Visual Universitätsmedizin Mainz

Schmerz

Definition und Häufigkeit

Schmerzen sind eine unspezifsiche, physiologische Reaktion des Körpers und können an jeder Stelle des Körpers auftreten.
Hier sollen die beiden häufigtsen chronischen Kopfschmerz-Erkrankungen und der durch eine Verletzung des Nervensystems entstandene (neuropathische) Schmerz kurz skizziert werden.
Kopfschmerzen kennt fast jeder. Mehr als die Hälfte aller Deutschen leidet zumindest gelegentlich darunter. Nicht bei jedem Kopfschmerz ist jedoch der Gang zum Arzt notwendig. Wenn keine ernsthafte Erkrankung vorliegt, kann man sich in vielen Fällen selbst helfen. Treten Kopfschmerzen akut und in einer nie gekannter Stärke (Vernichtungsschmerz) plötzlich auf, so ist das ein Notfall, der eine sofortige Vorstellung im Krankenhaus erfordert.

Migräne

Die häufigste Kopfschmerzform ist die Migräne. Ca. jeder 10. Mensch in Deutschland leidet an Migräne und die meisten Menschen erleben ihre erste Attacke in der Kindheit oder als Teenager. Migräne kann Menschen jeden Alters betreffen, am häufigsten tritt sie aber im Alter zwischen 25 und 55 Jahren auf.
Insgesamt leiden deutlich mehr Frauen als Männer unter Migräne, und wir wissen in der Zwischenzeit, dass es viele berühmte Migränepatienten in der Geschichte gab.
Eine einzelne Migräneattacke ist definiert durch eine Prodromalphase, während der Sie Müdigkeit oder Stimmungsveränderungen erfahren, sowie eine gesteigerte Reizbarkeit durch Licht, Lärm und Geräusche verspüren. Danach kommt eventuell eine sogenannte Auraphase, sie können Lichtblitze oder Zickzacklinien im Gesichtsfeld wahrnehmen, es kann zu Sprachproblemen kommen, es können Sensibilitätsstörungen und sogar Lähmungen einer Körperhälfte einsetzen. Diese Auraphase kann bis zu einer Stunde dauern. Daran im Anschluss entwickelt sich die Kopfschmerzphase, der Schmerz ist gewöhnlich pochend, häufig einseitig, verstärkt sich bei körperlichen Aktivitäten. Typisch sind Begleitsymptome wie Licht- und Lärmscheu, Übelkeit und zum Teil auch Erbrechen.
Während der Kopfschmerzphase sind Migränepatienten in der Regel so empfindlich, dass sie sich am liebsten in einem abgedunkelten und lärmgeschützten Raum zurückziehen und sich hinlegen.
Nach dieser Kopfschmerzphase folgt eine Besserungsphase. Der Patient fühlt sich von seinen Schmerzen befreit.

Die Migränetherapie ist dreistufig
1. Allgemeinmaßnahmen
2. Therapie der Migräneattacke
3. Migräneprophylaxe.

Da es keine Schmerztherapie „von der Stange“ gibt, sollen hier nur ganz kurze Ratschläge aufgeführt werden:
Man weiß, dass Alkohol und Rauchen Migränekopfschmerzen auslösen kann, insbesondere Rotwein ist für viele Migränepatienten schwer zu vertragen. Auch Stress wirkt Migräne auslösend. Diesen Auslösern sollte der Lebensstil angepasst werden. Es ist außerdem in mehreren Studien gezeigt worden, dass Ausdauersport die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren kann.
In der Migräneattacke selbst kommen Analgetika und die sogenannten Triptane zum Einsatz.
Eine Migräneprophylaxe medikamentöser Natur empfiehlt sich bei mehr als 3 bis 4 Migräneattacken pro Monat, bzw. bei besonders heftigen Migräneattacken die auch weitere, vor allem berufliche und soziale Konsequenzen nach sich ziehen. Für die Migräneprophylaxe gibt es eine Vielzahl von Pharmaka, die effektiv sind, die Entscheidung welches im Vordergrund das Richtige ist, muss eine Einzelfallentscheidung bleiben.

Spannungskopfschmerz

Die wichtigste Differentialdiagnose der Migräne ist der Spannungskopfschmerz, dieser ist meist haubenförmig und oft täglich vorhanden. Im Gegensatz zur Migräne ist die Schmerzqualität dumpf drückend und ziehend.
Therapeutisch kommen Analgetika zum Einsatz genau wie Antidepressiva, allerdings in einer deutlich niedrigeren Dosierung als die normalerweise bei der Depressionstherapie verwendeten. Da der Spannungskopfschmerz sehr häufig was mit psychischer und physischer Anspannung zu tun hat, sind bei dieser Diagnose auch psychotherapeutische Therapieverfahren oftmals sehr hilfreich.

Neuropathische Schmerzen

Eine andere wichtige Gruppe von neurologischen Schmerzen sind die sogenannten neuropathischen Schmerzen. Man unterscheidet ganz grob Schmerzen durch Erregung von Schmerzrezeptoren von Schmerzen durch Verletzung des Nervensystems. Letzteres sind die neuropathischen Schmerzen. Neuropathische Schmerzen können nach Verletzungen an jeder Stelle des Nervensystems auftreten, also vom Kopf über das Rückenmark bis zum peripheren Nerven (bei Neuropathie bei Diabetes mellitus, Gürtelrose, Trigeminusneuralgie, komplexes regionales Schmerzsyndrom).
Es bestehen ein Nebeneinander von neurologischen Ausfallerscheinungen und dem Auftreten von spontanen, dauernden brennenden, einschießenden Schmerzen. Die Patienten werden überempfindlich entweder auf Temperaturveränderungen (Hitze oder Kälte) bzw. empfindlich auf Berührung oder Anstoßen (sogenannte mechanische Hyperalgesie).
Die Therapie neuropathischer Schmerzen besteht aus Medikamenten (Antiepileptika, Antidepressiva, Antispastika oder starken Schmerzmedikamenten). Weiterhin sehr wichtig sind nicht medikamentöse Therapieverfahren wie Sympathikusblockaden, TENS und die rückenmarksnahe Elektrostimulation. Unterstützend wirken sehr häufig auch psychotherapeutische Verfahren, in denen auch die Schmerzbewältigung trainiert wird. Insbesondere für neuropathische Schmerzen gilt, dass die Therapie individuell zu gestalten ist, sie richtet sich nach dem Beschwerdebild und den Befunden der neurophysiologischen Untersuchung.

Weitere Informationen

http://www.stiftung-kopfschmerz.de/
http://www.selbsthilfegruppen.net/index.php

Bitte lesen Sie hierzu auch die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) unter den Stichworten Spannungskopfschmerz, Kopfschmerz, Migräne, Neuralgie, oder Schmerzsyndrom (http://www.dgn.org/11.0.html).