Logo der Universitätsmedizin Mainz
Klinik und Poliklinik für
Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Schwerpunkt Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie
 

Präventions- und Interventionsprogramm "Internet- und Computerspielsucht"

"Exzessive Computernutzung: Medienkompetenz versus Spielsucht"

Seit einigen Jahren befasst sich das Kompetenzzentrum Verhaltenssucht mit der Entwicklung und Umsetzung eines Präventions- und Interventionsprogramms „Exzessive Computernutzung: Medienkompetenz versus Spielsucht“. Im Rahmen dieses Programms wurde neben einem umfangreichen Maßnahmekatalog für die effektive Umsetzung von Spieler- und Jugendschutzmaßnahmen durch den Anbieter, v.a. aber auch deutschlandweit erstmalig eine Hotline zum Thema „Exzessive Computernutzung“ eingerichtet und somit ein Informationsmedium zur Aufklärung für Betroffene und deren Angehörige geschaffen.
Im Rahmen der Hotline, die wegen der starken Nachfrage inzwischen werktäglich eingerichtet wurde, wird durch therapeutisch ausgebildete Psychologen kostenlos (zum Ortstarif) und anonym Aufklärung und Information zum Störungsbild „Computerspiel- / Onlinesucht“ sowie individuelle Beratung (ggf. auch persönlich) angeboten und weiter geholfen. Ergänzend hierzu haben wir auch einen Ratgeber im Huber Verlag veröffentlicht, in dem Anregungen für Angehörige im Umgang mit dem betroffenen Jugendlichen gegeben werden. [ Grüsser, S.M., & Thalemann, R. (2006). Computerspielsüchtig? Rat und Hilfe für Eltern. Bern: Hans Huber Verlag ]. Die Bereitstellung von Information für Angehörige ist sehr wichtig, da sie es sind, denen die negativen Veränderungen bei den meist jugendlichen Spielern zuerst auffallen und sie zum Teil in der Funktion der Erziehungsberechtigten gefordert sind, zu handeln. Im Kindes- und Jugendalter ist der Leidensdruck noch weniger ausgeprägt, da die negativen Konsequenzen einer Sucht bzw. des exzessiven Spielverhaltens noch nicht so deutlich gespürt werden (der Strom ist noch nicht abgeschaltet und es gibt immer etwas zu Essen und ein warmes Bett). Somit sehen betroffene Kinder und Jugendliche oft auch nicht die Notwendigkeit ihr Verhalten zu ändern und sehen das Computerspielverbot (-einschränkung) der Eltern eher als ein typisches „Elternverbot“ als eine notwendige sie selbst schützende Maßnahme an. Jedoch wird die Hotline selbst auch von betroffenen Erwachsenen in Anspruch genommen.
Einen weiterer wichtiger Baustein des Präventions-/ Interventionsprogramms bildet die Fortbildung von Multiplikatoren sowie Fachkollegen aus den unterschiedlichen Bereichen. Das Kompetenzzentrum Verhaltenssucht kooperiert entsprechend mit verschiedenen Institutionen im gesamten Bundesgebiet und bietet seit einigen Jahren Fortbildungsmaßnahmen für Fachkollegen aus Klinik und Praxis, Landesinstitutionen sowie weiterer Bereiche wie z.B. Schulpsychologen, Erzieher und Erziehungsberechtigte und der Industrie an. Aus den Ergebnissen unserer laufenden Untersuchungen im Kindes-, Jugend und Erwachsenenalter [ Studien und Ergebnisse zur Computerspielsucht ], publiziert werden leiten wir laufend Implikationen für Prävention und Therapie ab. Aufgrund des inzwischen belegten Suchtpotentials und der hohen Zahl hilfesuchender Angehöriger von Kindern und Jugendlichen, sollten dringend entsprechende Schutzmaßnahmen ergriffen werden. So sehen wir auch einen großen Bedarf für umfangreiche Präventionsmaßnahmen und im Auf- und Ausbau der lokalen Institutionen des Hilfesystems.

Ein bereits früh im Leben und somit auch in der Persönlichkeitsentwicklung auftretendes exzessives Computernutzungsverhalten und der sich darin evtl. offenbarende pathogene Mechanismus kann die Entstehung und Aufrechterhaltung von Abhängigkeit in der Adoleszenz begünstigen. Kinder erfahren, dass sie mit solchen Verhaltensweisen oder Gebrauchsmustern schnell und effektiv Gefühle im Zusammenhang mit Frustrationen, Unsicherheiten und Ängsten regulieren bzw. verdrängen können. Im Laufe der Suchtentwicklung rückt die exzessive Nutzung moderner Medien dann zu Lasten anderer Verhaltensweisen in den Vordergrund. Somit werden keine alternativen Verhaltensmuster, wie z.B. adäquate Stressverarbeitungsstrategien, für kritische oder als Stress erlebte Lebenssituationen entwickelt bzw. gelernt.

Computerspielverhalten jetzt testen