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20. September 2018

Neues ikidS-Forschungsprojekt: Schulgesundheitsfachkräfte an zwei Mainzer Schulen jetzt im Einsatz

Ziel: Bildungschancen chronisch kranker Kinder an die von gesunden Kindern angleichen

Univ.-Prof. Dr. Michael Urschitz, der Initiator der ikidS-Studie (1.v.l.) und Studienkoordinatorin Dr. Martina Franziska Schmidt (4.v.l.) freuen sich, dass das aktuelle Teilprojekt der ikidS-Studie mit den Schulgesundheitsfachkräften Jana Fischer (2.v.l.) und Anja Hess (3.v.l) jetzt gestartet ist. Quelle: Markus Schmidt (Universitätsmedizin Mainz)

In welchem Umfang lassen sich chronisch kranke Kinder im Schulalltag mithilfe von Schulgesundheitsfachkräften besser versorgen? Das ist die zentrale Frage eines nächsten Teilprojekts der ikidS (ich komme in die Schule)-Studie, die vor fünf Jahren an der Universitätsmedizin Mainz gestartet ist. IkidS zielt darauf ab, die typischen schulischen Probleme und Benachteiligungen von chronisch kranken Kindern zu identifizieren. Mit Beginn des neuen Schuljahrs 2018/2019 sind jetzt die ersten beiden Schulgesundheitsfachkräfte an zwei Mainzer Schulen im Einsatz. Eine der beiden Schulgesundheitsfachkräfte hat ihre Arbeit an der Goethe-Grundschule in der Mainzer Neustadt aufgenommen, die andere an der Maler-Becker-Grundschule.

Chronisch kranken Kindern im Schulalltag gerecht zu werden, erfordert von den Eltern viel Zeit – Zeit, die heute oft nicht zur Verfügung steht. Vor diesem Hintergrund lautet die ganz zentrale Fragestellung des neuen ikidS-Projekts: Wie lassen sich die Bildungschancen chronisch kranker Kinder an die von gesunden Kindern angleichen? „Um diese Frage zu beantworten, könnte den Schulgesundheitsfachkräften eine Schlüsselrolle zufallen. Denn sie werden vor Ort Maßnahmen erproben, die darauf abzielen, die Bildungschancen der chronisch kranken Kinder entscheidend zu verbessern“, so Univ.-Prof. Dr. Michael Urschitz, der Initiator der ikidS-Studie und Mitarbeiter des Instituts für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) der Universitätsmedizin Mainz. Die Aufgaben der Schulgesundheitsfachkräfte reichen unter anderem von der Assistenz bei Medikamenteneinnahmen über individuelle Pflegeleistungen bis hin zum Brückenbauen zu Kinder- und Schulärzten, Schulpsychologen, Schulsozialarbeitern und Jugendhilfeträgern. Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt darin, eventuelle Versorgungslücken der Kinder zu identifizieren und zu schließen.

„In einem guten gesundheitsförderlichen Umfeld gelingt das Lernen und Lehren viel besser. In rheinland-pfälzischen Schulen spielt der Aspekt der Gesundheit an Körper und Seele deshalb eine wichtige Rolle – und zwar für Schülerinnen und Schüler genauso wie für Lehrkräfte. Das Land unterstützt die Schulen darin, Konzepte für eine gute und gesunde Schule zu finden und sie erfolgreich umzusetzen. Dazu gehört auch der Umgang mit chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Im Rahmen der Kindergesundheitsstudie iKidS erwarten wir uns wichtige neue Erkenntnisse über die Bedürfnisse und Unterstützungsbedarfe von Kindern mit chronischen Erkrankungen, um noch besser darauf reagieren zu können“, so Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig.

