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Sprachentwicklungsstörung

Sprachentwicklungsstörungen (SES) gehören zu den häufigsten Sprachstörungen überhaupt. Sie treten hauptsächlich im Vor- und Grundschulalter auf, können aber auch bis ins Jugendlichen- und Erwachsenenalter reichen.

Die mit einer SES verbundenen Störungsphänomene lassen sich unterteilen in:

- Aussprachestörungen (vgl. Kindliche Aussprachestörungen)
- Dysgrammatismus (Störungen des grammatischen Regelsystems)
- Semantisch-lexikalische Störungen
  (Störungen der Bedeutungsentwicklung, der Wortfindung und/oder Wortschatzeinschränkungen)
- Pragmatische Störungen (Störungen des Kommunikations- und Dialogverhaltens)

Diese Störungsphänomene sind selten isoliert zu beobachten, sondern treten häufig in Kombination miteinander auf (spezifische oder primäre Sprachentwicklungsstörung) oder im Zusammenhang mit anderen Störungen oder Entwicklungsbeeinträchtigungen (sekundäre Sprachentwicklungsstörung). In der heutigen multikulturellen Gesellschaft werden zunehmend zweisprachige Kinder zur sprachtherapeutischen Intervention vorgestellt, wobei nicht die Mehrsprachigkeit an sich für die Sprachprobleme der Kinder verantwortlich ist.

Von einer spezifischen Sprachentwicklungsstörung (SSES) spricht man, wenn die Störung allein die Sprache betrifft, und alle nichtsprachlichen Fähigkeiten im Normbereich liegen. Eine SSES kündigt sich meist durch einen verspäteten Sprechbeginn (ca. 2;0 - 2;06 Jahre) an. Zunächst dominiert häufig die Aussprachestörung, während etwa ab Schuleintritt der Dysgrammatismus in den Vordergrund tritt. Im Schulalter treten bei einem Teil (zwischen 40 und 70%) der Kinder mit SSES erhebliche Probleme im Erwerb der Schriftsprache (LRS) auf. Zu den Bedingungsfaktoren gehören Störungen der phonematischen Bewusstheit (Probleme beim Reimen, beim Zerlegen von Wörtern u. ä.) und Zentral-auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen.

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