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Schlaganfall

Definition und Häufigkeit

Der Schlaganfall ist eine Volkskrankheit. In Deutschland ereignen sich pro Jahr ca. 250.000 Schlaganfälle (Hirninfarkte), die sehr häufig zu bleibenden Behinderungen in Form von ‚schlagartig’ aufgetretenen Lähmungen oder Taubheitsgefühlen einer Körperhälfte oder aber Sprachstörungen führen. Weitere Symptome sind eine plötzliche Erblindung auf einem Auge oder gleichzeitig auftretende Gesichtsfeldeinschränkungen auf beiden Augen (Patient kann alle, sich auf einer Seite befindlichen Gegenstände nicht mehr erkennen).

Der Schlaganfall ist die Erkrankung, die am häufigsten zu einer bleibenden Pflegebedürftigkeit führt. Häufig gehen dem eigentlichen Schlaganfall ähnlich, aber nur kurz dauernde Symptome um Tage, Wochen oder Monate voraus (‚Schlägle’). Diese Warnsymptome sind ebenso ernst zu nehmen wie der tatsächliche Schlaganfall: Zum einen ist zum Zeitpunkt des Auftretens noch nicht abzusehen, ob sich die Symptome wieder zurückbilden, zum anderen kann die kurzfristige Störung als letzte Warnung und Aufforderung verstanden werden, die notwendigen Untersuchungen durchzuführen.
Sollte es zum Schlaganfall gekommen sein, ist damit verbunden nicht nur eine Umstellung der Lebenssituation des Patienten, sondern auch dessen Angehörigen: Wiedereingliederung ins Berufsleben, monate- oder sogar lebenslange krankengymnastische oder Sprachtherapien, im schlimmsten Fall eine bleibende Pflegebedürftigkeit, aber auch eine Umstellung der finanziellen Situation verlangen dem Patienten und den Angehörigen höchste Belastungen ab.

Der akute Schlaganfall ist ein Notfall, der beste Schlaganfall ist aber derjenige, den man bereits im Vorfeld abwenden kann!

Einteilung, Ausprägung, Ursachen

Ca. 90% aller Hirninfarkte sind so genannte Ischämien d.h. Minderdurchblutungen der Hirnarterien und des Hirns durch einen akuten Verschluss im Kopf gelegener (intra-kranieller) Gefäße. Dafür verantwortlich sind in ca. 60% verschleppte Gerinnsel (Embolien) von arteriosklerotischem Material aus großen hirnversorgenden Gefäßen, z.B. der Arteria carotis interna oder des Aortenbogens. Die Entstehung der arteriosklerotischen Plaques ist abhängig von den selben Risikofaktoren (arterieller Hochdruck, Diabetes, Rauchen, Übergewicht, u.a.) die auch bei der Entstehung eines Herzinfarktes eine Rolle spielen.
In ca. 25% ist ein verschlepptes Gerinnsel aus dem Herzen, z.B. bei Vorhofflimmern für einen Schlaganfall verantwortlich.
Davon abzugrenzen sind Blutungen aus einem geplatzten Gefäß, die zu ca. 10% der Schlaganfälle beitragen.
Die Entstehung der arteriosklerotischen Plaques ist abhängig von den selben Risikofaktoren (arterieller Hochdruck, Diabetes, Rauchen, Übergewicht, u.a.) die auch bei der Entstehung eines Herzinfarktes eine Rolle spielen.

Diagnostik

In der Diagnostik spielt die Computertomographie und Kernspintomographie des Kopfes, sowie Ultraschall-Untersuchungen der hirnversorgenden Gefäße am Hals und an der Schädelbasis die größte Rolle. Manchmal ist auch eine radiologische Darstellung der Hirngefäße mittels Angiographie, bei der Kontrastmittel direkt in große Hirnarterien gespritzt wird, erforderlich. Daneben muss bei einem Schlaganfall auch das Herzen und der Kreislauf genau untersucht und z.B. ein Herzinfarkt oder eine Herzschwäche ausgeschlossen werden. Embolie (Blutgerinnsel)-Quellen im Herzen können mittels Herzultraschall (durch die Brust = transthorakal, oder durch die Speiseröhre mit einer dünnen optischen Sonde = transösophageal) gesucht werden. Daneben muss Diagnostik bei der Suche und Behandlung von Risikofaktoren eingesetzt werden (24-Stunden-Blutdruckmessung und EKG-Messung, Stoffwechseluntersuchungen auf Diabetes und erhöhte Blutfette, etc.).

