Visual Universitätsmedizin Mainz

Öffentliche Veranstaltung Senioren - Eine Gefahr für sich und für andere im Straßenverkehr?


Veranstalter: Medizinische Gesellschaft Mainz
Akademie für Ärztliche Fortbildung Rheinland-Pfalz


     

    Pflichtuntersuchungen für ältere Fahrerinnen und Fahrer?
    Prof. Dr. Wolfgang Fastenmeier, Berlin,
    Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie

    Obwohl ältere Fahrer den Verkehr mit einem allgemeinen, altersbedingten Abbau körperlicher und psychischer Leistungsfähigkeit bewältigen müssen, sind Senioren tatsächlich nicht häufiger als der Durchschnitt der Autofahrer an Unfällen beteiligt – im Gegensatz zur stark erhöhten Unfallbeteiligung junger, unerfahrener Fahrer. Eine Aussage, die auch allgemein für alle westlichen Industrienationen gilt. Dennoch haben politische Entscheidungen in einer Reihe von Ländern zur Einführung sog. altersbezogener Pflichtuntersuchungen zur Geeignetheit älterer Fahrer geführt. Mittlerweile liegt eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten vor, die sich mit Evaluationen dieser Pflichtuntersuchungen hinsichtlich ihres Kosten-Nutzen-Gehalts sowie ihrer Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit beschäftigt haben. Die in wissenschaftlichen Fachzeitschriften zugänglichen Evaluationsstudien werden anhand eines umfangreichen Kriterienkatalogs hinsichtlich ihrer Güte und Aussagekraft bewertet und kritisch diskutiert. Es ergibt sich weltweit ein klares und eindeutiges Ergebnis: Eine auf das Alter bezogene Überprüfung wird die Verkehrssicherheit nicht verbessern, unabhängig von der Art der eingesetzten Prüfmethoden. Es existieren keine reliablen Indikatoren innerhalb der institutionalisierten Prozeduren zur Überprüfung älterer Fahrer. Es überwiegen sogar negative Effekte hinsichtlich Sicherheit, Mobilität und Lebensqualität älterer Verkehrsteilnehmer. Zielführend erscheinen dagegen individuelle Beratungs- und Trainingsangebote sowie die Entwicklung eines Katalogs anlassbezogener Überprüfungen anhand seriöser wissenschaftlicher Kriterien. Das Problem liegt in der Entdeckung der (potentiell) auffälligen Fahrer – und nicht in der Gesamtgruppe der älteren Fahrer.

     

     

Veranstaltungsdetails
Zielgruppe

Ärzte, Studenten, Laien

Datum Mittwoch 4. Juli 2018
Uhrzeit 19:00 - 21:00 Uhr
Ort

Hörsaal Chirurgie

Dozent/in

Siegfried Brockmann

Leiter Unfallforschung der Versicherer Berlin

Prof. Dr. phil. Wolfgang Fastenmeier, Berlin (angefragt)

Maria Focken, Staatsanwaltschaft Hamburg

Moderation

Univ.-Prof. Dr. med. Thomas Riepert

 

 

Externe Kosten

Eintritt frei

Fortbildungspunkte 3
Teilnehmerzahl unbegrenzt
Kontakt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Senioren im

Straßenverkehr- Gefährder oder gefährdet?

 

(Mainz,

28.06.2018) Der nächste Themenabend der Medizinischen Gesellschaft Mainz wird

in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Naumann-Stiftung durchgeführt und widmet

sich dem Thema „Senioren im Straßenverkehr“. Referenten sind Maria Focken,

Amtsanwältin von der Staatsanwaltschaft Hamburg. Sie wird zum Thema „Senioren:

Risiko für sich selbst und andere?“ sprechen. Prof. Dr. Wolfgang Fastenmeier

von der Psychologischen Hochschule Hamburg und Präsident der Deutschen

Gesellschaft Verkehrspsychologie wird sich mit „Pflichtuntersuchungen für

ältere Fahrer und Fahrerinnen“ kritisch auseinandersetzen. Siegfried Brockmann,

Leiter der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen

Versicherungswirtschaft Berlin wird „Vorschläge zur Verbesserung der

Verkehrssicherheit von Senioren“ im Straßenverkehr unterbreiten. Moderator des

Abends ist Universitätsprofessor Dr. Thomas Riepert, stellvertretender Direktor

des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Mainz.

 

Die

Veranstaltung beginnt um 19:15 Uhr und findet im Hörsaal der Chirurgie der

Universitätsmedizin Mainz statt (Gebäude 500 5H, Langenbeckstraße 1,55131

Mainz).

 

Rund 50.000 Senioren verunglücken jedes Jahr auf der Straße

und im Jahr 2015 waren über 1/3 aller tödlich Verunglückten Senioren. Dabei

scheint die Gefährdung älterer Menschen im Straßenverkehr größer zu sein als

die Gefahr selbst einen Unfall zu verursachen. Die Statistik zeigt allerdings

auch, dass ältere Senioren ab 75 Jahre, die in einen Unfall verwickelt sind, zu

2/3 die Hauptschuld tragen – als Hinweis auf eine im Alter nachlassende

Fahrqualität.

 

Der Straßenverkehr wird immer komplexer und schneller und

überfordert den alten Menschen, dessen sensorisches, motorisches und kognitives

Leistungsvermögen abnimmt und dessen Reaktionsfähigkeit zusätzlich durch Medikamente

eingeschränkt sein kann.

 

In einer gemeinsamen Veranstaltung von Friedrich-Naumann-Stiftung

und Medizinischer Gesellschaft Mainz sollen die Konsequenzen für Senioren im

Straßenverkehr diskutiert werden. Frau Maria Focken von der Staatsanwaltschaft

Hamburg wird über das Risiko, das Senioren für sich selbst und andere

Verkehrsteilnehmer darstellen, sprechen. Prof. Dr. Wolfgang Fastenmeier  von der 

Psychologische Hochschule Berlin und Präsident der Deutschen

Gesellschaft für Verkehrspsychologie wird über den Sinn und Unsinn von

Pflichtuntersuchungen für ältere Fahrerinnen und Fahrer referieren. Er wird die

Ergebnisse, die sich nach Einführung von Pflichtuntersuchungen in einer Reihe

von Ländern ergaben, analysieren. Siegfried Brockmann, Leiter der

Unfallforschung der Versicherer Berlin wird ausgehend von den aktuellen

Unfallstatistiken Vorschläge zur Verbesserung der Verkehrssicherheit von

Senioren darlegen. Die Veranstaltung wird moderiert von Prof. Dr. Thomas

Riepert, stellvertretender Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der

Universitätsmedizin Mainz.