Visual Universitätsmedizin Mainz

Man unterscheidet folgende Behandlungsmethoden

Konformationsbestrahlung

Mit diesem Begriff werden alle Bestrahlungstechniken bezeichnet, bei denen das Strahlenfeld möglichst zielgenau an Tumorform und Tumorgröße angepasst werden: Ein Tumor hat eine unregelmäßige Form, und er ist vor allem nie flach, so wie er im Röntgenbild erscheint, sondern in Wirklichkeit dreidimensional. Ein verwandter Begriff ist daher 3D- oder dreidimensionale Strahlentherapie. Die Anpassung an die Form des Tumors erreicht man bei der konformalen Bestrahlung durch Filter oder Blenden.

Die dreidimensionale Planung einer Bestrahlung ist sinnvoll, wenn ein Tumor zerstört werden soll, das umliegende Gewebe aber geschont werden muss. 

Bei anderen Tumoren ist eine aufwändige Planung dagegen nicht nötig oder sogar nicht sinnvoll. Dann setzen die Strahlentherapeuten ganz konventionelle Bestrahlungsfelder ein. Der Einstrahlwinkel wird trotzdem so gewählt, dass Risikoorgane möglichst nicht im Strahlengang liegen.

Intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT)

Die intensitätsmodulierte Strahlentherapie, abgekürzt IMRT, ist eine Weiterentwicklung der Konformationsbestrahlung.
Mit der IMRT lässt sich noch zielgenauer bestrahlen, gesundes Gewebe wird noch besser geschont: Wenn notwendig kann man die letztendlich erzielte Gesamtdosis sogar innerhalb des Tumors "modulieren", also verändern.

Die IMRT ist bereits intensiv in klinischen Studien und in der Praxis getestet worden und gilt unter Fachleuten mittlerweile als Routineverfahren. Sinnvoll einzusetzen ist sie allerdings nur in bestimmten Therapiesituationen. Flächendeckend  steht die IMRT in Deutschland allerdings noch nicht zur Verfügung: Sie kann zwar mit normalen Linearbeschleunigern durchgeführt werden, wenn die notwendigen Zusatzausrüstungen vorhanden sind aber wegen der umfangreichen Vorplanungen, ist sie weit zeitaufwändiger als eine Konformationsbestrahlung. Häufig lassen sich gleich gute Ergebnisse schneller mit herkömmlicher 3D-Planung erreichen.

Radiochemotherapie, Kombination mit zielgerichteten Medikamenten

Bei einigen Tumorerkrankungen spielt heute die Kombination von Bestrahlung und Chemotherapie eine Rolle. Dazu gehören unter anderem das Lungenkarzinom oder das Rektumkarzinom (Krebs des Enddarms). Krebsmediziner setzen bei dieser Therapieform auf eine Wirkungsverstärkung: Die zur Chemotherapie verwendeten Zytostatika wirken als so genannte Radiosensitizer, weil sie das Tumorgewebe viel strahlenempfindlicher machen. Die zeitliche Abstimmung und enge Verzahnung von Chemotherapie und Bestrahlung spielt hier eine besondere Rolle, um die Schäden an den Krebszellen möglichst zielgenau zu setzen und ihnen keine Zeit zur Regeneration zu bieten.
Die Radiochemotherapie gehört zu den Behandlungsformen, die für Patienten als belastend empfunden werden und häufig mit vergleichsweise vielen Nebenwirkungen verbunden sind. Die Kombination wird daher nur dann eingesetzt, wenn sie Betroffenen wesentliche Vorteile in der Kontrolle ihrer Erkrankung bietet. Inwiefern die Strahlentherapie sich auch mit neuen spezifischen Krebsmedikamenten ("targeted therapies", molekularbiologische Medikamente) kombinieren lässt wird derzeit noch in Studien untersucht. Für Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren ist die Wirksamkeit bereits nachgewiesen.

Afterloading

Beim so genannten Afterloading verwenden die Strahlentherapeuten stärkere Strahlungsquellen. Sie bleiben dafür nur wenige Minuten im Körper. Der Begriff "Afterloading" kommt aus dem Englischen und bedeutet "Nachladeverfahren".
Infrage kommt das Verfahren zum Beispiel bei der Behandlung von Gebärmutterkrebs, Speiseröhrenkrebs oder bei der Therapie von Zervixkarzinomen.
Um die Bestrahlungsquelle bei jeder Behandlung genau positionieren zu können, werden Hülsen positioniert. Dies erfolgt unter Teil- oder Vollnarkose oder aber auch unter Lokalanästhesie. Die eigentliche Afterloadingsitzung dauert ca. 30 Minuten. Üblicherweise wird mehrfach im Abstand von einigen Tagen bestrahlt, die Patienten kommen dann für einen Tag stationär, um mögliche Komplikationen frühzeitig aufzufangen. Meist schließt sich ein Afterloading-Verfahren an eine konventionelle perkutane Radiatio an, bis die vorgesehene Gesamtstrahlendosis erreicht ist. In manchen Fällen werden Hülsen auch während der Tumoroperation gelegt. Die Bestrahlung erfolgt dann stationär über einige Tage.
Die Anzahl der Therapietage hängt von der Erkrankung und dem Stadium ab.
Da die Strahlenquelle nach der Afterloadingsitzung wieder entfernt wird, müssen Patienten keine Vorsichtsmaßnahmen beim Umgang mit anderen Menschen treffen.

Afterloading-Gerät
Foto: Michael Schultes