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Tumoren des Gehirns und des Rückenmarks

"In den letzten zehn Jahren hat sich auf dem Feld der Neuroonkologie viel getan. Mediziner lernen Tumoren des Nervensystems zunehmend besser zu verstehen und gezielt zu behandeln." (Univ.-Prof. Dr. F. Ringel, Leiter des NOZ und Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik)

Hintergrundinformation

Primäre Tumoren des Zentralen Nervensystems, also Tumoren, die aus Gehirn und Rückenmark hervorgehen, treten mit knapp 7000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland im Vergleich zu anderen Tumorerkrankungen verhältnismäßig selten auf. Je nach Art des Tumors ist die Prognose sehr unterschiedlich. Etwa ein Drittel der Tumoren sind meist gutartige Meningeome, die von den Hirn- oder Rückenmarkshäuten ausgehen. Hypophysentumoren, die von der Hirnanhangdrüse ausgehen, sind ebenfalls meist gutartig und machen etwa 15 Prozent der Tumoren aus; gutartige Tumoren der peripheren Nerven knapp 10 Prozent. Etwa 30 Prozent der Hirntumoren sind Gliome, die sich aus dem Stützgewebe des Gehirns, den Astrozyten und Oligodendrozyten, entwickeln. Etwa die Hälfte der Gliome werden als Glioblastome bezeichnet und zeichnen sich durch aggressives Wachstum, Therapieresistenz und eine sehr schlechte Prognose aus, so dass neue Therapieansätze dringend erforderlich sind. Gliome stehen deshalb seit langem im Fokus neuroonkologischer Forschung.
 
Das bessere Verständnis molekularer Veränderungen bei der Entstehung der Gliome ist die Grundlage für individuelle medikamentöse Therapieansätze. So basieren aktuelle, zunehmend individualisierte Gliomtherapien in vielen Fällen auf der "molekularen Signatur" - also dem genetischen Bauplan - der Tumoren. Dennoch bleiben operative Behandlungen wichtig. Neue Operationsstrategien und Techniken lassen sicherere und vollständigere Tumorentfernungen zu.

Die Neuroonkologie am UCT Mainz bietet Patienten mit Hirntumoren eine umfassende Betreuung auf höchstem Niveau

Insgesamt ist die Neurochirurgie heutzutage hoch technisiert. Da Neurochirurgen Eingriffe in extrem sensible Bereiche vornehmen, ist eine detaillierte und verlässliche Planung der Operation besonders wichtig. Die virtuelle Operationsplanung sowie Simulations- und Navigationsverfahren zählen zu den Schwerpunkten des Neuroonkologischen Zentrums (NOZ) am UCT Mainz. Hierbei steht die interdisziplinäre Versorgung und enge Kooperation zwischen allen beteiligten Fachdisziplinen stets im Vordergrund.
 
Auch Wachoperationen sind ein weiterer Schwerpunkt am NOZ. Sie sind dann angezeigt, wenn ein Tumor in einem funktional wichtigen Bereich des Gehirnes liegt, am häufigsten nahe am Sprachzentrum. In diesem Fall ist es nötig, die Sprachfunktionen während der Operation zu überwachen. Dies geht nur, wenn der Patient wach ist und aktiv kommunizieren kann. Eine Operation im wachen Zustand erscheint paradox, ist aber möglich, da das Gehirn schmerzunempfindlich ist.
 
Neben der wissenschaftlichen Untersuchung molekularer Veränderungen von Tumoren zur Entwicklung individualisierter Therapiestrategien ist die Erforschung der psychosozialen Bedürfnisse von Hirntumor-Patienten und deren Angehörigen ein weiteres wichtiges Anliegen des NOZ. Im Vordergrund steht hierbei die Etablierung eines Versorgungsnetzwerkes, das vom Krankenhaus über die ambulante fach- bzw. hausärztliche Versorgung bis hin zur Hilfe in der häuslichen Umgebung reicht.
 
Trotz verbesserter Therapieansätze und Heilungschancen ist und bleibt die Diagnose Hirntumor für jeden Betroffenen zunächst ein großer Schock. Dies hängt natürlich mit der zentralen Bedeutung des Gehirns zusammen. Die Vorstellung, in diese sensiblen Strukturen mit Skalpell, Medikamenten und Strahlen einzugreifen, ist für viele Menschen sehr beängstigend. Deshalb gehören die individuelle Betrachtung der Umstände und Belastungssituationen jedes Patienten und eine psychoonkologische Unterstützung unabdingbar zur Versorgung der Patienten am NOZ.