DRUCKEN

Leukämie und weitere Tumoren des blutbildenden Systems

"Erkrankungen des blutbildenden Systems stellen auch heute noch eine große Herausforderung für Patienten und Ärzte dar. Neue Entwicklungen, wie etwa die Entschlüsselung des genetischen Bauplans eines Tumors, haben allerdings zu einem besseren Verständnis der Tumorentstehung und zu effektiven therapeutischen Möglichkeiten geführt – so dass eine Leukämie-Erkrankung heute in sehr vielen Fällen heilbar ist." (Univ.-Prof. Dr. M. Theobald, Leiter des UCT Mainz, Direktor der III. Med. Klinik und Poliklinik)

Hintergrundinformation

Tumore und Erkrankungen des Blutes, des Knochenmarks und des Lymphsystems betreffen immer den ganzen Körper – und unterscheiden sich so grundsätzlich von lokalen Tumoren anderer Organe. Dies müssen Mediziner bei der Planung der Behandlung berücksichtigen – und mit ihren medizinischen Maßnahmen Tumorzellen überall im Körper angreifen und zerstören. Zu den Erkrankungen des blutbildenden Systems zählen etwa Leukämien, Lymphome, Multiple Myelome oder auch Myeloproliferative Erkrankungen. Während manche von ihnen einen schleichenden und oft wenig belastenden Verlauf nehmen können, bedürfen andere Erkrankungen einer sofortigen und aggressiven Therapie. 
 
Moderne Behandlungsverfahren umfassen neben klassischen Konzepten wie Chemo- oder Strahlentherapie auch vergleichsweise neue Ansätze, in denen das Immunsystem den Tumor bekämpfen hilft: Hierzu zählen etwa der Einsatz von Antikörpern oder von spezifischen Immunzellen, den so genannten T-Zellen. Zudem kommen heutzutage Substanzen – sogenannte small molecules oder Inhibitoren – zum Einsatz, die in den Stoffwechsel des Tumors eingreifen und bestimmte Signalwege in Tumorzellen hemmen.
 
Ein besonderes Verfahren ist die Transplantation von eigenen (autolog) oder fremden (allogen) hämatopoetischen Stammzellen – für viele Patienten ist dies der einzige Weg für eine dauerhafte Heilung. Ziel ist, die krankhaft veränderten Stammzellen durch gesunde Zellen zu ersetzen, die dann für eine funktionierende Blutbildung sorgen.

Das UCT Mainz bietet Patienten mit hämatologischen Krankheiten das gesamte Spektrum derzeit verfügbarer Behandlungsoptionen

Am UCT Mainz werden Patienten mit hämatologischen Krankheitsbildern ambulant und stationär mit dem gesamten Spektrum der derzeit verfügbaren Behandlungsoptionen betreut. Die Entwicklung von individualisierten Therapiekonzepten ist hierbei gelebter Standard, um den Bedürfnissen unserer Patienten in besonderer Weise Rechnung zu tragen. Individuelle Konzepte sind deshalb wichtig, da etwa die akute lymphatische Leukämie kein einheitliches Krankheitsbild ist, sondern sich von Patient zu Patient stark hinsichtlich Krankheitsverlauf und Heilungschancen unterscheidet.
 
Ein ausgewiesener Schwerpunkt ist die Stammzelltransplantation – insbesondere von allogenen Zellen. Wir bieten sehr viele verschiedene Transplantationsverfahren an. Unsere klinische und wissenschaftliche Expertise liegt dabei auf besonders schonenden Verfahren und in der Langzeitnachsorge. Das assoziierte Labor für die Herstellung von Blutstammzellpräparaten ist nach internationalen Kriterien zertifiziert.
Neben der klinischen Versorgung von Patienten beschäftigen sich acht Arbeitsgruppen mit den Grundlagen der Tumorentstehung und der Entwicklung neuer Behandlungsstrategien. Denn eine wesentliche Aufgabe universitärer Medizin ist die zügige Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die klinische Praxis. Durch den raschen Transfer innovativer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Klinik kommen kontinuierlich zahlreiche, hoch-effektive Therapieverfahren zur Anwendung.
 
In der zugehörigen Studienzentrale haben Patienten dann Zugang zu innovativen Therapien, die sich noch in der frühen klinischen Erprobung befinden. Die zunehmende Individualisierung der Therapie erfordert hierbei zahlreiche Studienkonzepte für die unterschiedlichen Bedürfnisse. In der Regel werden im Bereich der Hämatologie mehr als 60 aktive Therapiestudien angeboten, zudem werden in mehr als 200 Studienkonzepten Patienten nach Abschluss ihrer Behandlung beobachtet.