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Archiv

2016

Die Klinik und Polikklinik für Kinderchirurgie der Universitätsmedizin hat ihre Räume für die ambulante Behandlung umgestaltet. Dafür wurden zwei Räume im Erdgeschoss des Gebäudes 109 miteinander verbunden. Am Freitagnachmittag wurden diese unter dem Motto „Neue Räume für neue Aufgaben“ offiziell eingeweiht.

Zuvor wurden alle Kinder, ob Notfall oder ambulante Patienten, in einem etwa 14 Quadratmeter großen Raum behandelt. Nun stehen zwei etwa 20 Quadratmeter große Räume zur Verfügung, die es den sechs Fachärzten ermöglichen, Vorbereitungen in einem Zimmer zu treffen, während direkt nebenan behandelt wird. Auch kleinere Operationen, die keine Narkose benötigen, können hier durchgeführt werden. Viele neue technische Geräte sollen den Chirurgen die Arbeit erleichtern und den kleinen Patienten und ihren Familien die Behandlung so angenehm wie möglich machen.

So dient ein neuer Monitor nicht nur dazu, den Patienten ihre Befunde zu veranschaulichen, sondern kann auch genutzt werden, um den Kindern mit Videos die Wartezeit kurzweiliger zu gestalten. Ein Scanner erlaubt es, Befunde innerhalb kürzester Zeit elektronisch zu übermitteln. Über ein neues, eigenes Ultraschallgerät freut sich der Leiter der Kinderchirurgie, Professor Oliver Muensterer, besonders.

Mit dem gesamten kinderchirurgischen Team im Rücken zerschnitt Muensterer das rote Band zum neu gestalteten Raum E 333. Dieser wird jetzt von den Mitarbeitern nur als „grüner Raum“ bezeichnet. Denn seine Wände und Decken schmücken Malereien der Künstlerin Caroline Friederike Bachmann aus Offenbach, die überwiegend in Grün gehalten sind. Auch die Medizinschränke sind grün. Im Nachbarzimmer hat sich Caroline Friederike Bachmann eine Fantasiewelt aus blauen Schnörkeleien einfallen lassen. Sieben Jahre zuvor hat sie schon einmal für die Kinderchirurgie gearbeitet und damals die Station im zweiten Stock verschönert.

Mit Malereien gestaltet

Die Kinder und ihre Familien sollen durch die Malereien abgelenkt und in eine andere Welt entführt werden. „Wir wollten kein brutales Krankenhauszimmer gestalten“, sagte Dr. Stephan Rohleder. Der Oberarzt war maßgeblich bei der Ideenfindung und Planung der neuen Räume beteiligt. Seine Erfahrung ist, dass insbesondere die Malereien die Kinder auf andere Gedanken bringen. Auch die Eltern steigen darauf ein und spielen mit ihren Kindern „Ich sehe was, was du nicht siehst“, beobachtet er. „So sind die Kinder abgelenkt von dem, was kommt, das ist positiv“, sagte Stephan Rohleder.

Finanziert wurde das Projekt, das seit eineinhalb Jahren läuft, unter anderem von Spendengeldern des Vereins Sterntaler. Das Logo des Vereins, ein Mädchen, das mit seinem Kleid Sterne auffängt, findet sich deswegen auf einer Wand wieder. Auch die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung, die medizinische Projekte fördert, und Samsung haben gespendet. Für die Zukunft wünschen sich die Chirurgen ein kinderoperatives Zentrum, in dem alle Bereiche zusammenlaufen. Außerdem soll der Wartebereich aufgehübscht werden. „Das war jetzt der erste Schritt, wie es weitergeht, muss man sehen“, sagt Dr. Jan Gödeke.

Projekt „Tunnelflieger“

Auf der Agenda steht auch der unterirdische Gang zum OP-Trakt, der mit dem Projekt „Tunnelflieger“ kindgerecht gestaltet werden soll.

Quelle: Allgemeine Zeitung vom 09.04.2016

Das Edith Heischkel-Mentoring-Programm für Frauen an der Unimedizin geht in eine neue Runde – die neunte mittlerweile. Seit 2007 betreuen 15 erfahrene Mentoren und Mentorinnen für ein Jahr 15 Mentees, dieses Jahr sind darunter acht Medizinerinnen, fünf Frauen mit naturwissenschaftlicher Ausbildung und zwei Psychologinnen. Bei der Auftakt- und Abschlussveranstaltung in der Frauenklinik, wurde das Mentoring-Programm vorgestellt, das von den Gleichstellungsbeauftragten, dem Ausschuss für Chancengleichheit des Fachbereichs Medizin und dem Frauenbüro der JGU initiiert wurde.