Die chronisch erkrankten Grundschulkinder leiden häufig beispielsweise an Diabetes, Allergien, einer Atemwegserkrankung wie Asthma, Epilepsie, ADHS oder einer Entwicklungsstörung. Die betroffenen Schülerinnen und Schüler profitieren ganz konkret von den Schulgesundheitsfachkräften, indem diese ihnen Medikamente verabreichen, auf Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten achten, psychosoziale Belastungen wahrnehmen oder eben einfach in die Rolle des „Kümmerers vor Ort“ schlüpfen. Zudem prüfen sie medizinische Förder- und Fürsorgemaßnahmen sowie Behandlungspläne auf Vollständigkeit und begleiten deren Umsetzung. Das, was die Schulgesundheitsfachkräfte auszeichnet, ist, dass sie in der Lage sind, bei Bedarf notwendige medizinisch-pflegerische Maßnahmen einzuleiten und die einzelnen Elemente der medizinischen Versorgung fachgerecht zu vernetzen. Damit entlasten sie auch die Lehrkräfte im Umgang mit chronisch erkrankten Schülerinnen und Schülern. „In diesem Zusammenhang gilt es aber festzuhalten, dass die Schulgesundheitsfachkräfte keine Konkurrenz zu beispielsweise Inklusionshelfern oder Schulsozialarbeitern darstellen“, sagt Professor Urschitz.

Handlungsbedarf, um die Situation gesundheitlich beeinträchtigter Kinder in den Schulen zu verbessern, sei in jedem Fall auch aufgrund der in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommenen Anzahl chronisch kranker Schulkinder gegeben, weiß Professor Urschitz. So ergab eine aktuelle repräsentative Erhebung in der Stadt Mainz und im Landkreis Mainz-Bingen einen Anteil von 15 Prozent chronischer Erkrankungen mit erheblichem Versorgungsaufwand bei Schülern des Einschulungsjahres 2015/2016. Diese zeigten dann auch relevante Einschränkungen ihrer schulischen Leistungen (siehe Pressemitteilung vom 08. Mai 2018: https://bit.ly/2x3C0TT).

Dass der Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften sich tatsächlich auszahlen könnte, zeigt der Blick ins Ausland: In den USA, Australien, Kanada, in skandinavischen Ländern und in einigen wenigen Schulen Deutschlands gibt es bereits das Modell der Schulgesundheitsfachkraft. Sie fungiert als Case-Manager, indem sie die betroffenen chronisch kranken Schüler, deren Eltern und die Lehrkräfte im Schulalltag begleitet und unterstützt.

„Was mich an der Aufgabe als Schulgesundheitsfachkraft reizt, ist, direkt vor Ort in einem neuen Berufsfeld, den Schülern und Schülerinnen in gesundheitlichen Angelegenheiten im Schulalltag helfen zu können, sie zu unterstützen und ihnen Sicherheit zu geben, mit der Chance bestehende Versorgungslücken zu schließen und somit einen Beitrag zur Verbesserung der Chancengleichheit leisten zu können“, sagt Jana Fischer, die an der Goethe-Grundschule in der Mainzer Neustadt ihren Dienst kürzlich aufgenommen hat. Ihre Kollegin Anja Heß, die an der Maler-Becker-Grundschule tätig ist, ergänzt: „Eine der größten Herausforderungen im Umfeld Grundschule ist, das Vertrauen der Grundschüler, Eltern und dem Schulteam zu gewinnen. Nur so ist eine gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten möglich. Vertrauen und gegenseitiger Respekt ist mir hier sehr wichtig, gerade in Schulen mit verschiedenen Nationalitäten und Religionen.“

Der Einsatz der Schulgesundheitsfachkräfte wird mit einer Machbarkeitsstudie begleitet. „Konkret resultiert daraus, dass wir unter anderem herausfinden wollen, ob Eltern, Kinder und Lehrkräfte Schulgesundheitsfachkräfte akzeptieren, ob diese sich nahtlos in den Schulalltag integrieren lassen und ob sie in ausreichendem Maße genutzt werden. Bei entsprechender positiver Evaluation soll in einem zweiten Schritt geprüft werden, ob Schulgesundheitsfachkräfte mit einem für chronisch kranke Kinder maßgeschneiderten Programm tatsächlich einen zentralen Beitrag dazu leisten können, dass diese Kinder die gleichen Bildungschancen wie gesunde Kinder haben“, betont die langjährige Schulärztin und Studienkoordinatorin Dr. Martina Franziska Schmidt aus dem Team von Professor Urschitz.

