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Chronisches Erschöpfungssyndrom (Neurasthenie)

Das chronische Erschöpfungssyndrom (Neurasthenie, ICD-10 F48.1) ist eine psychosomatische Erkrankung, die durch ein anhaltendes und quälendes Erschöpfungsgefühl, belastende Müdigkeit und Schwäche nach geringer geistiger oder körperlicher Anstrengung gekennzeichnet ist. Meist leiden die Patienten auch unter weiteren Symptomen wie Benommenheit, Muskel- und Spannungskopfschmerzen, gestörtem Schlaf, Unfähigkeit zu entspannen („wie unter Strom“) und Reizbarkeit. Auch längere Zeiträume mit Ruhe-und Entspannungsmöglichkeiten, führen zu keiner ausreichenden Erholung. Für die Diagnose der Neurasthenie ist es weiterhin erforderlich, dass organische Erkrankungen (Psychosyndrome) nach Schädelhirntrauma oder Gehirnentzündungen (Enzephalitis) ausgeschlossen wurden und dass die quälende Erschöpfung nicht besser durch eine Angststörung oder Depression erklärt wird.

Im Rahmen der Corona-Pandemie, wird chronische Erschöpfung (Fatigue) neben kognitiven Defiziten als häufigstes Symptom noch ein Jahr nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 beschrieben (1). Chronische Erschöpfung ist nach der WHO Definition eines der Hauptsymptome des Post-COVID-Syndroms. Um den Symptomkomplex von Long COVID und Post-COVID besser zu verstehen, untersuchen wir in einem interdisziplinären Ansatz mit weiteren Kliniken derzeit insgesamt 600 Personen interdisziplinär im Rahmen der Gutenberg Long COVID Studie

Psychotherapeutische Hilfe können wir anbieten für Erkrankte bei denen die quälende Erschöpfung  auf emotionale Ursachen zurückgeht oder durch diese aufrechterhalten wird. Beispielswiese können anhaltende psychosoziale Belastungen zur Überforderung der psychophysiologischen Kompensationsmechanismen führen, oder es können ungünstige Bewältigungsstrategien erschweren, die covidbedingten Einschränkungen zu überwinden. Dabei sind Betroffenen wichtige Belastungsfaktoren im Krankheitsverlauf oft nicht bewusst. In der psychodiagnostischen Untersuchung liegt der Fokus auf möglichen emotionalen Faktoren und der Aufklärung ungünstiger Strategien im Umgang mit der Erschöpfung (z.B. Vermeidungsverhalten, Katastrophisieren). Wichtige Bestandteile der Behandlung sind die Verbesserung der Selbstwahrnehmung und die Unterstützung bei der graduellen Normalisierung des Aktivitäts-Inaktivitätsmusters und des Schlafverhaltens.

  1. Han Q, Zheng B, Daines L, et al. Long-Term Sequelae of COVID-19: A Systematic Review and Meta-Analysis of One-Year Follow-Up Studies on Post-COVID Symptoms. Pathogens 2022; 11. doi:10.3390/pathogens11020269
  2. Weltgesundheitsorganisation. A clinical case definition of post COVID-19 condition by a Delphi consensus. Im Internet: www.who.int/publications/i/item/WHO-2019-nCoV-Post_COVID-19_condition-Clinical_case_definition-2021.1; Stand: 30.01.2022
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