Visual Universitätsmedizin Mainz

22. November 2017

Dr. Michael Kühn erhält Förderung durch Emmy Noether-Programm der DFG

Der Wissenschaftler übernimmt an der Universitätsmedizin Mainz die Leitung einer eigenen Nachwuchsgruppe zur Erforschung epigenetischer Veränderungen von Leukämien

Dr. Michael Kühn

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat Dr. Michael Kühn in ihr Emmy Noether-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses aufgenommen. Mit den zur Verfügung stehenden Fördermitteln in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro wird der Internist in der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz eine eigene Nachwuchsgruppe zur Erforschung epigenetischer Veränderungen von Leukämien einrichten und leiten. Übergeordnetes Ziel der neu gegründeten Emmy Noether-Forschungsgruppe ist es, zielgerichtete und somit schonendere, weniger toxische Therapien zur Behandlung von Leukämien zu entwickeln. Die DFG-Förderung erfolgt verteilt auf die nächsten fünf Jahre.

Ziel des Emmy Noether-Programms ist es, einerseits herausragende Nachwuchswissenschaftler aus dem Ausland zurückzugewinnen bzw. deren Abwanderung zu vermeiden. Andererseits sollen sie durch die Leitung einer eigenen Arbeitsgruppe die Möglichkeit erhalten, sich an einer Universität ihrer Wahl in Deutschland rasch zum Hochschullehrer zu qualifizieren. Die DFG nimmt nach einem hochkompetitiven Verfahren bundesweit pro Jahr lediglich etwa sechs bis acht forschende Ärzte in das Förderprogramm auf. Dr. Michael Kühn kehrte im Januar 2016 nach einem dreijährigen Forschungsaufenthalt am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York (USA) nach Deutschland zurück. An der Universitätsmedizin Mainz widmet er sich neben seiner klinischen Tätigkeit als Oberarzt dem Aufbau seiner eigenen wissenschaftlichen Arbeitsgruppe.

„Ich gratuliere Dr. Kühn zum Erhalt dieser renommierten Forschungsförderung. Gleichzeitig freuen wir uns sehr, dass er sich für die Universitätsmedizin Mainz als Forschungsstandort entschieden hat. Er ist ein exzellenter Arzt und Wissenschaftler, und wir bieten ihm hier ein attraktives, translationales Forschungsumfeld mit modernsten Technologien, einer breiten, interdisziplinären Infrastruktur und hervorragende Kooperationsmöglichkeiten“, so der stellvertretende Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Heinz Schmidberger.

Die Nachwuchsgruppe des 39-jährigen Mediziners will die akute myeloische Leukämie (AML) weiter erforschen. Diese stellt die häufigste Form der akuten Blutkrebserkrankungen im Erwachsenenalter dar. Unbehandelt führt sie innerhalb weniger Wochen zum Tod. Bei einem Teil der Patienten ist es möglich, sie mittels intensiver Chemotherapie zu heilen. Diese Therapieform ist allerdings nicht für jede Patientengruppe geeignet. Beispielsweise vertragen ältere Menschen die Therapie häufig sehr schlecht. Da über 65-Jährige jedoch besonders häufig zu den Betroffenen gehören, ist es wichtig, andere, nebenwirkungsärmere Therapien zu entwickeln. Die Entwicklung epigenetischer Therapien ist das Forschungsziel von Dr. Kühn und seinem Team.

Neuere Forschungen haben gezeigt, dass die Epigenetik bei der Entstehung von Krebs eine zentrale Rolle spielt. Die Epigenetik beschreibt Mechanismen, die steuern, welche Eigenschaften eine Zelle hat. Die beschriebenen Prozesse sind jedoch nicht durch den genetischen Code (DNA) festgelegt. Durch die epigenetischen Prozesse verändern sich beispielsweise die Verpackungsstrukturen der DNA (Chromatin-Modifikationen). Diese steuern wie aktiv ein Gen ist, d. h. sie können Auslöser dafür sein, dass beispielsweise in Leukämiezellen Gene fehlerhaft angeschaltet werden, die die bösartige Entartung dieser Zellen vorantreiben. Die Emmy Noether-Gruppe von Dr. Kühn an der Universitätsmedizin Mainz untersucht diese Mechanismen. Ihr Ziel besteht darin, Medikamente zu entwickeln, die die bösartigen Eigenschaften der Leukämiezellen aufheben können, indem sie gezielt in die Chromatin-Modifikationen eingreifen.

„Die Fragestellung, die Dr. Kühn mit seiner Arbeitsgruppe erforscht, ist von großer Relevanz. Denn die Anzahl der von AML betroffenen Patienten wird aufgrund des demografischen Wandels voraussichtlich weiter steigen. Ein Erkenntnisgewinn über die biologischen, die Krankheit beeinflussenden Prozesse und vor allem der potentielle therapeutische Fortschritt könnten später für diese Patientengruppe eventuell lebensentscheidend sein“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Matthias Theobald, Leiter des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UCT) der Universitätsmedizin Mainz und Direktor der III. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mainz, die sich insbesondere um Patienten aus den Bereichen Hämatologie, Internistische Onkologie und Pneumologie kümmert.

Zur Person:
Michael Kühn wurde 1978 in Hannover geboren. Gefördert durch die Studienstiftung des deutschen Volkes studierte er von 2000 bis 2006 Humanmedizin in Berlin, Toronto und New York. Er promovierte an der Freien Universität Berlin mit „summa cum laude“ und wurde 2008 für die beste Dissertation mit dem Robert-Koch-Preis der Charité ausgezeichnet. Seine Facharztausbildung zum Internisten absolvierte Dr. Kühn in den Jahren 2007 bis 2012 am Universitätsklinikum Ulm. Von 2013 bis 2016 forschte er am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York – unterstützt durch ein Forschungsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Dr. Kühn kann auf zahlreiche Publikationen in hochrangigen wissenschaftlichen Journalen blicken, darunter beispielsweise Arbeiten in Blood, Journal of Clinical Oncology, Cancer Discovery und im New England Journal of Medicine.


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