„Obwohl der Anteil an Frauen im naturwissenschaftlichen und ärztlichen Bereich hoch ist, sind kaum Frauen in Führungspositionen“, berichtet Staatssekretär Professor Thomas Deufel. Das Ziel des Programms ist es, mehr hochqualifizierte Frauen durch spezielle Förderung und Unterstützung in wissenschaftliche und ärztliche Führungspositionen zu bringen. „Mentoring ist eines der vielversprechendesten Instrumente der Organisations- und Personalentwicklung und hilft uns dabei, das Potenzial unserer jungen Mitarbeiterinnen nutzbar zu machen“, betont Professor Stephan Letzel, Prodekan für Studium und Lehre.

Das Programm basiert auf drei Säulen: Dem Eins-zu-Eins-Mentoring, das bei der individuellen Karriereplanung unterstützt, dazu Workshops, die etwa bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie helfen, und auf Treffen, die Netzwerken und Austausch fördern sollen. „Jede der Säulen hat ihre Berechtigung, besonders die Workshops helfen, die persönlichen Fähigkeiten zu fördern und das Wissen im Alltag praktisch anzuwenden“, berichtet Dr. Anja Fruth, Oberärztin an der Frauenklinik, die gerade als Mentee das Programm abgeschlossen hat.

Auch die Sprecherin des Programms, Professorin Monika Daubländer, ist von den Ergebnissen überzeugt: „Unsere Erwartungen wurden zum Teil sogar übertroffen.“ Tina Zimmermann, Diplom Biochemikerin und Absolventin des Programms, erzählt am Ende ihres Erfahrungsberichts: „In ferner Zukunft möchte ich dem Programm etwas zurückgeben und selbst als Mentorin teilnehmen.“

Wir freuen uns sehr für Frau Dr. Anne-Sophie Holler, dass Sie ein Stipendium des Edith Heischkel-Mentoring-Programms erhalten hat und gratulieren ihr hierzu herzlich. Das Team der Kinderchirurgie.

Quelle: Allgemeine Zeitung vom 22.03.2016

Kinderchirurgie auf der Rheinland-Pfalz Ausstellung 2016 - Projekt "Tunnelflieger"

2015

Anastasiia
Quelle: Allgemeine Zeitung

Anastasiia drückt sich am Laufwagen hoch, ihre Arme zittern, ihr Gesicht verzieht sich vor Anstrengung. Aber sie schafft es: Sie steht. Und dann macht sie zwei Schritte. Vor zwei Monaten war das noch undenkbar. Als Anastasiia im Dezember schwer verletzt in die Mainzer Unimedizin kam, waren sogar manche Ärzte skeptisch, ob sie jemals wieder gesund würde. Aber das Team von Professor Oliver Muensterer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie, hat das neunjährige Mädchen aus der Ukraine erfolgreich behandelt. "Dass sie jetzt läuft, ist sagenhaft und grenzt an ein Wunder", sagt Muensterer.

Ein Lastwagen hatte Anastasiia in ihrer Heimatstadt Kiew Anfang 2014 überfahren. Sie erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, Verbrennungen der Haut, schwerste Verletzungen innerer Organe und Knochenbrüche unter anderem im Beckenbereich. Zunächst behandelten sie Ärzte der Kinderklinik in Kiew. Doch dort hatte sie kaum eine Chance zu überleben. Professor Hansjürgen Doss, Mainzer und Honorarkonsul der Ukraine, erzählt von einem Besuch in Kiew. Der Kiewer Chefarzt habe ihn an Anastasiias Bett geführt und gesagt: "Wenn du sie nicht mitnimmst, wird sie sterben." Doss: "Ich konnte doch nicht einfach das Mädchen sterben lassen." Also setzte er alle Hebel in Bewegung und ließ Anastasiia zur weiteren Behandlung nach Mainz bringen.

