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Psychoanalytische und kognitiv-verhaltenstherapeutische Langzeittherapien bei chronischer Depression: Kurz- und Langzeitwirkungen bei präferierter und randomisierter Therapiezuweisung (LAC-Studie)

Projektleiter*innen

Univ.-Prof. Dr. Manfred E. Beutel
Univ.-Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber
Univ.-Prof. Martin Hautzinger (Universität Tübingen)
Dr. Georg Fiedler (Universitätskrankenhaus Eppendorf, Hamburg)
Dr. med. Wolfram Keller (IPU Berlin (2019 verstorben))

Mitarbeiter*innen in Frankfurt

PD Dr. Ulrich Bahrke
Dr. Alexa Negele
Dipl.-Psych. Lisa Kallenbach
Dipl.-Psych. Johannes Kaufhold
Prof. Dr. Luise Laezer
Dr. Mareike Ernst

Mitarbeiter*innen in Mainz

M.Sc. (Psych.) Lina Krakau
Dr. Fabian Escher

Forschungsgegenstand

Die LAC Studie ist die erste kontrollierte Psychotherapiestudie, die die Ergebnisse psychoanalytischer und kognitiv-verhaltenstherapeutischer Langzeitpsychotherapien bei chronisch Depressiven mit randomisierter und präferierter Zuweisung miteinander vergleicht. Von den 554 interviewten chronisch depressive Patienten, konnten in den vier Behandlungszentren 252 in die Studie aufgenommen werden.

Beide Psychotherapieverfahren erwiesen sich drei Jahre nach Beginn der Behandlungen als erfolgreich, um bei diesen oft seit langem kranken Patienten eine signifikante Symptomreduktion zu erwirken. Schon nach einem Jahr nahm der BDI Wert von 32,1 Punkten um 12,1 Punkte ab, nach drei Jahren sogar um 17,2 Punkte (Selbsteinschätzungen der Patienten). Die Effektstärken waren sehr hoch: d = 1.17 nach einem Jahr und d = 1.83 nach drei Jahren. Analoge Ergebnisse zeigten sich in den Einschätzungen der unabhängigen, bezogen auf die Therapieverfahren verblindeten Rater: Die QIDS-C Werte sanken im ersten Jahr von 14,1 auf 7,1 und weiter auf 7,0 drei Jahre nach Beginn der Behandlung. Die Effektstärken waren ebenfalls sehr hoch: sie stiegen von d = 1.56 nach einem Jahr auf d = 2.08 nach drei Jahren nach Behandlungsbeginn. Besser als in anderen Studien sind die erzielten Remissionsraten: 39% der Patienten zeigten schon nach einem Jahr eine volle Remission, nach drei Jahren nach Behandlungsbeginn waren es 61%. Chronisch depressive Patienten profitieren daher von Langzeitpsychotherapien.

Entgegen der Hypothese der Studie gab es, vermutlich wegen der zu geringen Power im Randomisierungsarm, keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen der Symptomreduktion in den beiden Verfahren oder randomisierter und präferierter Zuwendung. Doch zeigte sich nach drei Jahren, dass statistisch signifikant mehr Patienten in PAT (60%) die Kriterien einer Strukturveränderung gemessen mit der Heidelberger Umstrukturierungsskala erfüllten als in der CBT (36%). Zudem gab es nach drei Jahren einen stärkeren Zusammenhang zwischen Strukturveränderungen und Reduktion depressiver Symptome bei PAT als bei CBT. Weitere Auswertungen der Daten zu späteren Messzeitpunkten, zum Einfluss von Medikamenten und gesundheitsökonomischer Daten werden z.Zt. durchgeführt.

Eine Stärke der LAC Studie ist, dass sie die existierende Praxis zur Behandlung von chronisch Depressiven mit Langzeitpsychotherapien gut abbildet: i.a.W. verfügt sie über eine hohe externale Validität. Die Therapien wurden von erfahrenen, staatlich anerkannten Therapeuten in ihrer Privatpraxis durchgeführt und von den Krankenkassen finanziert.

Laufzeit: seit 2007

Förderung: Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse , Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT), Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV);  International Psychoanalytical Association (IPA), Heidehof Stiftung, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Unterstützung von Tagungen zur LAC Studie); Dr. M. von der Tann (Unterstützung der OPD) und weitere private Förderer.

Publikationen: