Visual Universitätsmedizin Mainz

Erfahrungsbericht 4. Semester von Mirjam Jöst (2016) und Anna-Lena Leif (2012)

(2016-07)  Das Jahr 2016 begann für unseren Kurs „stimmungsvoll“ mit einer Fachwoche im Fachbereich Stimme. Von Frau Wilz wurden wir mitgerissen in dieses tiefgreifende Störungsbild: denn Stimme ist nicht nur das was man hört, sondern hängt mit der Seele und dem ganzen Körper zusammen – das merkten wir bald auch am eigenen Leibe! So beschäftigten wir uns neben Übungen aus dem „Funktionalen Stimmtraining“, der „Progressiven Muskelentspannung“ oder der „Atemangepassten Phonation“ intensiv mit unserer eigenen Stimme. Am letzten Tag der Fachwoche wurde eine abschließende Klausur geschrieben, die den gesamten Stoff aus dem Stimmunterricht des letzten Semesters umfasste.

Dies war wohl die beste Vorbereitung auf die drei Wochen, die im Anschluss folgten: Praktikum in einer externen Praxis oder Klinik mit dem Schwerpunkt „Dysphonie“ (Stimmstörung). Ich verbrachte diese drei Wochen in einer Praxis bei Frankfurt, wo ich einige bleibende Eindrücke sammeln konnte. Im Zusammenhang mit diesem Praktikum konnten die meisten von uns die ersten eigenen Stimmtherapien durchführen.

Zurück in der Lehranstalt erfolgte ein Wechsel: die Erfahrungen mit dem Bereich Dysphonie wurden mit theoretischem Wissen in „Aphasiologie“ überlagert. Aphasie ist die Sprachstörung nach Hirnschädigung, in der Regel einem Schlaganfall. Dieses Störungsbild brachte für viele aus unserem Kurs den ersten Kontakt mit älteren Patienten – etwas völlig neues, wie uns klar wurde! Der Umgang, den man sich mit Kindern in den ersten Semestern für die Therapiesituation angewöhnt hatte, ließ sich auf Aphasiker und Stimmpatienten nicht übertragen. Ein neues Konzept musste her.

Um den Input noch weiter zu erhöhen folgten sehr praktische Unterrichtseinheiten in orofazialer Regulationstherapie, in denen wir Vibrationstechniken zur Stimulation der Gesichtsmuskulatur nach Castillo Morales lernten. Außerdem erhielten wir von externen Dozenten, wie zum Beispiel Karen Pohl, Besuch. Diese sehr junge Physiotherapeutin brachte uns die „Propriozeptive neuromuskuläre Fasziliation“ nahe (eine Stimulationstechnik, die mit Eis arbeitet). Auch diese Einheiten werden wir wohl nicht vergessen.

Im Februar folgte der Eignungstest für den neuen Unterkurs, der ab September kommen würde, anschließend starteten wir endlich in das „normale“ Semester und durften wieder therapieren! Diese Phase bis Juni wurde zu einer anstrengenden aber erfüllenden Zeit mit Therapien von orofazialen Dysfunktionen und Dysphonien. Für mich zeichnete sich eine Art goldene Regel des Therapeutendaseins ab: Je mehr man in einen Patienten investiert (an Mühe, Vorbereitungszeit, Einfühlungsvermögen), desto mehr erhält man im Anschluss zurück (an Dankbarkeit, Therapieerfolg und Freude). So blieb es letztlich immer eine erfüllende und bereichernde Arbeit.

Unterbrochen war diese Zeit einzig von Wochen an der „Katholischen Hochschule“ mit Vorlesungen in „Grundlagen der Erziehung, Sozialisation und Bildung“ und Entwicklungspsychologie, sowie Seminaren in Fachenglisch. Diese stellten eine willkommene Abwechslung zur Ausbildung dar.  

Abschluss fand das Semester mit einer „Dysarthrie“-Fachwoche Anfang Juni. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten alle Berichte über die Patienten geschrieben sein, was uns ganz schön unter Druck setzte. Andererseits gingen wir so bereits mit gelöster Stimmung in die Fachwoche und genossen die Rolle als Zuhörer und saugten alles Wissen über die neurologischen Sprechstörungen auf wie Schwämme.

Wir lernten zudem einiges über „Trachealkanülenmanagement“, ein Fachgebiet der Logopädie, das von Jürgen Konradi, dem klinischen Linguist der Uniklinik, referiert wurde. Das Versorgen von Patienten mit akuten Schluckstörungen und das Handling der Trachealkanülen ist ein Bereich der Logopädie in dem der Therapeut eine besondere Verantwortung trägt: Die Patienten sind häufig multimorbid und es muss entschieden werden, ob eine orale Ernährung stattfinden darf.

In diesem Bereich habe ich mein Praktikum gegen Ende des 4. Semesters absolviert: Ich verbrachte 4 unglaublich spannende Wochen auf der Neurochirurgie der Uniklinik und konnte bei dem Wechseln der Kanülen und bei oraler Stimulation (nach F.O.T.T.) behilflich sein. MitschülerInnen von mir haben mehr mit Aphasikern oder Demenzpatienten gearbeitet und ganz andere Fähigkeiten als ich erworben. Da könnte man fast neidisch werden!  