"Anastasiia hatte sieben Monate lang im Bett gelegen und dabei alle Beweglichkeit verloren", sagt Dr. Martin Schwind, Oberarzt der Kinderchirurgie. Die Beweglichkeit galt es, mit Physiotherapie und Unterstützung von Ärzten und der mitgereisten Mutter und Oma, wiederherzustellen. "Seit Anastasiia erkannt hat, dass sie laufen kann, macht sie von Tag zu Tag Fortschritte", freut sich Schwind. Er hat ihr die Aufgabe gegeben, jeden Tag fünfmal von der Tür ihres Zimmers bis zum Fenster zu laufen. Übung sei sehr wichtig, damit sie nicht zurückfällt, so Schwind. Daher würden die Ärzte Anastasiia nach der Behandlung in Mainz am liebsten in eine deutsche Reha-Klinik überweisen. Doch Anastasiia wünscht sich, zu ihrem Vater und den Geschwistern in die Heimat zurückzukehren. Deshalb versucht Doss nun, ihr eine gute Weiterbehandlung in der Ukraine zu sichern. Dazu traf er sich am Donnerstag mit Vitali Klitschko, dem Bürgermeister von Kiew, um einen guten Physiotherapeuten für Anastasiia aufzutreiben. Auch über eine Kooperation zwischen der Kiewer und der Mainzer Kinderklinik wollten sie laut Doss sprechen.

Geldspenden von Privatpersonen und Vereinen und Sachspenden von Sanitätshäusern, Apotheken und Herstellern medizinischer Geräte machen Anastasiias Behandlung möglich. Auch die AZ hatte zum Spenden aufgerufen. 90 000 Euro veranschlagte die Uniklinik für die Behandlung. Wie hoch die Gesamtkosten am Ende sein werden, kann die Klinik zurzeit nicht sagen.

Am 2. Februar kehrt Anastasiia in die Ukraine zurück. Muensterer blickt positiv in die Zukunft: "Wir können davon ausgehen, dass sie ein lebenswertes Leben haben wird." Er hält es für möglich, dass das Mädchen in einigen Jahren zur weiteren Behandlung ihrer Hüfte, die falsch zusammengewachsen ist, wieder nach Mainz kommt.

Die neunjährige Anastasiia, die in der Mainzer Universitätsmedizin seit Dezember behandelt wurde, ist gemeinsam mit ihrer Mutter wieder in ihr Heimatland zurückgeflogen.

Der ukrainische Honorarkonsul Prof. Hansjürgen Doss, auf dessen Initiative hin die Behandlung des im April 2014 bei einem Verkehrsunfall in der Ukraine schwer verletzten Mädchens in Mainz ermöglicht wurde, war sichtlich gerührt, als er Anastasiia am Frankfurter Flughafen verabschiedet hat. „Sie ist in einem besseren gesundheitlichen Zustand, als wir uns das erhofft hatten“, sagte Doss. Die Unimedizin mit dem Team um Professor Oliver Muensterer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie, habe hervorragende Arbeit geleistet.

In Kiew muss das Mädchen natürlich weiterbetreut werden. Dazu habe er den Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko um Unterstützung gebeten. Außerdem geht Doss davon aus, dass in etwa anderthalb Jahren eine Nachbehandlung der Hüfte in Deutschland nötig sein wird.

Überwältigend sei die Spendenbereitschaft gewesen, mit der der Transport von Anastasiia von der Ukraine nach Deutschland und die Behandlung in Mainz finanziert wurde. „Es gab über 300 Spender“, berichtet Doss. „Die Finanzierung ist gesichert.“

Ein Lastwagen hatte Anastasiia in ihrer Heimatstadt Kiew überfahren. Sie erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, Verbrennungen der Haut, schwerste Verletzungen innerer Organe und Knochenbrüche unter anderem im Beckenbereich. Sieben Monate lange behandelten sie Ärzte der Kinderklinik in Kiew. Aufgrund des Kriegs in der Ukraine war aber nur eine eingeschränkte Betreuung des Mädchens möglich.

Anastasiia zu Hause



 

 

Am 25. und 26. Juli 2015 fand unser diesjähriges PAFIS Symposium in Mainz statt. Hierzu kamen weltbekannte Spezialisten, die zu den Themen gastroösophagealer Reflux, Achalasie, Ösophagusatresie und metabolische Chirurgie referierten und mit den Teilnehmern hierüber diskutieren konnten. In der Dezember Ausgabe des Krümelchen´s, welches die Organisation KEKS (KEKS Patienten - und Selbsthilfeorganisation für Kinder & Erwachsene mit kranker Speiseröhre) monatlich herausgibt, erschien zu unserem PAFIS Symposium ein Artikel, den Sie unter folgendem  Link (Pdf , 1,6 MB)  (1.6 MB) gerne downloaden können.


