Visual Universitätsmedizin Mainz

Ethical Dilemmas due to Prenatal and Genetic Diagnostics (EDIG)

Projektleiter: Prof. Dr. M.E. Beutel

Die sich am Beginn des 21. Jahrhunderts stetig weiterentwickelnde genetische Forschung kann - mit all ihren Möglichkeiten, aber auch mit ihren tiefgreifen­den und letztlich unüberschaubaren Konsequenzen - zu vielfältigen ethischen Problemstellungen führen, die sowohl den Einzelnen als auch die Gesellschaft als Ganzes betreffen. Ermöglicht doch die Gentechnik, in die Natur des Men­schen einzugreifen und sie zu verändern. Auch wenn dies überwiegend unter der Prämisse, menschliches Leid zu lindern, geschieht, so tauchen doch häufig nach einer molekulargenetischen Diagnosestellung ethische Probleme im Um­gang mit den Testergebnissen und den daraus zu ziehenden Konsequenzen auf. Das von der EU geförderte, interdisziplinäre Forschungsprojekt „EDIG“ unter­sucht über 3 Jahre zeitgleich in mehreren Ländern (Israel, England, Italien, Griechenland, Schweden, Deutschland) solch ethische Dilemmata, die sich in Folge pränata­ler Diagnostik ergeben: Die Mitteilung einer Fehlbildung während der Schwangerschaft konfrontiert die betroffenen Frauen und ihre Partner mit unterschiedlichsten Empfindungen und Überlegungen. Gilt es doch letztlich, eine Entscheidung zu treffen zwischen Leben oder Tod des ungeborenen Kindes; zwischen der Verantwortung für ein behindertes Kind sowie dessen möglichem Leid und dem Wunsch nach einem gesunden Kind. Entscheidun­gen, für die es keine „richtige Lösung“ geben kann. Verschärfend hinzu kommt oftmals die bestehende Diskrepanz zwischen der individuellen Anschauung und den von der Gesellschaft ausgehenden Einflüssen.

Diese Dilemmata, welche in der Vergangenheit nur all zu oft außerhalb des Bewusstseins verblieben, werden im Rahmen des Projektes in Kooperation mit dem Sigmund-Freud-Institut (http://www.sfi-frankfurt.de), Frankfurt (Prof. Dr. M. Leuzinger-Bohleber, Dr. T. Fischmann) und der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Prof. Dr. Kölbl, Dr. Macchiella, Dr. Steiner) fokussiert: 30 Frauen mit auffälligem Unter­suchungsbefund, die an der Studie teilnehmen möchten, werden zu verschiede­nen Zeitpunkten der Schwangerschaft, sowie mehrere Monate nach der Geburt resp. dem Schwangerschaftsabbruch begleitet und zu ihrer psychischen Verfas­sung, zu dem Prozess der Entscheidungsfindung und zu ihren ethischen Ein­stellungen befragt (Fragebögen und bei Interesse Gespräche mit erfahrenen Psychologen). Weitere 60 Frauen mit unauffälligem Befund nehmen an der Fragebogenuntersuchung teil.

Derart wird es möglich, die Konsequenzen pränataler Diagnostik für die betrof­fenen Paare sowie deren (kulturell unterschiedliche) Entscheidungsprozesse und Motive zum Schwangerschaftsabbruch bzw. zum Austragen eines behin­derten Kindes besser zu verstehen. Fernerhin sollen im Rahmen der Studie Risikofaktoren für mögliche psychische Folgeerkrankungen erkannt und gezielte Beratungsangebote entwickelt werden. Nicht zuletzt gilt als ein Ziel des Projektes die Vertiefung des wissenschaftlichen und öffentlichen Dialogs hinsichtlich der durch die moderne Biomedizin entstehenden ethischen Dilem­mata.

Beteiligt an der Studie sind Experten aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen wie Medizin, Psychologie, Psychoanalyse und Ethik. Beginn der Studie war am 1.9.2005, die Ergebnisse werden 2008 publiziert.

 

Literatur:

Beutel ME (2002) Der frühe Verlust eines Kindes. Bewältigung und Hilfe bei Fehl-, Totgeburt und Plötzlichem Kindstod. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Reihe Psychosoziale Medizin. Hogrefe- Verlag, Göttingen, Bern, Toronto, Seattle

Statham H (2002) Prenatal diagnosis of fetal abnormality: The decisicon to terminate the pregnancy and its psychological consequences. Fetal and Mater­nal Medicine Review 13: 213-147.

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