosoziale sowie kardiovaskuläre Risikofaktoren der Koronaren Herzkrankheit (KHK) bei Pathologischem Glücksspiel analysiert werden. Durch den angestrebten Einschluss von 70 Patienten mit diagnostiziertem Pathologischen Glücksspiel (ICD-10: F63.0) soll erstmals eine umfassende psychopathologische und biologische (Labordiagnostik, Funktionsdiagnostik) Charakterisierung dieses Patientenkollektivs ermöglicht werden. Als Vergleichsgruppe dient eine gemachte Stichprobe von nicht-pathologischen Glücksspielern. Im Zentrum der Untersuchung stehen verschiedene psychische und biologische Faktoren, die innerhalb der GHS und im klinischen Setting der Ambulanz für Spielsucht erhoben werden. Daraus lassen sich insbesondere Bindeglieder in Form von spezifischen Risikomarkern (bspw. Tachykardien oder  beeinträchtigte Endothelfunktionen) zwischen Pathologischem Glücksspiel und KHK ableiten. Aus der Fragestellung und bisherigen Studienergebnissen wird folgende Hypothese abgeleitet: Pathologische Glücksspieler weisen im Vergleich zu Kontrollprobanden mehr Risikofaktoren für KHK auf. Darüber hinaus finden sich mehr KHK in der Anamnese der medizinischen Vorgeschichte. Zudem kann untersucht werden, ob defizitäre kognitive Leistungen negativ mit dem Gesundheitsverhalten der Pathologischen Glückspieler assoziiert sind.

Laufzeit:
Juli 2015 – Dezember 2017

Förderung:
Inneruniversitäre Forschungsförderung, 39.480,00€ (2015-2017)

4. Geschlechtsspezifische Inanspruchnahme von Beratungs- und Behandlungsangeboten bei internetbezogenen Störungen [IBSFEMME]

Internetbezogene Störungen stellen ein zunehmend verbreitetes Gesundheitsproblem in der Bevölkerung dar. Während epidemiologische Studien wiederholt haben zeigen können, dass Männer und Frauen annähernd gleich häufig von Internetbezogenen Störungen betroffen sind, erweist sich unter klinischen Gruppen, dass hier nahezu ausschließlich betroffene Männer wegen der Problematik Hilfe suchen. Eine überzeugende Erklärung für diese Diskrepanz fehlt bislang. Zur Überprüfung der Ursachen dieser geschlechtsspezifischen Unterschiede sieht das Projekt IBSFemme eine kombinierte Datenerhebung und –analyse im Sinne eines Mehrebenen-Designs vor.  Ausgehend von umfassenden Sekundärdatenanalysen, welche adaptiv mit Originaldaten ergänzt werden, erfolgt eine systematische Testung von drei Haupthypothesen. Die Sekundärdaten enthalten quantitative und qualitative Angaben aus verschiedenen Stichproben (klinische und bevölkerungsbasierte) zu relevanten Aspekten wie Ausprägung der Internetbezogenen Störungen, sowie diagnostische Kriterien, Symptombelastung, Komorbidität und Behandlungsmotivation. Die Originaldatenanalysen basieren auf konsekutiven klinischen Stichproben, Daten aus experimentalpsychologischen Testungen und längsschnittlichen Verlaufsmessungen. Die Datenanalyse erfolgt mittels inferenzstatistischer Methoden, ergänzt um qualitative Auswertungsstrategien, was eine umfassende Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes ermöglicht.

Laufzeit:
November 2017 – April 2019

Förderung:
Bundesministerium für Gesundheit, 149.870,00€ (2017-2019)

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