Die Geschichte der Kapelle St. Rochus
Auch die nächste Tür rechts in der Gebäudefront ist beschriftet: "Christo in pauperibus" (Christus in und für die Armen) und erinnert an das ursprüngliche Schwesternhaus der Vinzentinerinnen. Bischof Wilhelm Emmanuel Ketteler hatte sie 1849 aus Straßburg gerufen, um neben dem Rochusspital in der Altstadt, dem damaligen Kranken- Armen- und Waisenhaus, ein modernes Krankenhaus und Mädchenheim einzurichten.
Im Jahr 1852 überzeugte den Verwaltungsrat des Rochusspitals die Sauberkeit und Ordnung dieser Anstalt und so übernahmen die Vinzentinerinnen auch diese Einrichtung.
Aufgrund der drangvollen Enge im Spital veranlasste Direktor Medizinalrat Michael Reisinger 1911 zusammen mit Stadtbaumeister Adolf Gelius ein neues Städtisches Krankenhaus in großzügigem Pavillonstil, damals in luftiger Randnähe zur Stadt, zu bauen. So kam es am 1. August 1914 zum Umzug des gesamtem Spitals, auch der Vinzentinerinnen, die am heutigem Ort noch bis 1975 in der Krankenpflege tätig waren.
Die Kirche sollte in enger Verbindung stehen mit dem Schwesternhaus und zeigen, dass Gottes- und Krankendienst im Grund eine Einheit bilden. Das Eingangsportal war zu den Krankenpavillons ausgerichtet, die Kirche, mit Blick nach Osten, wurde als "Morgenkirche" konzipiert. Gerade in den Morgenstunden lädt die Atmosphäre des Lichtes in der Kirche durch die drei Altarfenster aus Onyx in Sandfarben- und Brauntönen zur besinnlichen Stille und zum Verweilen ein. Der Verzicht auf figürliche Abbildungen in den Fenstern unterstreicht den Charakter eines meditativen Raumes.
Der betrachtende Mensch findet Trost und Ermutigung: so z.B. im Bild der mütterlichen Maria und im Bild des pilgernden und helfenden Rochus; Patron der kranken Menschen und aller Menschen, die unterwegs auf ihren Wegen sind.
Über dem Eingang zur Orgelempore ist ein Stein mit Bischofs- und Stadtwappen und der Inschrift: "Komm heiliger Geist" in die Mauer eingefasst und erinnert an den aufbruchartigen Umzug des Spitals, zeitgleich mit der Mobilmachung zum Krieg, bei dem noch am Vortag, am 31.7.1914 der Hochaltar in aller Eile dem Heiligen Rochus und die gesamte Kirche dem Heiligen Geist geweiht wurde. Mit diesem Patrozinium wurde die Sorge, sowohl für die körperliche als auch seelische Genesung, des kranken Menschen verdeutlicht, eine Ausrichtung und Rückbesinnung, die heute mehr denn je an Aktualität besitzt.
Die Kirche, so wie die Besucher sie heute vorfinden, wurde von 1984 bis 1991 renoviert, durch die Neugestaltung des Chorraumes durch Bildhauer Ernst Alt (geb.1935) und geprägt durch die Ideen von Diözesankonservator Hans Jürgen Kotzur.
Veronika scheint versunken in Gedanken und Gefühle und zugleich mit helfender Sorge dem Leidenden zugewandt. Einladung an den trostsuchenden Besucher und Auftrag für die vielen helfenden Menschen in der Klinik.
© Heike Knögel, Pastoralreferentin