2014

Anastasiia
Die kleine Anastasiia in ihrem Zimmer in der Kinderchirurgie

Wahrscheinlich war es ein ganz normaler Tag im April, eine ganz normale Straße. Ein fröhliches Mädchen, das diese Straße überquert, auf der ein Lastwagen fährt. Unzählige Male geht das täglich gut. Doch für Anastasiia, 9 Jahre, wurde diese eigentlich ganz normale Szenerie zum Albtraum. Sie wurde von einem Laster überrollt, erlitt dabei Verbrennungen, schwerste Verletzungen innerer Organe und mehrere Knochenbrüche.

Mit Mutter, Oma und Ärztin

Die kleine Ukrainerin, auf deren Land die halbe Welt gerade blickt, hätte es unter normalen Umständen wohl nicht in die Zeitung geschafft. Doch im größten Unglück hilft manchmal der Zufall. Als Anastasiia mit schlechten Heilungsaussichten schon seit fast fünf Monaten in der Kinderklinik Okhmatdyt in Kiew lag, erfuhr Honorar-Konsul Prof. Hansjürgen Doss von ihrem Schicksal (die AZ berichtete). Aufgrund seines Engagements landete Anastasiia, begleitet von Mutter, Großmutter und einer Ärztin, am Montag auf dem Frankfurter Flughafen.

Ein Spezialtransporter brachte sie zunächst in die Flughafenklinik, von dort ging es jedoch schnell weiter nach Mainz. Gerade zwei Stunden nach der Landung wurde das Kind im Universitätsklinikum aufgenommen. „Der Transport ist problemlos verlaufen“, lautet das Fazit von Dr. Nadia Kisil, der begleitenden Ärztin, die Anastasiia schon in Kiew behandelte.

Noch ist die Finanzierung der Behandlung nicht geklärt, man habe bisher etwa ein Drittel der nötigen 80 000 Euro an Spenden eingesammelt, sagt der ehemalige Bundestagsabgeordnete Doss. Trotzdem: „Wir sind ihm sehr dankbar“, betont Kisil.

Neben Nadia Kisil stehen drei weitere Ärzte im Krankenzimmer, von dessen Fenster „Puh der Bär“ fröhlich auf den Gang blickt, und während die Mediziner das sehr dünne Mädchen in Empfang nehmen, steht ein Fernsehteam vor der Tür. Ihren genauen Behandlungsplan werden die Ärzte erst in den kommenden Tagen festlegen.

Zwei Monate in der Klinik?

Zwei Monate Klinikaufenthalt veranschlagt Prof. Oliver Muensterer. Ob Anastasiia wieder ganz gesund werden könnte? „Davon kann man nicht ausgehen“, sagt der Leiter der Kinderchirurgie, es sei mit bleibenden Schäden zu rechnen.

Die Neunjährige hat schwerste Verletzungen davongetragen. Ob sie je wieder richtig laufen oder Kinder bekommen kann? Ihre Aussichten sind sicherlich besser als in der Heimat. „Es ging nicht um das unmittelbare Überleben von Anastasiia“, sagt Kisil. Doch sie und ihre Kollegen seien mit ihrem Latein am Ende gewesen, nachdem die Heilung nicht wie gewünscht verlief.

Darum geht es auch Doss. „Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“, zitiert er aus dem Talmud. Damit das funktionieren kann, sind weitere Spenden nötig.

Schwerste Verletzungen

Muensterer ist hoffnungsvoll, dass die Chancen verhältnismäßig gutstehen. „Die Ärzte in Kiew haben alles getan, was sie unter den gegebenen Umständen tun konnten“, erklärt der Mediziner. In Mainz sei man jedoch erfahren in der Behandlung polytraumatischer Zustände – auch wenn die Kombination der Verletzungen in Verbindung mit der bereits langen Behandlungszeit einen Sonderfall darstelle. Als größte Herausforderung sieht er die nötige Rekonstruktion des Beckenbodens.

Ihren Mut hat Anastasiia jedenfalls noch nicht verloren. „Es geht ihr besser, als wir erwarten konnten“, sagt Muensterer. „Und sie lächelt“.

  

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