Spezialsprechstunde Depersonalisation-Derealisation

Betroffen leiden unter einem Gefühl, als seien sie „nicht richtig hier“, oder als ob sie wie „neben sich stehen“. Betroffene kommen sich selbst als unwirklich und verloren vor. Und oft klagen sie über ein Gefühl von Unwirklichkeit. Sie erleben ihre Umwelt wie fremd, künstlich oder wie hinter einem Schleier. Oft sind Betroffene von der Furcht beherrscht „verrückt“ zu werden. Ganz häufig finden sich Patienten in folgenden Beschreibungen wieder:

„Ich erlebe mich wie abgetrennt von meiner Umgebung oder diese erscheint mir unwirklich, so als ob ein Schleier zwischen mir und der äußeren Welt wäre.“„Aus heiterem Himmel fühle ich mich fremd, als ob ich nicht wirklich wäre oder als ob ich von der Welt abgeschnitten wäre.“
(Download der Cambridge Depersonalization Scale, pdf, 89 KB, und Hinweise zum Test)

Paul Schilder (1914), ein Pionier der Depersonalisationsforschung definierte Depersonalisation als einen,

 „Zustand, in dem das Individuum sich im Vergleich mit seinem früheren Zustand durchgehend verändert fühlt. Diese Veränderung erstreckt sich sowohl auf das Ich als auch auf die Außenwelt und führt dazu, daß das Individuum sich als Persönlichkeit nicht anerkennt. Seine Handlungen erscheinen ihm automatisch. Er beobachtet als Zuschauer sein Handeln und Tun. Die Außenwelt erscheint fremd und neu und hat ihren Realitätscharakter verloren.“ Paul Schilder (1914) Selbstbewusstsein und Persönlichkeitsbewusstsein

Depersonalisation zählt, wie auch Angst und Depression, zu den normalen menschlichen Reaktionsmöglichkeiten:

  • ca. 70% aller Menschen erleben im Lauf ihres Lebens mindestens einmal leichte Depersonalisation
  • 0,8-2% der Allgemeinbevölkerung leiden unter schwerer Depersonalisation 
  • bis zu 40% der Patienten in stationärer psychosomatischer oder psychiatrischer Behandlung leiden unter klinisch relevanter Depersonalisation

Es handelt sich somit um eine relativ häufige psychische Störung, die allerdings meist der Diagnosefindung entgeht. Häufig beginnt die Depersonalisationsstörung nach einem Angstanfall, einer körperlichen Erkrankung oder Drogenkonsum. Oft können Betroffene aber auch keinen Auslöser benennen. Bis Patienten mit Depersonalisation eine adäquate Behandlung erhalten vergehen oft etliche Jahre, in denen die Patienten zahlreiche Ärzte aufsuchen, um Hilfe für ihr befremdliches Erleben zu erhalten. Menschen, die Depersonalisation-Derealisation erleben sind dadurch oft erheblich verunsichert und belastet und äußern deshalb sehr häufig den Wunsch nach einer ausführlichen Aufklärung über dieses Syndrom.

Forschungsprojekte zur Depersonalisation und Derealisation

  • Einzel- und Gruppentherapie
    Entwicklung und Erprobung neuer psychotherapeutischer Behandlungsmethoden und deren wissenschaftlicher Evaluation.
  • Neurobiologische Grundlagen der Depersonalisationsstörung
    Emotionsverarbeitung bei hypnotisch induzierter und klinischer Depersonalisation  
  • Diagnostik
    Entwicklung von Screening-Instrumenten und diagnostischen Interviews  
  • Epidemiologie
    Bevölkerungs- und populationsbasierte Studien zur Untersuchung der Häufigkeit von Depersonalisation sowie des Zusammenhangs von Depersonalisation mit anderen seelischen und körperlichen Erkrankungen

Inhalt der Spezialsprechstunde Depersonalisation-Derealisation

In der Spezialsprechstunde Depersonalisation-Derealisation erfolgt eine ausführliche Diagnostik einschließlich testpsychologischer Untersuchungen, Beratung und Erarbeitung von Therapieoptionen:

  • Ausführliche Diagnostik: Es erfolgt eine vertiefte Exploration der Depersonalisation-Derealisation und anderer psychischer Beschwerden sowie deren Entstehungsgeschichte und der bisherigen Behandlungsgeschichte. Bei Notwendigkeit einer erweiterten medizinischen Abklärung werden andere Fachdisziplinen (z.B. Neurologie, Augenheilkunde) konsiliarisch mit in die Untersuchung einbezogen.
  • Psychoedukative Beratung umfasst eine die ausführliche Information über das Krankheitsbild der Depersonalisation. Des Weiteren werden die Patienten über die die Depersonalisation aufrechterhaltenden Verhaltensweisen, die Sinnhaftigkeit der Symptomatik und Möglichkeiten der Symptomkontrolle aufgeklärt.
  • Erarbeitung differenzierter psychotherapeutischer Behandlungsmöglichkeiten und Vermittlung entsprechender therapeutischer Angebote:  
    • Stationäre oder tagesklinische multimodale Psychotherapie
    • Psychosomatische Rehabilitation in spezialisierten Rehabilitationskliniken
    • Ambulante Richtlinienpsychotherapie (von den Krankenkassen bezahlte Psychotherapie wie tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, kognitiv-behaviorale Psychotherapie) und Beratung hinsichtlich medikamentöser Behandlungsmöglichkeiten

