Einfluss von Disintegrinen auf die Metastasierung von Nierenkarzinomzellen
Die schlechte Prognose des Nierenzellkarzinoms beruht in erster Linie auf der hohen Rate an Metastasierung. An der Migration von Tumorzellen sind vor allem Integrine beteiligt, eine Gruppe von Zelladhäsionsmolekülen. Die Bindung von Integrinen an extrazelluläre Matrix erfolg über die Aminosäuresequenz Arg-Gly-Asp (RGD). Durch Einsatz von RGD-enthaltenden Agenzien können Integrine blockiert werden und so Einfluss auf die Migration von Tumorzellen genommen werden.
In unserer Arbeitsgruppe wird untersucht, in wie weit aus Schlangengift gewonnene Disintegrine wie Kistrin und Echistatin, die jeweils eine RGD-Sequenz beinhalten, das Migrationsverhalten sowie die Proliferation von Nierenkarzinomzellen beeinflussen. Migrationsanalysen in einer Boyden-Chemotaxiskammer zeigten eine deutliche Hemmung der Migration durch ein Pentapeptid, das die RGD-Sequenz enthält. Zudem konnten wir zeigen, dass Echistatin ebenfalls die Migration hemmt, während Kistrin keinen inhibitorischen Effekt hatte. Weiterführende Untersuchungen konzentrieren sich auf die Ursache dieser Beobachtung, die möglicherweise auf konkrete RGD-umgebende Aminosäuren oder die Quartärstruktur des Inhibitors zurückzuführen sind. Untersucht wird zudem der Einfluss der Disintegrine und unterschiedlicher RGD-Pentapeptide auf die Aktivität von Integrinen und von nachgeschalteten Signalmediatoren. Diese Ergebnisse werden mit den Mechanismen verglichen, die eine Migration von Lymphozyten beeinflussen.
Auf diese Weise sollen im Hinblick auf eine mögliche neue Therapieform des metastasierten Nierenzellkarzinoms spezifische Mechanismen der Migrationshemmung beurteilt werden.
Literatur
Brenner W, Gross S, Steinbach F, Horn S, Hohenfellner R, Thüroff JW.
Differential inhibition of renal cancer cell invasion mediated by fibronectin, collagen IV and laminin.
Cancer Letters 2000; 155: 199-205.
