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Darmkrebs

"Darmkrebs ist heilbar, wenn er früh genug erkannt wird. Wir ermuntern daher ausdrücklich jeden, die unkomplizierte Darmspiegelung als Krebsvorsorge wahrzunehmen.“ (Univ.-Prof. Dr. Peter Galle, Leiter des Viszeralonkologischen Zentrums am UCT Mainz und Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik)

Hintergrundinformation

Darmkrebs, im Fachjargon kolorektales Karzinom, ist in Deutschland der dritthäufigste bösartige Tumor bei Männern und der zweithäufigste bei Frauen. Im Jahr 2010 erkrankten etwa 34.000 Männer und 29.000 Frauen neu daran.
 
Neben genetischen Faktoren sowie begünstigenden Erkrankungen, wie den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, ist vor allem die Ernährung ein Risikofaktor. Eine kalorien- und fettreiche sowie ballaststoff- und vitaminarme Ernährung erhöht das Erkrankungsrisiko, während eine ballaststoff- und vitaminreiche sowie fettarme Ernährung das Erkrankungsrisiko senkt. Regelmäßige körperliche Bewegung hat eine schützende Wirkung, während Übergewicht das Risiko verdoppelt. Unklar ist jedoch, ob das Übergewicht an sich, die mangelnde Bewegung oder die erhöhte kalorienreiche Ernährung verantwortlich ist.
 
Tumoren im Darm entwickeln sich meist aus Polypen, das sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut, die zunächst gutartig sind. Dies geschieht oft sehr langsam über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren. Diese gut erforschte Tumorentstehung ermöglicht eine gute und verlässliche Früherkennung und Prävention durch Darmspiegelung und Polypen-Entfernung. Eine frühzeitige Diagnose ist daher für eine erfolgreiche Behandlung essentiell. So liegt die 5-Jahres-Überlebensrate in diesem frühen Stadium bei bis zu 100 Prozent. Über den Darm und seine Beschwerden spricht allerdings keiner gerne. So wird leider eine hohe Zurückhaltung beobachtet – teils auch aus falscher Scham – wenn es darum geht, die guten Vorsorgeangebote in Anspruch zu nehmen. 

Das Viszeralonkologische Tumorzentrum des UCT Mainz ist aktuell das einzige derartige Zentrum in Rheinland-Pfalz

Bei Darmkrebs ist eine endoskopische Entfernung oder die Operation, bei der der Tumor und seine versorgenden Lymphgefäße vollständig entfernt werden, die erste Therapiemethode der Wahl. Aber auch Chemo- und Strahlentherapie gehören oft zum Behandlungsplan. Häufig werden sie vor einer Operation eingesetzt, um den Tumor oder Tochtergeschwülste (Metastasen) zunächst zu verkleinern. Welche Behandlungsstrategie die jeweils beste für den einzelnen Patienten ist, legen am UCT Mainz Experten der Gastroenterologie, Onkologie, Allgemeinchirurgie, Strahlentherapie, Radiologie und Pathologie in den wöchentlich mehrmals stattfindenden Tumorkonferenzen fest.
 
Die OP-Techniken entwickeln sich stetig weiter: Liegt der Tumor etwa im Enddarm, setzen die Chirurgen der Universitätsmedizin Mainz seit 2014 auf ein neues minimal-invasives Verfahren, bei dem sie den Tumor mit Unterstützung der Videoendoskopie entfernen. Der große Vorteil hierbei ist, dass der Schließmuskel erhalten werden kann und Patienten keinen dauerhaften künstlichen Darmausgang in Kauf nehmen müssen. Dies ist ein großer Gewinn an Lebensqualität für die Patienten. In Deutschland gehört das Viszeralonkologische Zentrum des UCT Mainz zu den Vorreitern, was den Einsatz und die wissenschaftliche Bewertung dieser sogenannten Hybrid-TAMIS TME-Methode angeht.
 
Für die medikamentöse Therapie stehen neben klassischen Chemotherapeutika immer mehr neue innovative Antikörper-Therapien zur Verfügung, die oftmals gemeinsam mit einer Chemotherapie eingesetzt werden. Diese Kombinationen von Chemo- mit Immuntherapie ermöglichen immer öfter chirurgische (Nach-)Operationen von Metastasen, so dass hier neue, bisher nicht verfügbare Heilungschancen entstehen. Gerade beim Darmkrebs wird schon seit vielen Jahren auf Antikörper zurückgegriffen. Diese helfen dem körpereigenen Immunsystem, sich besser gegen den Tumor zur Wehr zu setzen. Solche innovativen Ansätze im Bereich der Immuntherapie sind aktuell Gegenstand zahlreicher laufender Studien am UCT Mainz. Auf der Entwicklung solcher neuer Therapieverfahren liegt ein besonderer Schwerpunkt der universitären Abteilungen.