Publikationen der Arbeitsgruppe zur Depersonalisation

  • Screening nach Depersonalisation-Derealisation mittels zweier Items der Cambridge Depersonalisation Scale
    Michal M, Zwerenz R, Tschan R, Edinger J, Knebel A, Tuin I, Lichy M, Beutel MEPsychother Psychosom Med Psychol, in press

  • Depersonalisation/Derealisation – Krankheitsbild, Diagnostik und Therapie.
    Michal M, Beutel ME. Z Psychosom Med Psychother, in press.

  • Wie oft wird die Depersonalisations-Derealisationsstörung (ICD-10: F48.1) in der ambulanten Versorgung diagnostiziert?
    Michal M, Beutel ME, Grobe TG. Z Psychosom Med Psychother, in press.
     
  • Depersonalisation-Derealisation im psychosomatischen Ambulanz- und Konsildienst.
    Michal M, Wiltink J, Zwerenz R, Knebel A, Schäfer A, Nehring C, Subic-Wrana C, Beutel ME. Z Psychosom Med Psychother, in press.

  • Prevalence, correlates and predictors of depersonalization experiences in the German general population.
    Michal M, Wiltink J, Subic-Wrana C, Zwerenz R, Tuin I, Lichy M, Brähler E, Beutel ME. J Nerv Ment Dis, in press

  • Depersonalization, mindfulness, and childhood trauma.
    Michal M, Beutel ME, Jordan J, Zimmermann M, Wolters S, Heidenreich T. J Nerv Ment Dis. 2007;195(8):693-6.

  • Pain response in depersonalization: a functional imaging study using hypnosis in healthy subjects.
    Röder CH, Michal M, Overbeck G, van de Ven VG, Linden DE. Psychother Psychosom. 2007;76(2):115-21.

  • Depersonalisation, soziale Ängste und Scham
    Michal M, Heidenreich T, Engelbach U, Lenz C, Overbeck G, Beutel M, Grabhorn R. Psychother Psychosom Med Psychol. 2006;56(9-10):383-9.

  • Zur Validität der Skala Derealisation/Depersonalisation des Narzissmusinventars
    Michal M, Kaufhold J, Engelbach U, Lenz C, Lischke M, Overbeck G, Grabhorn R. Psychother Psychosom Med Psychol. 2005; 55(12):512-6.

  • Depersonalization and social anxiety.
    Michal M, Kaufhold J, Grabhorn R, Krakow K, Overbeck G, Heidenreich T. J Nerv Ment Dis. 2005;193(9):629-32. 
     
  • Spontaneous dissociation during functional MRI experiments.
    Michal M, Röder C, Mayer J, Lengler U, Krakow K. J Psychiatr Res. 2007;41(1-2):69-73.

  • Gestörte visuelle Wahrnehmung beim Depersonalisations-Derealisationssyndrom.
    Michal M, Lüchtenberg M, Overbeck G, Fronius M. Klin Monatsbl Augenheilkd. 2006;223(4):279-84.

  • Depersonalisation und Derealisation: Grundlagen und kognitiv-behaviorale Perspektive.
    Heidenreich T, Michalak J, Michal M Verhaltenstherapie, Verhaltenstherapie. 2006; 16: 267–274.  

  • Zur Prävalenz von Depersonalisation und Derealisation in der stationären Psychotherapie
    Michal M, Sann U, Grabhorn R, Overbeck, G, Röder, CH. Psychotherapeut. 2005; 50 (5): 328-339

  • Die Erfassung des Depersonalisations-Derealisationssyndroms mit dem Fragebogen zu Dissoziativen Symptomen
    Michal M, Sann U, Niebecker M, Lazanowski C, Aurich S, Kernhof K, Overbeck G. Z Psychosom Med Psychother. 2004;50(3):271-87.  

  • Die Erfassung des Depersonalisations-Derealisations-Syndroms mit der Deutschen Version der Cambridge Depersonalisation Scale (CDS)
    Michal M, Sann U, Niebecker M, Lazanowsky C, Kernhof K, Aurich S, Overbeck G, Sierra M, Berrios GE. Psychother Psychosom Med Psychol. 2004;54(9-10):367-74.

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Betroffene, die nicht aus dem Einzugsbereich der Universitätsmedizin Mainz kommen, erhalten nach Rücksprache, das Angebot einer doppelstündigen Beratung.

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Frau M. Schüler, Frau B. Haaf
Tel. 06131 17-7381
Fax 06131 17-6439

Leitung

PD Dr.med. Matthias Michal
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