Zum Glück gibt es nach den Ferien immer den großen Austausch, wer was erlebt hat und wir werden – ganz logopädisch (!): da abgeholt wo wir stehen.  (Mirjam Jöst)

 

(2012-08) Eines kann man vom 4. Semester an der Lehranstalt für Logopäden wohl guten Gewissens behaupten: Es wurde uns nie langweilig!

Das "Semester der Fachtage und –wochen" brachte uns mit funktionalem Stimmtraining, Aphasie, Apraxie und ORT sowohl allerhand Abwechslung, als auch neue spannende Störungsbilder nahe.

Als wir nach den Weihnachtsferien erholt wieder in den Schulalltag einstiegen, stand für uns als Mittelkurs zuerst eine Woche mit Frau Lossau-Kücükay, einer engagierten externen Dozentin, bevor, die uns mit sehr vielen praktischen Übungen in die funktionale Stimmtherapie einführte. Das Gelernte konnten wir in den darauffolgenden drei Wochen im Praktikum ausprobieren und zum Teil erste Erfolge  beobachten.

Anschließend standen für uns zwei interessante Fachwochen mit Herrn Brauer auf dem Stundenplan. Wir lernten das Gebiet der neurologischen Störungsbilder, z.B. Aphasie oder Apraxie, kennen und erprobten uns in der Durchführung und Auswertung des Aachener Aphasie Tests.

Die anderen Diagnostik- und Therapieverfahren wurden in Form eines Referats vorgestellt, sodass sich jeder intensiv mit seinem Thema auseinander setzte, um es den anderen zu erklären.

In einer anderen Fachwoche zum Thema Dysphagie  lernten wir von Oliver Glassl und Dr. Jürgen Konradi, zwei sehr inspirierenden Logopäden aus der Universitätsmedizin, wie man eine Schluckstörung diagnostizieren und therapieren kann. Außerdem erfuhren wir Interessantes zum Trachealkanülenmanagement. Wir durften das Deblockieren von Sprechkanülen üben, wovor wir alle großen Respekt hatten, und wiederholten nochmal anatomische Grundlagen zum Schluckakt.

Als dann das eigentliche Semester begann, staunten wir nicht schlecht, als wir bemerkten, dass auf unserem Stundenplan neben vier Therapien in der Woche (2 Stimm- und 2 myofunktionelle Therapien oder die Therapie der Rhinophonie) noch insgesamt 15 Fächer standen.

In diesem Semester kam Psychiatrie, Neuropädiatrie, Eutonie, Hörgeschädigten- und Sonderpädagogik, Aphasie und die Therapie kindlicher Stimmstörungen dazu. Außerdem setzte der Unterricht in angewandter Psychologie, Stimme, Linguistik, Neurologie, Phoniatrie, wissenschaftlichem Arbeiten, MFT und Psychologie wieder ein. Während wir also fleißig unsere Therapien planten und durchführten, verbrachten wir die noch verbleibende Zeit mit Referaten und dem Lernen für Klausuren. 

Einige Zeit verbrachte unser Kurs jedoch auch in der Katholischen Hochschule, wo wir das Studentenleben mit allen seinen Vor- und Nachteilen genossen, was bedeutete, dass wir tagsüber in der Hochschule Vorträge über wissenschaftliche Recherche und pädagogische Handlungskonzepte hörten und abends das Mainzer Nachtleben eroberten.

Nach der ersten von zwei Wochen an der KH folgte dann die Fachwoche zum Thema ORT (=orofaziale Regulationstherapie). Wir lernten von Frau Andreas das Castillo-Morales-Konzept® kennen und probierten dies praktisch miteinander aus. Es war eine sehr schöne Fachwoche, in der wir mal ganz legère in Jogginghose in die Lehranstalt kommen konnten.

Als Letztes folgte dann noch eine Fachwoche zum Thema Dysarthrie und Demenz, die wieder von Herrn Brauer geleitet wurde. In dieser Woche kam außerdem eine weitere externe Dozentin, Frau Loew, zu uns, von der wir Einiges zur Therapie bei Cerebralparesen erfuhren.

Zum Ende des Semesters durften wir mit Frau Küting, unserer Dozentin im Fach Hörgeschädigtenpädagogik, in die Freiherr-von-Schütz-Schule für hörgeschädigte Kinder nach Bad Camberg fahren. Dort gingen wir jeweils zu zweit in eine Klasse und schauten uns den Unterricht an. Es war sehr spannend zu sehen, wie dort Kinder mit einem Hörgerät oder einem Cochlear-Implantat und gehörlose Kinder gemeinsam lernten.

Eine weitere Exkursion stand zum Semesterende im Fach Sonderpädagogik an. Wir verbrachten mit Herrn Dr. Köhler einen Vormittag lang in der Windmühlen-Schule in Mainz-Hechtsheim, wo wir in verschiedenen Jahrgangsstufen hospitierten.

Zum Abschluss des Semesters wurden wir nach der Examensfeier des Oberkurses in unsere wohlverdienten Sommerferien und das 4. externe Praktikum mit dem Schwerpunkt Neurologie, das ich in der Reha Klinik in Falkenstein verbrachte, entlassen. (Anna-Lena Leif)