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Neurovaskuläre Schlaganfallforschung

Die „Neurovaskuläre Arbeitsgruppe“ beschäftigt sich wissenschaftlich überwiegend mit interdisziplinären Projekten, bei denen eine optimierte klinische Patientenversorgung als Ziel im Vordergrund steht. Neben der Rekrutierung und Betreuung von Patienten im Rahmen von Multicenter-Studien, werden in Kooperation mit disziplinär angrenzenden Abteilungen Investigator-Initiated-Trials durchgeführt. Die Detektion von Vorhofflimmern, die interventionelle Akutbehandlung des Schlaganfalles oder die Langzeitbeobachtung von Patienten mit extra- und intrakraniellen Stents sind hier beispielhaft als Schwerpunkte zu nennen, die in den letzten Jahren etabliert werden konnten. Eine enge Vernetzung mit der lokalen Neurovaskulären Spezialambulanz und dem Neurosonologischen Labor sorgen darüber hinaus für eine optimale Langzeitbetreuung der Patienten.

Aktuelle Projekte:

Schnittstelle „Neurokardiologie” bzw. „Herz und Hirn“

Ein Fokus der Neurovaskulären Schlaganfallforschung liegt an der Schnittstelle „Herz und Hirn“, welche aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht wird. Es konnte erfolgreich ein Investigator-Initiated-Trial (FIND-AF) zur Detektion von Vorhofflimmern bei Patienten mit akutem Schlaganfall durchgeführt und abgeschlossen werden (Stroke 2010). Hierauf aufbauend folge eine randomisierte Studie, in der bewiesen werden konnte, dass eine intensivierte Suche nach Vorhofflimmern tatsächlich auch häufiger bisher unentdecktes Vorhofflimmern findet. Die Ergebnisse wurden auf der Eröffnungsveranstaltung der International Stroke Conference in Los Angeles präsentiert und in der angesehen Fachzeitschrift Lancet Neurology publiziert (Lancet Neurol 2017). Weitere Untersuchungen zu speziellen Biomarkern (z.B. Neurofilament Leichtketten, natriuretische Peptide), Herzecho-Parametern und sozioökonomischen Aspekten werden aktuell evaluiert und ausgewertet. Aus diesen Vorarbeiten aufbauend konnte eine Förderung der Dt. Forschungsgemeinschaft (DFG) eingeworben werden. Hiermit wird nun eine der bisher größten von der DFG geförderten Studien in Deutschland durchgeführt (Intensive Rhythm Monitoring to Decrease Ischemic Stroke and Systemic Embolism - the Find-AF 2 Study), in die 5.200 Patienten eingeschlossen werden sollen. In dieser multizentrischen, randomisierten Studie wird prospektiv untersucht, ob eine intensivierte Suche nach Vorhofflimmern auch zukünftige Schlaganfälle verhindern kann.

Um die Wahrscheinlichkeit der Detektion von Vorhofflimmern nach einem Schlaganfall abschätzen zu können, wurde an einer Kohorte von über 1.500 Patienten der AS5f-Score entwickelt und validiert (mehr Info: deutsch / englisch). Dieser Score verwendet rein klinische Daten: Alter des Patienten, Schlaganfall-Art (Transitorisch ischämische Attacke vs. Schlaganfall) und die Schlaganfall-Schwere; und berechnet hieraus die Wahrscheinlichkeit Vorhofflimmern in einem 72 Stunden Langzeit-EKG zu entdecken. Zudem wird die Number-Needed to Screen angegeben, die angibt wie viele Patienten mit einem 72 Stunden Langzeit-EKG untersucht werden müssen, um einen Patienten mit Vorhofflimmern zu entdecken (Neurology 2019).

Für diese klinisch bedeutende Arbeit wurde der hochdotierte Boehringer-Ingelheim Wissenschaftspreis im Jahr 2019 vergeben.

Akute Schlaganfallversorgung

Im Jahr 2016 wurden die Empfehlungen der akuten Schlaganfalltherapie dahingehend geändert, dass die lokale Thrombektomie zusätzlich zur systemischen Lysetherapie als rekanalisierende Therapie empfohlen wird. Im Rahmen von prospektiven Registern (German Stroke Registry – Endovascular Treatment (GSR-ET)) werden hier zur Qualitätssicherung Daten erfasst, damit eine optimierte Patientenversorgung erfolgen kann. Hierbei spielt auch die seit April 2016 eingeführte Teleneurologische Anbindung von Krankenhäusern eine wichtige Rolle: unsere Abteilung bietet über einen Video-Konsildienst neurovaskuläre Expertise in der Akutversorgung von Schlaganfallpatienten für andere Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz an (www-temes-rlp.de).

Neurofilament Leichtketten – Das „Troponin“ des Neurologen?

Neurofilament Leichtketten sind Bestandteile des Zell-Skeletts von Nervenzellen. Da sie ausschließlich in Nervenzellen vorkommen, besitzen sie das Potential sich zu einem generellen Marker für eine Beteiligung des zentralen Nervensystems zu entwickeln - ähnlich wie das „Troponin“ dem Kardiologen dabei hilft eine Schädigung des Herzens zu entdecken. In Zusammenarbeit mit der AG Bittner und der AG Zipp wird im Blut von Patienten nach einer zerebralen Ischämie der Spiegel von Neurofilament Leichtketten bestimmt. Eigene Arbeiten belegen die Bedeutung von Neurofilament Leichtketten in der Prognoseabschätzung nach einem Schlaganfall. Weitere Arbeiten haben zum Ziel Neurofilament Leichtketten zur Diagnostik und Prognoseabschätzung in speziellen Patientenkollektiven mit neurovaskulären Erkrankungen zu bestimmen, um hieraus direkte Handlungsempfehlungen für die klinische Routine ableiten zu können.

Aktuell beteiligte Studien der Neurovaskulären AG, bei denen Patienten rekrutiert bzw. nachverfolgt werden:

Prospective record of the use of Dabigatrn in patients with acute stroke or TIA (PRODAST)

German Stroke Registry - Endovascular Treatment (GSR-ET)

Strukturierte ambulante Nachsorge nach Schlaganfall (SANO)

Gutenberg Stroke Study - Indentifizierung und Charakterisierung von Markern zur Ätiologie, zum Verlauf und zum Therapieansprechen bei Patienten mit vaskulären Erkrankungen des zentralen Nervensystems (GSS)

Optimal Detection of Atrial Fibrillation in TIA (ODEA-TIA)

Intensive Rhythm Monitoring to Decrease Ischemic Stroke and Systemic Embolism - the FIND-AF 2 Study (Find-AF2)

Gruppenleiter und MitarbeiterInnen

Prof. Dr. med. Klaus Gröschel

Dr. Timo Uphaus

Marianne Hahn

Dr. Eyad Hayani