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Akute Leukämien

 

Diese Seite richtet sich an alle, die sich über die aktuen Leukämien informieren möchten, insbesondere an Patienten und ihre Angehörigen. Wir möchten Ihnen hier einige Kerninformationen zu dem Krankheitsbild liefern und Sie auf diese Weise bei der Bewältigung der enormen Informationsfülle und deren Verständnis unterstützen. 

Ihr Ansprechpartner bei
Akuten Lymphatischen Leukämien:
OA Dr. Joachim Beck
Ihr Ansprechpartner
bei Akuten Myeloischen Leukämien:
OA Dr. Michael Kühn

Ein allgemeiner Überblick

Die akuten Leukämien sind die häufigsten Krebserkrankungen der blutbildenden Stammzellen im Knochenmark. Der Begriff Leukämie stammt aus der griechischen Sprache und beschreibt einen erhöhten Anteil an „weißen Zellen“ – den sogenannten Leukozyten – im Blut. Im Fall der akuten Leukämien handelt es sich um sogenannte „Blasten“; diese sind Vorläuferzellen, die bei der normalen Blutbildung einen sehr kleinen Anteil der Zellen im Knochenmark ausmachen, während sie im Blut normalerweise nicht sichtbar sind.

Bei der normalen Blutbildung entwickeln sich alle Zellen aus unreifen (normalen) Blasten über mehrere Stufen bis hin zu ausgereiften Zellen des peripheren Blutes, den Leukozyten (bestehend aus Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten), Erythrozyten und Thrombozyten. Im Gegensatz dazu zeichnen sich entartete Blasten (Leukämiezellen) durch eine Blockade der Ausreifung und unkontrollierte Verteilung aus, so dass sie sich rasch im Knochenmark vermehren, dabei die normale Blutbildung verdrängen und gegebenenfalls ins Blut ausschwemmen.

Sprechstunde - Akute Leukämien 

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Termine: M3-Hotline 
Tel. 06131 17-7575 
 m3-hotline@unimedizin-mainz.de 

Mo - Do 8:00 - 15:30 Uhr 
Fr 8:00 - 12:00 Uhr 

Weitere Informationen

Die Anhäufung der leukämischen Blasten im Knochenmark verursacht eine sogenannte hämatopoetische Insuffizienz mit Verdrängung der normalen Blutbildung. Hierdurch entstehen in der Regel eine Anämie - die sich als Müdigkeit, zunehmende Leistungsminderung und Luftnot bemerkbar macht -, eine Thrombozytopenie - die sich durch Blutpünktchen der Haut („Petechien“), Nasenbluten oder sogar schwerere Organblutungen äußert -, und eine Neutropenie – die sich durch eine erhöhte Infektionsanfälligkeit mit Fieber, Schüttelfrost und auch organspezifischen Beschwerden wie Luftnot, Halsschmerzen, Magendarm-Beschwerden u.a. bemerkbar macht. Eine sehr hohe Anzahl von Blasten im peripheren Blut kann zudem spezifische Probleme verursachen, die man als Leukostasesyndrom bezeichnet.

Neben einer hohen Leukozytenzahl im Blut können akute Leukämien auch "nur" mit einem Mangel an Leukozyten, Erythrozyten oder Thrombozyten vorkommen. In jedem Fall sollte bei Verdacht auf eine akute Leukämie umgehend eine spezialisierte Klinik für Hämatologie kontaktiert werden, um hier die Diagnose zu sichern oder auszuschließen.

Radioaktive Bestrahlung, Färbemittel- und / oder Benzolexposition können das Risiko für eine Leukämieentstehung begünstigen. Bei den meisten Patienten ist es aber nicht möglich, eindeutig auslösende Faktoren zu identifizieren.

Akute Leukämien entstehen durch Mutationen in blutbildenden Stammzellen, die zu einem Selektionsvorteil aufgrund eines aggressiveren Wachstums und / oder längerem Überleben gegenüber "nicht-mutierten" Stammzellen führen. Heute kennt man fast alle Mutationen, die mit der Entstehung einer akuten Leukämie assoziiert sind. Einige dieser Mutationen haben einen hohen Stellenwert, weil sie für die Prognose relevant sind und / oder therapeutische Konsequenzen haben, da es hier bereits zielgerichtete Therapiemöglichkeiten gibt.