Therapie

Die häufigste Therapie zur Vorbeugung von Hirninfarkten sind (neben der optimalen Einstellung der Risikofaktoren (dazu gehört auch mit dem Rauchen aufzuhören!)) die Thrombozytenaggregationshemmer (z.B. ASS, das bei einer Dosis von 100-300 mg/Tag zu einer Risikoreduktion von ca. 25% führt). Weitere Mittel sind Clopidogrel oder eine fixe Kombination von ASS und Dipyridamol. Einer Minderheit von Patienten wird eine so genannte 'Antikoagulation' mit Marcumar empfohlen.

Beim Vorliegen einer mehr als 70%-igen Stenose der Halsschlagader (Arteria carotis interna im Abgangsbereich), die entsprechende Symptome verursacht hat, ist der Nutzen einer Operation (Carotisendarterektomie) bewiesen, das Schlaganfallrezidivrisiko wird drastisch gesenkt.

Die Alternativbehandlung statt des operativen Vorgehens ist eine kathetergestützte Dehnung und STENT Versorgung (Aufdehnung des Gefäßes mittels Ballon und Einsetzen eines Metallgitters). Dieses Verfahren ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sicher etabliert und befindet sich noch in der Erprobung.

Bei vom Herz ausgehenden Gerinnseln (kardiogene Embolien) (ca. 20% aller Schlaganfälle), z.B. im Rahmen einer Herzrhythmusstörung mit absoluter Arrhythmie bei Vorhofflimmern, ist nach wie vor die Antikoagulation (z.B. Marcumar) in der Regel als Therapie der Wahl sowohl zur Primär- als auch Sekundärprophylaxe (d.h. bereits vor als auch nach einem Schlaganfall) anzusehen.

In der Nachbehandlung ist die Rehabilitation entscheidend. Der Übergang vom Aufenthalt in einem Akutkrankenhaus in eine stationäre Reha-Einrichtung ist bundesweit mittlerweile recht gut organisiert. Demgegenüber ist die Frage der ambulanten Weiterbetreuung nach stationärer Rehabilitation häufig nur unzureichend geklärt. Hier sind Betroffene oft auf das Angebot von Selbsthilfegruppen (in Mainz Kiss-Mainz: Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes - Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland e.V.), Behindertensport, Möglichkeiten der ambulanten Krankengymnastik, Logopädie, Ergotherapie oder Neuropsychologie sowie der beruflichen Wiedereingliederung angewiesen. Tipps hierzu finden sich im Schlaganfallführer der speziell für die Mainzer Region von unserer Internetseite heruntergeladen oder ausgedruckt werden kann.

In der akuten Phase nach einem Schlaganfall geht es um die Stabilisierung und optimale Einstellung von Blutdruck, Körpertemperatur und Blutzucker u.a. Parametern. Alle diese Maßnahmen sind am besten auf den mittlerweile in allen Bundesländern eingerichteten Stroke-Units zu gewährleisten, die eine interdisziplinäre, rasche und spezialisierte Abklärung und Therapie des Patienten vorhalten können.

Weitere Informationen

Auf der Internetseite der Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe finden Sie Information für Betroffene und Ärzte, sowie Links zu Kliniken, Organisationen und Ratgeber.

Bitte lesen Sie hierzu auch die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

SWR Landesschau vom 29.10.2014 mit PD Dr. Klaus Gröschel am Weltschlaganfalltag

Ursachen des Schlaganfalls: Nachtvorlesung am 19.4.2012