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Regelmäßige körperliche Aktivität – ein elementarer Bestandteil eines multimodalen Behandlungskonzepts in der Onkologie

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Regelmäßige Bewegung trägt zur Gesundheit bei. Dies gilt nicht nur für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, sondern auch und in besonderem Maße für Tumorerkrankungen. So kann durch körperliche Aktivität einerseits die Lebensqualität, andererseits auch die Wiedererkrankungsrate und Lebenserwartung von Krebspatienten durchaus positiv beeinflusst werden. Und wichtig zu wissen: körperliche Aktivität ist in fast allen Stadien einer Krebserkrankung - nach vorheriger Abstimmung mit dem behandelnden Mediziner - möglich und sicher.

Körperliche Aktivität kann Lebensqualität verbessern

Naheliegend und unstrittig ist, dass sich die körperliche Leistungsfähigkeit, Ausdauer und Muskelkraft bei Tumorpatienten durch regelmäßige körperliche Bewegung erhalten oder auch verbessern lässt. Hierdurch wird zusätzlich auch das Osteoporose- und Sturzrisiko gesenkt. Dies allein kann schon die Lebensqualität von Krebspatienten, denen häufig bereits das Treppensteigen, einfache alltägliche Beschäftigungen im Haushalt oder auch kurze Wege zu Fuß schwerfallen, entscheidend verbessern. Weiterhin deuten Studien darauf hin, dass krankheits- und therapiebedingte Symptome, wie Polyneuropathien, Inkontinenz, Fatigue, Schlafstörungen und depressive Stimmungslagen, durch regelmäßige körperliche Aktivität positiv beeinflusst werden können.

Regelmäßige Bewegung und Krebsprognose

In der Literatur finden sich zahlreiche Hinweise darauf, dass regelmäßige körperliche Aktivität auch die Prognose einer Krebserkrankung positiv beeinflussen kann. So wurde in einer Metaanalyse (1) mit über 12.000 Patientinnen, die an nicht metastasiertem Mammakarzinom erkrankt waren, gezeigt, dass körperliche Aktivität nach Diagnosestellung die Neuerkrankungsrate um 24 Prozent, die krebsspezifische Sterblichkeit um 34 Prozent und die Gesamtmortalität um 41 Prozent reduzieren kann. Bei Darm- und Prostatakrebs konnten noch stärkere positive Effekte beobachtet werden.
 
Zu den molekularen und physiologischen Wirkmechanismen gibt es zahlreiche Hypothesen. Diese reichen von entzündungshemmenden und hormonellen Einflüssen über die Stärkung der Immunabwehr bis hin zu Auswirkungen auf Insulin-assoziierte metabolische Faktoren. Allerdings besteht hier noch erheblicher Forschungsbedarf. 

Wie viel Bewegung tut Krebspatienten gut?

Als Maß einer ausreichenden regelmäßigen körperlichen Bewegung gilt die Faustregel: Fünfmal wöchentlich 30 – 60 Minuten körperliche Bewegung mit leichtem Wärmegefühl, einem erhöhten Pulsschlag und einer angeregten Atmung. Leider nutzen aber nur weniger als zehn Prozent der onkologischen Patienten diese Möglichkeit, den Krankheitsverlauf aus eigener Kraft positiv zu beeinflussen. Gründe hierfür sind ein Gefühl der Überforderung, fehlender Antrieb und mangelndes Vertrauen zum eigenen Körper und zur eigenen Leistungsfähigkeit. Genau hier möchte das Bewegungsangebot des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen der Universitätsmedizin Mainz (UCT Mainz) ansetzen.

"Tumorkrank und trotzdem fit!" - ein Angebot des UCT Mainz

Um Betroffene an regelmäßige körperliche Bewegung heranzuführen und ihnen den Zugang zu erleichtern, bietet das UCT Mainz die ambulante Aktivitätsgruppe "Tumorkrank und trotzdem fit!" an. Ziele dieser physiotherapeutischen Gruppentherapie sind: (1) Verlorenes Selbstvertrauen in den eigenen Körper wiederfinden; (2) Zugang zur realen Belastbarkeit gewinnen; (3) Körperliche Aktivität und Leistungsfähigkeit steigern; (4) Passivität und sozialen Rückzug verhindern.
 

(Pdf , 2,4 MB)
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Die Gruppe findet regelmäßig statt:

Termine

  • donnerstags, 10 Uhr Intensiv-Gruppe (Leistungsstufe 2)
  • donnerstags, 11 Uhr Come-Back-Gruppe (Leistungsstufe 1)
  • Dauer jeweils 45 Minuten
  • Die Gruppen laufen durchgehend das ganze Jahr. Der Einstieg ist nach Absprache jederzeit möglich. Weitere Trainingsangebote und Trainingszeiten am Standort Dr. Martin Luther-Weg 22, Mainz

Veranstaltungsort 
Universitätsmedizin Mainz
Gebäude 505, Untergeschoss, Bewegungshalle, s. Flyer  
 
Organisation und Kontakt
Gesundheitssportverein Mainz e. V.
Tel. 06131 2170848
 info@gesundheitssportverein-mainz.de 
 
 
 

Dr. rer. physiol. Ulrich Betz  
Institut für Physikalische Therapie, Prävention und Rehabilitation (IPTPR)

(1) Ibrahim M, Al-Homaidh A. Physical activity and survival after breast cancer diagnosis: metaanalysis of published studies. Med Oncol 2011; 28:753-65.