Bildunterzeile: Univ.-Prof. Dr. Michael Urschitz, der Initiator der ikidS-Studie (1.v.l.) und Studienkoordinatorin Dr. Martina Franziska Schmidt (4.v.l.) freuen sich, dass das aktuelle Teilprojekt der ikidS-Studie mit den Schulgesundheitsfachkräften Jana Fischer (2.v.l.) und Anja Hess (3.v.l) jetzt gestartet ist.

Unentgeltliche Verwendung des Fotos unter Angabe der Quelle: Markus Schmidt (Universitätsmedizin Mainz)

 

Verwendung des Logos des Forschungsprojekts „ikidS“ kostenfrei möglich in einem Presseartikel über das Forschungsprojekt.

 

Kontakt
Univ.-Prof. Dr. Michael S. Urschitz, EU-M.Sc.
Abteilung für Pädiatrische Epidemiologie
Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI)
Tel. 06131 17-3122
E-Mail  urschitz@uni-mainz.de

Pressekontakt
Oliver Kreft, Stabsstelle Unternehmenskommunikation Universitätsmedizin Mainz,
Tel. 06131 / 17-7424, Fax 06131 / 17-3496, E-Mail:  pr@unimedizin-mainz.de

 

Kooperationspartner des Projekts
Im Juni 2017 wurden ein nationaler und ein regionaler Expertenbeirat für das Projekt etabliert: Dem nationalen Beirat gehören externe Berater aus den Bereichen Angewandte Gesundheitswissenschaft, Pflegewissenschaft und Public Health an. Der regionale Beirat setzt sich zusammen aus Vertretern des Bildungs- und Gesundheitsministeriums, der Pflegekammer und Schulverwaltung, Betroffenenverbänden (Landeselternbeirat, Landesvertretung für Schülerinnen und Schüler, Hauptpersonalrat Lehrkräfte) und aus Vertretern der Praxis (Gesundheitsamt, Schulleitungen, Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte).

 

Über das Forschungsprojekt ikidS
Das Forschungsprojekt ikidS startete 2013. Insgesamt nahmen in bislang zwei Studien über 2.500 Eltern von Einschülern aus der Region Mainz-Bingen teil. Das Projekt untersucht, ob und wie sich der Gesundheitszustand vor Einschulung auf den Schulerfolg und die Bildungslaufbahn auswirkt. Dazu wird der Gesundheitsstand von Kindern beim Übergang vom Kindergarten in die Schule und dann bis zum Ende der Grundschulzeit dokumentiert. Die Analyse der Situation chronisch kranker Kindern an Grundschulen soll dazu dienen, Maßnahmen zu entwickeln, die dazu führen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Kinder möglichst die gleichen Bildungschancen wie gesunde Kinder haben. Aktuell wird das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt fortgesetzt. In der gegenwärtigen Projektphase wird der Gesundheitszustand, der Schulerfolg und die Förder- beziehungsweise Versorgungssituation am Ende der dritten und vierten Klasse erfasst. Parallel dazu erfolgt eine Auswertung aller weltweit durchgeführten Studien, die schulische Maßnahmen für Kinder mit chronischen Erkrankungen evaluiert haben. Zusammen mit der oben erwähnten Machbarkeitsstudie soll erstmals für Deutschland ein umfassendes Bild über sinnvolle Maßnahmen für chronisch kranke Kinder an Schulen geschaffen werden.     

 

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.400 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

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