Visual Universitätsmedizin Mainz

Biopsychologische Mechanismen von Stress und Resilienz im Alter

Dr. Alexandra Wuttke-Linnemann

Hintergrund

Stress ist allgegenwärtig im täglichen Leben. Dabei ist es insbesondere chronischer Stress, der eine Bedrohung für die Gesundheit darstellt. In Übereinstimmung mit einem Diathese-Stress-Modell kann Stress ein Vorläufer für die Manifestation von körperlichen und psychischen Störungen sein. In dieser Hinsicht sind pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz besonders gefährdet, da sie häufig chronischem Stress ausgesetzt sind und daher anfällig für die Entwicklung stressbedingter Krankheiten sind. Ebenso hat Stress bei Menschen mit Demenz nachteilige Auswirkungen, die zu einem schnelleren kognitiven Abbau und einem schnelleren Fortschreiten der Krankheit führen. 

Jedoch gibt es interindividuelle Unterschiede in der Bewältigung von demenzbedingten Veränderungen. Diese Unterschiede werden mit Unterschieden in  Resilienz – in Verbindung gebracht und könnten erklären, warum einige pflegende Angehörige und Menschen mit Demenz einen besseren Gesundheitszustand aufweisen als andere, während sie sich an krankheitsbedingte Veränderungen im Alltag anpassen. 

Die Untersuchung der Mechanismen, die psychobiologischem Stress und Resilienz zugrunde liegen, ist notwendig, um Interventionen für pflegende Angehörige und Menschen mit Demenz zu entwickeln, die Stress reduzieren und die Resilienz stärken. In dieser Hinsicht ist es besonders vielversprechend, pflegende Angehörige und Menschen mit Demenz als eine Einheit zu betrachten und zusätzlich zur getrennten Betrachtung von pflegenden Angehörigen und Menschen  mit Demenz einen dyadischen Ansatz zu wählen.

Forschungsschwerpunkt

  • Biopsychologische Mechanismen von Stress und Resilienz im Alltag von pflegenden Angehörigen
  • Biopsychologische Stressreaktion und dyadische Koregulierung im täglichen Leben von Menschen mit Demenz und deren pflegenden Angehörigen
  • Dyadische Interventionen für Menschen mit Demenz und deren pflegenden Angehörigen, um Stress zu reduzieren und Resilienz zu erhöhen

    Sekundärer Forschungsschwerpunkt:

    • Biopsychologische Mechanismen, die Depressionen im späten Leben zugrunde liegen
    • Musikhören im Alltag als Mittel zur Stressreduktion bei Demenzkranken

    Methoden

    Die verwendeten Methoden haben diese drei unterschiedlichen Merkmale gemeinsam

    • Mit Hilfe des ambulanten Assessments werden Studien direkt im  Alltag der Probanden durchgeführt. Das bedeutet, dass Patienten und pflegende Angehörige untersucht werden, während sie ihrem Alltag nachgehen, anstatt Untersuchungen in einer Laborumgebung durchzuführen.
    • Konstrukte werden mit Hilfe von biopsychologischen Assessment-Tools gemessen. Subjektive Selbstberichte von Patienten und pflegenden Angehörigen werden durch objektive Stressmarker ergänzt (z.B. Cortisol als Marker für die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse; Alpha-Amylase und Herzfrequenzvariabilität als Marker für das autonome Nervensystem).
    • Die Patienten und ihr primärer, informeller pflegender Angehöriger werden als eine Analyseeinheit behandelt, was die Untersuchung dyadischer Interdependenzen ermöglicht.

    Projekte

    • DYADEM: biopsychologische Evaluation einer aufsuchenden, dyadischen Intervention für Menschen mit beginnener Demenz und deren pflegenden Angehörigen
    • TK-DEM: Menschen mit Demenzerkrankung in tagesklinischer gerontopsychiatrischer Behandlung: Demographische und klinische Charakteristika – eine Pilotstudie
    • EMA-DEM: Biopsychologische Mechanismen von Stress und Resilienz im Alltag pflegender Angehöriger von Menschen mit Demenz
    • BAVA-AD: Biofeedback-gestützte Verhaltensaktivierung als Komponente der multimodalen Behandlung von Altersdepression 

    Kooperationen

    • PD Dr. Kristina Endres, Universitätsmedizin Mainz
    • Prof. Dr. N. Müller, Marion-von-Tessin-Gedächtniszentrum, München
    • Prof. Dr. Urs Nater, Dr. Nadine Skoluda, Universität Wien
    • Dr. Ralf Suhr, Zentrum für Qualität in der Pflege, Berlin