Abhängig von der Ursprungszelle wird zwischen akuten lymphatischen Leukämien (ALL, < 20 % der akuten Leukämien bei Erwachsenen) und akuten myeloischen Leukämien (AML, > 80 % der akuten Leukämien bei Erwachsenen) unterschieden.

Die ALL wird nach bestimmten Zelloberflächenmolekülen und molekularen Markern in prognostisch relevante Untergruppen der B-Zell-ALL und T-Zell-ALL unterteilt. Für die AML ist die molekulargenetische Charakterisierung der Mutationen essentiell für eine weitere Klassifikation. Sowohl bei der ALL als auch bei der AML ist die korrekte Einteilung entscheidend zur Bestimmung der Prognose (Aussichten auf Heilung) und der Behandlung (in den meisten Fällen eine Kombination aus Chemotherapien).

Die Sicherung der Diagnose von akuten Leukämien erfolgt in aller Regel durch eine Blutbild- (nach Blutentnahme) und Knochenmarkanalyse (nach Knochenmarkpunktion). Dabei werden Subtypen der kernhaltigen blutbildenden Zellen ausgezählt und Blasten nach weiteren Merkmalen hin überprüft. Mit Diagnosestellung ist die erweiterte Anamnese, die körperliche Untersuchung und eine breite Diagnostik indiziert (Kontrolle von Laborwerten, EKG, Ultraschall, Lungenfunktion, Blutgasanalyse).

Die Prognose, also die Aussicht auf Heilung, hängt von der Biologie und vom Subtyp der Leukämie und von der körperlichen Verfassung des jeweiligen Patienten ab und variiert sehr stark. Bei gutem körperlichen Zustand und bei sehr Therapie-sensitiven Erkrankungsformen kann häufig sogar eine Heilung erzielt werden. So werden beispielsweise bei akuten Promyelozytenleukämien (einer Subgruppe der AML) Heilungsraten von 95 % erzielt. Bei älteren, häufig vorerkrankten Patienten*innen ist die Behandlung allerdings oft eine Herausforderung und eine Heilung häufig nicht möglich. In solchen Fällen ist eine individuelle Abwägung und Beratung besonders wichtig, um mit möglichst gut verträglichen Therapien die Lebensqualität zu erhalten und die Lebensdauer zu verlängern.

Die Behandlungsschemata der akuten Leukämien bestehen in der Regel aus Chemotherapien, die - wenn möglich - mit zielgerichteten Medikamenten kombiniert werden. Die Wahl des Therapieschemas hängt von dem jeweiligen Leukämietyp und -subtyp, vom biologischen Alter des Patienten und von seinem Allgemeinzustand ab und kann neben Chemotherapeutika auch Antikörper, Enzyme und andere Medikamente enthalten (z. B. epigenetische Modulatoren, Tyrosinkinase-Inhibitoren). Zusätzlich stehen zelluläre Verfahren (allogene Stamzelltransplantation) zur Verfügung, die auch für Patienten mit Hochrisiko-Erkrankungen oder nach einem Rückfall (Rezidiv) noch Heilung bringen können.

Da Patienten mit einer Leukämie individuell sehr unterschiedlich und die Therapiemöglichkeiten vielfältig sind, wird an unserem Zentrum jeder Patientenfall in unserem Hämatologischen Form (Tumorboard) diskutiert und ein individuell auf jeden einzelnen Patienten zugeschnittenes Behandlungskonzept erstellt.

 

 

Klinische Studien

Klinische Studien im Universitären Centrum für Tumorerkrankungen » hier

Alle Studien zu Akuten Leukämien finden Sie dann unter "Studien mit aktueller Rekrutierung" und "Erwachsene - Akute Leukämien / Myelodysplatisches Syndrom".