Visual Universitätsmedizin Mainz

Etablierung von Patienten-Coaches in der UCT-Ambulanz

Neue Qualität der Patientenbetreuung am Universitären Centrum für Tumorerkrankungen Mainz

Eine Krebserkrankung verändert das Leben von Patienten von jetzt auf gleich. Die Mitteilung der Diagnose ist sowohl für die Patienten als auch für die betreuenden Ärzte eine große Herausforderung. Patienten sind oftmals nicht in der Lage, in dieser kritischen Situation die Vielzahl an Informationen, die auf sie einströmen, aufzunehmen. Angst, Stress und Überforderung lassen dies häufig nicht zu und konkrete Fragen entwickeln sich erst einige Zeit später.

Dies erleben wir als Mitarbeiter der UCT-Ambulanz Tag für Tag. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, Patienten-Coaches bzw. Patienten-Begleiter in die Betreuung unserer Krebspatienten zu integrieren, um die Patienten genau dort abzuholen, wo sie jeweils stehen. 

Die Patienten-Coaches in unserer UCT-Ambulanz heute 

Die Aufgabe der Coaches bzw. Begleiter wird heute von unseren drei Fachpflegekräften Andrea Löwenstein, Beate Czepelka und Nicole Schmid, übernommen. Eine der drei Coaches nimmt direkt am ersten Arzt-Patientengespräch teil – so lernen Patient und Coach sich schon frühzeitig kennen. Im Anschluss stellt der Coach dem Patienten die Ambulanz vor und ggf. werden schon jetzt einfache organisatorische Dinge gemeinsam erledigt.

Außerdem vereinbaren Coach und Patient einen persönlichen Besprechungstermin direkt am ersten Tag der Behandlung. So wird dem Patienten etwas Zeit zum „Nachdenken“ gewährt. Was habe ich noch nicht richtig verstanden? Welche Nebenwirkungen kann die Therapie haben? Was ist ein Zyklus und welche Termine stehen mir zukünftig bevor? All diese und weitere Fragen können hier geklärt werden. Auch erhält der Patient in dem etwa einstündigen Gespräch Informationen zu den zahlreichen unterstützenden Angeboten im UCT Mainz, wie der Ernährungs-, Psycho- oder Sozialberatung, den Bewegungs- und Sport-Angeboten sowie den palliativmedizinischen Angeboten. Und hat der Patient weitere Fragen, so können diese später in einem Folgegespräch geklärt werden. 

„Wir möchten unsere Patienten ganzheitlich informieren und aufklären, so dass sie ihre eigene Behandlung aktiv mitbestimmen“, formuliert Andrea Löwenstein das Ziel des Patienten-Coachings in der UCT-Ambulanz. „Wir sind überzeugt davon, dass gut informierte Patienten viel besser lernen, mit ihrer Erkrankung umzugehen. Dies steigert die Zufriedenheit und Therapietreue unserer Patienten und damit auch das Ergebnis der gesamten Behandlung.“ 

"Ein wegweisender Helfer in diesem ganzen Krebs-Wirrwarr …" So beschreibt ein Patient den "Patienten-Coach" in der UCT-Ambulanz des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen Mainz (UCT Mainz). Und genau das soll er auch sein – Wegweiser, Begleiter und Unterstützer. Nach Meinung des gesamten Ambulanz-Teams eine Neuerung, die sich lohnt mit viel Energie und Engagement fest in die tägliche Patientenbetreuung zu integrieren.


2019 mit viel Engagement auf den Weg gebracht

Das Projekt „Patienten-Coach“ wurde Anfang 2019 begonnen. Zunächst gründete sich eine engagierte interdisziplinäre Projektgruppe, bestehend aus einem internistischen Onkologen, einer Palliativmedizinerin, den drei Patienten-Coaches sowie einer Qualitätsmanagerin. In regelmäßigen Treffen wurden konkrete Aufgaben und Prozessabläufe definiert und notwendige Dokumente erstellt. Außerdem nahmen bzw. nehmen alle drei Patienten-Coaches an der Ausbildung zum OncoCoach für Nichtärztliche Mitarbeiter und Pflegepersonal des Arbeitskreises klinische Studien e.V. in Frankfurt (AKS) sowie an mehreren Schulungen zu relevanten Themen wie „Nebenwirkungsmanagement“, „Ernährung und Sport bei Krebs“ u.a. teil.  

Im Frühjahr 2019 waren alle Vorbereitung dann soweit getroffen und die Patienten-Coaches Nicole, Andrea und Beate gingen erstmalig an den Start. In den weiterhin fortlaufenden gemeinsamen Treffen wurden Erfahrungen ausgetauscht, Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert und neue Ideen entwickelt und umgesetzt. So erstellten die Coaches beispielsweise Therapiemerkblätter mit Therapieplänen, die seither größten Anklang bei den Patienten der UCT-Ambulanz finden. Auch ein Gesprächsleitfaden zur Standardisierung der Coaching-Gespräche und ein „Basis-Controlling“ als Erfolgskontroll-Instrument wurden mittlerweile in die Abläufe integriert. 

„Besonders stolz sind wir auf unsere sogenannten „Austausch-Treffen“, so Beate Czepelka. „Wir, die Coaches der UCT-Ambulanz, treffen uns regelmäßig mit Vertretern aus anderen Einrichtungen. Das Interesse an dem Patienten-Coach-Konzept ist groß und durch den regen Erfahrungsaustausch entwickeln sich immer wieder neue Ideen, die den Implementierungsprozess erheblich unterstützen.“ 

Die Patienten-Coaches 
der UCT-Ambulanz

Andrea Löwenstein
Examinierte Krankenpflegerin
Beate Czepelka
Examinierte Krankenpflegerin
Nicole Schmid
Onkologische Fachkrankenschwester

Herausforderungen und Ziele

Das Konzept des Patienten-Coaches in der UCT-Ambulanz hat sich im Laufe von zwei Jahren zu einem Erfolgsmodell entwickelt. Immer mehr Patienten werden von unseren Patienten-Coaches begleitet, auch wenn wir aufgrund der äußerst knappen personellen Ressourcen diese Unterstützung bisher leider noch nicht jedem Krebspatienten anbieten können. Seit Beginn des Projektes sind die größten Herausforderungen für das Team der UCT-Ambulanz der kontinuierliche Austausch zwischen den Patienten-Coaches und den behandelnden Ärzten und die frühzeitige routinemäßige Integration der Coaches in die Patientenbetreuung. Auch die weitere Konkretisierung des Gesprächsleitfadens und der Ausbau des bereits eingeführten „Basis-Controlling“ sind geplant. Somit gibt es in nächster Zeit noch viel zu tun. Doch das Ambulanz-Team ist sich einig: „Wir sind hochmotiviert und bringen eine erhebliche Portion an Eigeninitiative und Herzblut mit, um dieses Projekt weiter zu verwirklichen. Nicht zuletzt durch die vielen positiven Rückmeldungen unserer Patienten sind wir überzeugt davon, dass die vollständige Umsetzung sowohl unseren Patienten als auch dem gesamten Ambulanz-Team viele Vorteile bringen wird.“

 
Sabrina Müller
Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen Mainz